mit Nazmî Kirik, Belcim Bilgin, Eyam Ekrem…
Cannes 2005 - Wettbewerb
Synopsis: Februar 1988, mitten im Irakkrieg. Ako, ein junger Kurde, möchte das Land verlassen. Doch seine Frau Selma weigert sich mit ihm zu gehen, so lange ihr Vater noch lebt. Ako muss gegen seinen Willen als Soldat in der Armee Saddam Husseins dienen und wird an die Front geschickt. Vergeblich hofft er auf eine Verletzung, aufgrund derer er aus dem Kriegsdienst entlassen werden könnte. Eines Tages erhält er den Befehl, die sterblichen Überreste eines Kriegsgefallenen dessen Familie zu überbringen.

Im Gespräch mit...Hinner Saleem
Regisseur von Kilomètre Zéro
Itw.: Lionel Jullien
FotogalerieKritik: Zwei Jahre nach seinem bewegenden Film „Wodka Lemon“, der beim Filmfestival von Venedig ausgezeichnet wurde, nimmt sich Hiner Saleem eines ganz persönlichen Themas an: das Leben unter dem Regime Saddam Husseins während des Iran-Irak-Krieges. Anfang der 80er-Jahre floh der junge kurdische Regisseur aus der irakischen Diktatur ins Pariser Exil. Hier dienten ihm die Enttäuschungen seines zur gleichen Zeit von der Armee desertierten Bruders als Inspirationsquelle.
„Kilomètre Zéro“, dieses untypische Roadmovie, spielt zunächst in den Bergen Kurdistans, dann an der Grenze, wo die Kämpfe toben, bis die Handlung schließlich ins Gebirge an der türkischen Grenze zurückkehrt. Es ist Akos chaotischer Irrweg, den ihm die äußeren Zwänge auferlegen: der bevorstehende Tod seines Schwiegervaters, der erzwungene Kriegsdienst, der Tod, der wahllos zuschlägt, und schließlich die unfreiwillige Reise, auf der er in Begleitung eines feindlichen Fahrers einen gefallenen Soldaten seiner Einheit zu dessen zwei Tagesreisen entfernt lebender Familie überführen soll. Als Gegengift gegen die Bilder des Unerträglichen streut Hiner Saleem noch in die dramatischste und gewalttätigste Szene eine Prise Absurdes und Humorvolles. Mit seinen schnörkellosen, sonnendurchfluteten oder in staubiges Licht gehüllten Bildern setzt der Regisseur auf das Überraschungsmoment: ein Bett am Straßenrand wie in „Wodka Lemon“, mit Särgen und Fahnen beladene Autos, ein faunähnlicher Mann ohne Arme auf einem Hügel. In diesen Bildern ist auch die erdrückende Ohnmacht angesichts von Grausamkeit und purer Brutalität zu spüren.
Mit der dem Künstler eigenen Distanz zeigt Hiner Saleem die abgrundtiefe Dummheit jener Menschen, die ihrem Drang nach Macht erliegen und mit ihrem minimalen und doch unermesslichen Einfluss Böses tun, die Schwächsten unterdrücken und schließlich erdrücken. Ein universelles Thema, wenn man so will. Doch es gibt vorsichtige Anspielungen auf das Massaker an der kurdischen Bevölkerung, symbolisiert z. B. durch die Leere in den Bildern von ausgestorbenen Dörfern, deren Bewohner deportiert wurden, oder durch rassistische Anfeindungen, denen Ako und seine Kameraden zum Opfer fallen. Nazmî Kirik in der Rolle des jungen „Soldaten wider Willen“ lässt die Figur zunächst nur beunruhigt erscheinen, dann überfordert und schließlich rebellisch. In den Szenen, in denen Ako „ausrastet“ und sein Bein in der wahnwitzigen Absicht in die Schusslinie hält, endlich verletzt und damit als dienstunfähig entlassen zu werden, hat der so verträumte und leicht hilflose Ausdruck in seinem Gesicht eine unbeschreibliche Wirkung. „Kilomètre Zéro“ ist ein pessimistischer Film über die dumpfe Barbarei, mit der sich die Menschen bekämpfen, zugleich aber auch eine schöne Fabel gegen den Krieg. Dass das Ende dann doch voller lyrischer Freude und Schönheit ist, macht diesen vielschichtigen Film zu einem wahren Konzentrat des Lebens.
Delphine Valloire






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Ako, ein junger Kurde, der 1988 gegen seinen Willen in der irakischen Armee kämpfen muss, will nur eines: fliehen.
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