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05/02/09

Rocinante und Rucio


Das Paar Don Quichote und Sancho Panza ist fast jedem ein Begriff. Hat Cervantes auch die Begleiter der beiden – das Pferd von Don Quichote und den Esel von Sancho Panza – mit besonderen Charakteristika ausgestattet? Sind sie auch ein gegensätzliches Paar? Fragen an Susanne Lange, die Übersetzerin des Don Quichote

Rein äußerlich entsprechen die beiden natürlich den beiden Protagonisten: Rocinante ist groß und hager, der Esel Rucio klein und rundlich.

Beide Tiere, vor allem Rocinante, nehmen ihre eigene Haltung zu den Handlungen ihrer Herren ein. Rocinante ist im Gegensatz zu Don Quichote die Stimme der Vernunft, die - wenn es dunkel wird oder sie nichts zu essen haben oder wenn sie in der Nähe von ihrem Heimatort sind - natürlich zum Stall strebt und Futter sucht. Von den Eskapaden und den ritterlichen Vorstellungen seines Herrn hält der Hengst nicht viel. Er ist friedfertig und nicht besonders auf Abenteuer erpicht. Rocinante macht sich sogar zusammen mit dem Pferd Babieca, dem Ross von El Cid, bei einem der einführenden Gedichte zum Don Quichote lustig über die Verrücktheit seines Herren.

Don Quichote seinerseits sieht in Rocinante nur das Ritterross. Gelegentlich muss es als Ersatz für Sancho Panza einspringen, wenn dieser nicht zugegen ist. Denn Don Quichote braucht ständig einen Ansprechpartner, bzw. einen Zuhörer für seine Monologe. Hin und wieder macht er sein Pferd auch verantwortlich für seine eigenen Niederlagen.


Und der Rucio? Steht er auch im Gegensatz zu Sancho Panza?
Nein, die sind ein Herz und ein Seele. Sancho entwickelt zu seinem Esel ein inniges Verhältnis, das fast noch inniger ist, als das zu seiner Frau oder zu seinem Herrn. Als er den Rucio verliert, ist das eine große Tragödie. 


Was  hat es mit den Namen Rocinante und Rucio auf sich?

Rucio ist kein Eigenname, sondern ein liebevolles Wort für "Esel".
„Rocin“ ist das spanische Wort für Klepper, „ante“ bedeutet vorher: als Don Quichote beschloss, ein Ritter zu werden, erhob er auch sein Pferd zum Schlachtross, was  er mit der Namensgebung zum Ausdruck bringen wollte. Außerdem schwingt in dem Namen Rocinante noch das "rocin andante" mit, also passend zum fahrenden Ritter das fahrende Ross. Erst in der deutschen Übersetzung wurde aus dem Hengst fälschlicherweise die Stute Rosinante.



Bilder von Stefan Matlik

Erstellt: 05-02-09
Letzte Änderung: 05-02-09


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