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Berlinale 2005 - Panorama - 22/09/08

Kritik von Lost children

Ein Film von Ali Samadi Ahadi & Oliver Stoltz


Eine Dokumentation über
Kindersoldaten in Uganda

Synopsis: Ali Samadi Ahadi und Oliver Stoltz porträtieren vier Kinder und Jugendliche, die von Rebellen der LRA (Lord’s Resistance Army) entführt und gezwungen wurden, als Soldaten für sie zu morden. Eine Rückkehr in die Kindheit scheint unmöglich.

Kritik: Konsequent wählen die beiden Filmemacher die Perspektive der Kinder. Abgesehen von einigen Bildern des Bürgerkrieges in Uganda, die am Anfang und am Ende des Filmes zu sehen sind, verzichtet LOST CHILDREN darauf den Krieg zu zeigen. Die eigentlich grausamen Bilder entstehen vielmehr im Kopf des Zuschauers. Da formt etwa der achtjährige Opio aus einem Kleiderbügel aus Draht ein Maschinengewehr, während er eine furchtbare Tat erzählt, die er begangen hat. Mit einem Gewehr ausgestattet schlug er einmal so lange auf den Kopf eines wehrlosen Mannes ein, bis dessen Gehirn herausquoll. Daraufhin zwang er Gefangene, das Hirn zu essen. „Roh?“ fragt der Interviewer geschockt. „Natürlich roh“, lacht Opio sein schönes, unschuldiges Kinderlachen und denkt sich wohl „was für eine dumme Frage“. Opio empfindet keinerlei Reue über das, was er getan hat – noch nicht.

Der 13-jährige Kilama dagegen leidet unter starken Alpträumen, weil er eine Frau umgebracht hat, deren kleiner Sohn dabei zugesehen hat. Durch ein Opferritual, bei dem eine Ziege geschlachtet wird, sollen die bösen Träume verschwinden sie tun es.

Lost Children verzichtet bewusst auf die Effekthascherei des Horrors, wie es so viele Reportagen im Stil Kleine Killer tun. Der Film konzentriert sich ausschließlich auf die Interviews mit vier ausgewählten Kindern und erzählt so nur einen ganz kleinen Bruchteil des seit 18 Jahren wütenden Bürgerkriegs. Die beiden Filmemacher Ali Samadi Ahadi und Oliver Stoltz gingen ihr Projekt mit viel Geduld an. Dreimal reisten sie in das von der Caritas betriebene Flüchtlingslager Pajule in Nord-Uganda, zehn Wochen drehten sie. Pajule ist kein sicheres Rebellengebiet. Zwei Tage, nachdem das Team abgereist war, wurde das Lager von Rebellen überfallen. Dabei starben fast 20 Menschen, 240 wurden entführt.

Opio etwa verschwand ebenfalls bei einem Überfall der Rebellen. Es ist nicht klar, ob er von ihnen ermordet oder erneut verschleppt wurde – es gibt keinerlei Lebenszeichen von ihm. Noch während der Dreharbeiten gründeten die Regisseure ein Hilfsprojekt. Unter www.pajule-aid.org gibt es weitere Informationen dazu. Die Erlöse aus den Verkäufen des Films sollen ebenfalls dem Projekt zu Gute kommen.

Die geplante Resozialisation der ehemaligen Kindersoldaten in ihre Familien erweist sich als mehr als schwierig. Für viele ist ihre Kindheit verloren und ihre Familien wollen sie nicht mehr bei sich aufnehmen. Resigniert sagen mehrere Kinder, „dass es für sie besser ist in den Busch zu den Rebellen zurückzukehren“.

Nana A.T. Rebhan
Lost children
Deutschland 2004, 97 Min.
Regie: Ali Samadi Ahadi, Oliver Stoltz
Panorama

Erstellt: 17-02-05
Letzte Änderung: 22-09-08