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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 22. Juli 2004 - 27/07/04

Ken Park

Eine bedrückende, düstere Stimmung in der die Jugendlichen lernen müssen zu überleben


Ein Film von Larry Clark und Ed Lachman
 
Synopsis: KEN PARK erzählt eine düstere Geschichte aus dem Leben von vier Jugendlichen und ihren Eltern, die alle in einer Kleinstadt zwischen Los Angeles und Fresno leben. Sie kennen sich von klein auf, und ihre Leben, ihre Liebe und ihr Sex sind ungewöhnlich stark miteinander verbunden.
 
 
Im Gespräch mit Regiesseur  Ed Lachman (Real Video)

Teil 1 Modem | ADSL
Teil 2 Modem | ADSL
Teil 3 Modem | ADSL
 
Interview: Nana Rebhan & Verena Dauerer
Video: Boris Bouscayrol
Filmfestival Venedig 2002

 
 

 
 Kritik: Klar muss sich KEN PARK den Vorwurf gefallen lassen, dass er pornografisch ist. Er will es sein, er muss es sein. Larry Clark ist der einzige amerikanische Filmemacher, der so authentisch Sex zwischen Jugendlichen auf die Leinwand bringt. Sein neuer Film ist ‚unrated', weil er viel zu viele explizite Szenen aufzuweisen hat. Aber: Eines der wichtigsten Themen mit 16-18 ist nun mal Sex; egal ob man welchen hat, weil man unkompliziert und offen damit umgeht, oder ob man damit ein Riesenproblem hat.
 
Das Thema an sich bleibt. Und Larry Clark, der als Fotograf angefangen hat, hat Sex unter Jugendlichen zu seinem Hauptthema gewählt. Schwierig wird jetzt, dass er  die Eltern der Kids mit einbezieht. Einer der Jungs - natürlich alle Skater wie in seinen letzten Filmen - hat Sex mit einem Mädel und mit deren Mutter. Ein anderer wird von seinem Vater - mit dem er starke Probleme hat - im Schlaf besucht. Er will seinem Sohn einen blasen. Als dieser schockiert aufwacht, meint er ganz unschuldig: ‚Ich bin's nur, Dad.' Als der Sohn ihn von sich stößt, jammert er: 'Keiner liebt mich.' Zum Glück kennen Clark und Lachman doch noch Grenzen, und zeigen keinen Inzest, deuten ihn aber an.
 
So gelingt es ihnen, eine bedrückende, düstere Stimmung zu zeichnen, in der die Jugendlichen lernen müssen zu überleben. Manchen gelingt es besser, anderen weniger. Peaches etwa, die mit ihrem streng religiösen Vater zusammenlebt, flüchtet in Sexphantasien, die sie real auslebt: sie fesselt Jungs an ihr Mädchenzimmerbett und hat Sex zu dritt. Später dann zwingt sie ihr Vater unter vier Augen, ihn zu heiraten, weil sie ihrer toten Mutter aus dem Gesicht geschnitten ist. Was danach folgt, bleibt dem Zuschauer verheimlicht. Clark und Lachman haben auch einen sehr trockenen Humor. So gab es Szenenapplaus, als ein total betrunkener Vater pinkelt - mit vollem Strahl und ohne die Hände zu benutzen - im Stehen, während  er eine Bierbüchse öffnet, und den vollen Strahl in seinen Mund plätschern lässt. Ein unglaubliches Bild.
 
Als Rahmen dient dem Film die Geschichte von Ken Park, einem der Jungen, der es nicht schafft, in diesem Klima zu überleben. Am Anfang des Films begleitet ihn die Kamera beim skaten, sie fährt ihm minutenlang hinterher, und zeigt so die Kleinstadt in der alles spielt, begleitet von Skatermusik. Der rothaarige Ken Park, vielleicht 16 stoppt, packt seine DV-Kamera aus, richtet sie auf sich, holt eine Pistole aus seinem Rucksack und erschießt sich. 
 
 Nana A.T. Rebhan
 
 
 Kritik: Nach "Kids" und dem blutigen "Bully" hat Larry Clark erneut einen etwas anderen teenage movie gedreht: "Ken Park" ist ein unabhängiger, realistischer, kompromissloser, gewagter und wütender Film. Er entstand in Zusammenarbeit mit Ed Lachmann, der bei "Virgin Suicides" und "Far from Heaven" die Kamera führte, nach einem Drehbuch von Harmony Korine, dem Regisseur des beunruhigenden Filmes "Gummo".
 
Man hat es hier also mit Tabubrechern zu tun, die gegen das "Politisch Korrekte" rebellieren. Im Gegensatz zu den Hollywood-Filmen mit ihrer sterilen und künstlichen Welt, in der pubertäre Jugendliche grundsätzlich keine Slips zu tragen scheinen, beschreibt "Ken Park" die knallharte Realität und die brutalen Auswüchse des Lebens in der amerikanischen Provinz. Dort wachsen die jungen Leute mit MTV auf, fahren Skateboard, trinken, haben Sex und ziehen so gelangweilt und ernüchtert an ihrer Zigarette, als hätte ihnen das Leben gar nichts mehr zu bieten.
 
Der Film erzählt von vier Jugendlichen, von vier Leben, die Albträume sind. Claude sucht vergeblich Schutz vor den Gewaltausbrüchen seines gestörten, alkoholkranken Vaters, der ein verkappter Homosexueller ist, während die schwangere Mutter apathisch zusieht. Peaches wird von der inzestuösen Liebe ihres Vaters erstickt, eines Bibel-Fanatikers, der in ihr das Ebenbild der verstorbenen Mutter sieht. Shawn hat eine Beziehung zu einer attraktiven verheirateten Frau und ihrer 15-jährige Tochter und versucht  mehr schlecht als recht, beiden gerecht zu werden. Tate ist vom Leben frustriert und lebt seine morbiden Vorlieben aus. Er lebt bei seinen wohlhabenden, glücklich verheirateten Großeltern, mit denen es ständig zu kleinen Missverständnissen kommt. Schließlich hasst er sie deswegen so sehr, dass es zum Mord kommt.
 
Ken Park" enthält Bilder wie die Frontalaufnahme einer Selbstbefriedigung und die Großaufnahme eines länglichen Sperma-Tropfen an einer Penisspitze. Der Film schockiert jedoch nicht deswegen, sondern vor allem weil er ungeheuer glaubwürdig wirkt, man lese nur den oft sehr makabren Polizeibericht. In diesem Werk, das wie eine brutale Psychoanalyse mit äußerst schwarzem Humor ist, setzt Larry Clark wieder einmal da an, wo es am meisten schmerzt und beleuchtet das Thema sexueller Missbrauch in der Familie.
 
Vor dem Zuschauer eröffnen sich Abgründe. Nach all dem Krankhaften und zutiefst Deprimierendem endet der Film jedoch mit einer völlig unerwarteten Szene, in der versucht wird, das Böse durch das Gute zu  überwinden: In einer wilden und hemmungslosen Orgie finden Peaches, Shawn und Claude zu ihrer Sorglosigkeit und Lebensfreude zurück.
 
 Delphine Valloire
 
Ken Park
USA 2002, 96'
Von: Larry Clark und Ed Lachman
Mit: James Ransone, Tiffany Limos, Stephen Jasso, James Bullard, Mike Apaletegui, Adam Chubbuck

Erstellt: 28-06-04
Letzte Änderung: 27-07-04