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KrimiWelt auf www.arte.tv - Rezensionen aus der Jury

Stefan Slupetzky

Lemmings Zorn


(…) Als im Jahr 2003 der sechste und - wie man damals dachte - letzte Brenner-Roman "Das ewige Leben" von Wolf Haas erschienen war, tat sich eine Lücke auf in der Wiener Krimiszene: Wer sollte Haas' Platz einnehmen, dessen so fulminante wie sprachakrobatische Kriminalromane jeglichen Stellungskrieg verboten. Platz neben Haas war nicht gewesen, über ihm sowieso nicht. In Sachen sprachlicher Brillanz rück-te schnell Heinrich Steinfest in den Fokus, auch wenn der sich bald nach Stuttgart absetzte.

Dann erschien im Jahr eins nach Haas der erste Kriminalro-man eines anderen Wiener Autors. Stefan Slupetzky, 1962 geboren, betrat mit "Der Fall des Lemming" die kriminallite-rarische Bühne - ein wuchtiger erster Akt für einen neuen Helden, Leopold Wallisch, genannt Lemming, frisch entlassen aus der Mordkommission der Wiener Polizei. Eine starke Fi-gur, kantig, grantelnd, menschenfreundlich, mal unentschlos-sen, dann wieder zupackend, von Humor beseelt.

Jüngst ist der vierte Roman herausgekommen, "Lemmings Zorn". Es ist Slupetzkys bislang stärkstes Buch - ein wunder-barer Kriminalroman, der still und geschliffen komponiert steht gegen das Getöse der ganzen Welt. Denn laut geht es zu in dieser Geschichte, an deren Anfang der Lemming Vater wird - inmitten einer Kirche, mithilfe einer unbekannten Rot-haarigen und dem Lemming am Rande des Nervenzusam-menbruchs. Schon diesen Auftakt konstruiert Slupetzky äu-ßerst raffiniert, denn die scheinbar vom Himmel gefallene Geburtshelferin - kein Zufall, dass sie Angela heißt - führt mitten hinein in einen Fall, in dem der Lemming es mit einer privaten Tragödie und einer kuriosen Gruppe von Widerständ-lern zu tun bekommt, die sich wehren will gegen all jenen Lärm, der ihr Leben zu übertönen droht. Ein Leben, das die fürsorgliche Angela an einem stillen Weihnachtsabend aus-haucht. Neben sich, friedlich schlafend, den kleinen Benja-min, des Lemmings Sohn.

In lakonischem Ton erzählt Slupetzky seine Geschichte, gar-niert mit diesem typisch wienerischen Humor, der seinen schwarzen Grund nicht leugnet. Und der alltägliche Begeben-heiten ins manchmal Groteske überhöht, angesiedelt gleich-wohl auf einer realen Matrix.

Volker Albers/ Hamburger Abendblatt 6. Mai 2009

Erstellt: 26-05-09
Letzte Änderung: 29-05-09


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