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23/05/06

Kleines Fußball-Lexikon

Fußball ist eine internationale Sprache, findet John Cleese, britischer Schauspieler und Mitglied der legendären Comedy-Truppe "Monty Python". Für ARTE gab er dieser Sprache eine Struktur. Ein Auszug.

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von John Cleese
  
wie Angriff

Die ersten historischen Belege weisen Fußball als Bestandteil keltischer Siegesfeiern aus. Nach gewonnener Schlacht wurde dem Anführer des feindlichen Stammes der Kopf abgeschlagen und zum Spaß als Fußball durch das Dorf gekickt. Genau genommen ist die Bezeichnung Fußball für den Kopf in diesem Zusammenhang nicht angemessen. Auf die Bemerkung: "Oh, ihr benutzt das als Fußball", hätte man damals geantwortet: "Nein, wir benutzen das als Kopf." Das Gewaltproblem spielte zu jener Zeit im Fußball noch keine Rolle. Es gab zwar reichlich Gewalt… aber das war kein Problem
 

wie Fouls

Von Bill Shankly, dem legendären Manager des FC Liverpool, stammt der be-rühmte Ausspruch: "Manche Leute halten Fußball für eine Frage von Leben und Tod… doch ich versichere Ihnen, dass es um viel, viel mehr geht." Diese Worte dürften die Bedeutung des Fouls ganz gut erklären. Vom Sieg hängt so viel ab, dass die Spieler eine der wichtigsten Lebensweisheiten vergessen: Wer schummelt, mag zwar die ganze Welt hinters Licht führen, weiß aber im Grunde seines Herzens, dass er ein Betrüger ist. Und er erfährt nie, ob er wirklich gut war.
 

wie Ikonen

Die Fußballstars von heute gelten in der Öffentlichkeit nahezu als Götter. Sie dienen als Vorbilder für Kinder, als Botschafter ihrer Länder und als Trendsetter in der Modewelt. Es gibt kein Thema, zu dem ihre Meinung nicht gefragt ist – was eher fragwürdig erscheint, da ein überbezahlter Schul-abbrecher, der geschickt einen Ball treten kann, nicht automatisch ein Fachmann für Weltpolitik, Klimawandel oder die schönen Künste ist.



wie Torwart

Kein Fehler des Torwarts bleibt je unbemerkt. Wenn ein Stürmer einen Ball verschießt, dann zuckt das Publikum bedauernd mit den Achseln und applaudiert zum Trost anerkennend. Jeder Fehler des Torwarts jedoch wird Gegenstand des öffentlichen Spotts. Unter diesem Druck versagen manchmal sogar die Besten, obwohl sie Nerven aus Stahl und ein dickes Fell haben. Der berühmte David James, Vereinsspieler von Manchester City und Nationalspieler für England, ließ sich von einer Formkrise derart niederdrücken, dass er nicht länger leben wollte und sich vor einen Bus warf. Doch der schoss ihm glatt zwischen den Beinen durch...



wie Spielmacher

Ein Spielmacher ist ein General im Mittelfeld, ein Napoleon des Rasens, der das Spiel kraft seiner natürlichen Führungsqualitäten bestimmt. Sein Weitblick ermöglicht ihm, gleichsam aus der Ferne – wie ein General, der die Schlacht auf dem seines Pferdes beobachtet – den Spielverlauf zu verfolgen und Chancen zu erkennen, die kein anderer je bemerkt hätte. Ohne das Genie im Mittelfeld wäre das Fußvolk verloren. Daran lässt sich nicht rütteln, obwohl es ziemlich nervig sein kann. Man schießt ein Tor und freut sich mächtig – bis sich der Mittelfeldgeneral zu Wort meldet: "Na ja, dass du dieses Tor geschossen hast, war ja eigentlich meine Idee."


 
wie Schiedsrichter

Über Schiedsrichter hört man nie auch nur ein einziges gutes Wort. Dem Volksmund zufolge ist jeder für diese Rolle geeignet, der schlechte Augen hat und mit einer Trillerpfeife im Mund rückwärts laufen kann. Doch die Aufgabe des Schiedsrichters ist ausgesprochen schwierig. Deshalb wird ihr auch niemand gerecht. Dabei denke ich nicht nur an die Weltmeisterschaft von 1986. Maradonna stieß den Ball mit der Hand ins englische Tor, ohne dass es den Schiedsrichter weiter beunruhigt hätte. Schließlich gibt es im Fußball ja so viele Regeln, dass der Schiedsrichter kaum alle im Kopf behalten kann, schon gar nicht bei dem Höllenlärm im Stadion. Wie war das doch gleich? Eine schwere Entscheidung.
 
 
wie Zeitgeist

Hier wären wir also am Ende bei "Z" und damit auch wieder am Anfang angekommen. Denn "Z" steht für "Zeitgeist" – und wie wir alle wissen, liegt Fußball überall in der Luft. Er ist der Geist unserer Zeit. Fußball ist in jeden Lebens- und Kulturbereich eingedrungen. Und ich habe ehrlich gesagt die Nase gestrichen voll davon. Bei den ersten 25 Buchstaben konnte ich mich noch beherrschen, aber jetzt reicht es. Fußball hängt mir zum Halse heraus. Man sehnt sich regelrecht nach Themen wie Philosophie, Bergsteigen, ja sogar Sex. Egal, ob man den Fernseher einschaltet oder in eine Kneipe geht, man hört nichts als Fußball, Fußball, Fußball und kein Ende. In den Zeitungen: Fußball, im Park: Fußball...


Erstellt: 23-05-06
Letzte Änderung: 23-05-06