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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 15. Dezember 2005 - 11/08/08

King Kong

Ein Film von Peter Jackson


Eine virtuose Inszenierung, dem Original technisch um
Meilen überlegen und emotional zumindest ebenbürtig

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Synopsis: New York im Jahr 1933 – die Große Depression hat auch die angehende Varieté-Schauspielerin Ann Darrow (Naomi Watts) auf die Straße gespült. In höchster materieller Not lässt sie sich auf ein Angebot des hochstapelnden Filmemachers Carl Denham (Jack Black) ein, der gerade die Filmrollen eines noch nicht fertig gestellten exotischen Abenteuer-Stummfilms vor seinen Geldgebern entführt hat: zusammen mit dem ebenfalls unter falschen Angaben auf einen klapprigen Frachter gelockten gesellschaftskritischen Bühnenautor Jack Driscoll (Adrien Brody) begibt man sich unter Kapitän Englehorn (Thomas Kretschmann) in südostasiatische Gewässer, wo Denham Großes und Gefährliches im Schilde führt – er will für den krönenden Abschluss seiner Dreharbeiten die sagenumwobene Insel Skull Island ausfindig machen, wo nicht nur Menschenfresser, sondern auch Furcht einflößende Riesenwesen ihr Unheil treiben sollen …

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Kritik: Als der 9-jährige Peter Jackson den berühmten „King Kong“-Film von 1933 mit Fay Wray in der Hauptrolle im neuseeländischen Fernsehen sieht, ist dieses Erlebnis so stark, dass der pummelige Junge beschließt, Filmregisseur zu werden. Bereits drei Jahre später bastelt er zuhause seine eigene Version des Klassikers, mit einem aus Pappe hergestellten Empire State Building, mit einem aus dem Schal der Mutter fabrizierten King-Kong-Fell und mit heimlich zerschnittenen elterlichen Bettlaken, auf die Jackson die Skyline Manhattans aufmalt. Der Riesengorilla übt auch auf den bereits in den frühen 90er Jahren über die Grenzen Neuseelands bekannt gewordenen erwachsenen Regisseur eine ungebrochene Faszinationskraft aus; doch Universal will sein King-Kong-Projekt zunächst nicht finanzieren. Jackson stürzt sich in das 7 Jahre dauernde gigantische Filmabenteuer „Herr der Ringe“, die auch seine ursprüngliche Vision des King-Kong-Remakes verändern wird: je fantastischer die Story, desto realistischer müssen das Setting und die Atmosphäre des Filmstoffes sein.

So verankert Jackson seine Story ähnlich wie das Original im von der wirtschaftlichen Depression gebeutelten Amerika der 30er Jahre. Die ersten 10 Filmminuten sind ein Feuerwerk an kurzen, hart gegeneinander geschnittenen, ebenso überhöhten wie klischierten Postkartenansichten eines unter den Folgen des Börsencrashs leidenden New Yorks – zwischen den in den Himmel schießenden Wolkenkratzern einer wuselnden, täglich wachsenden Metropole hungern ihre Bewohner und werden vor allem mit den ebenso erfinderischen wie virtuosen Darbietungen zahlloser Artisten und Varietékünstler abgespeist. So gelangt Jackson wunderbar elegant zu seinen Protagonisten, die nicht weniger verzweifelt sind als der Großteil der New Yorker. Jack Black mimt einen Carl Denham, der anders als sein Original stets mit einem Bein im Gefängnis steht, weil seine gestenreichen Pitches nicht mit den an die Leinwand geworfenen Traumgespinsten korrespondieren und die renditegeilen Finanziers enttäuschen. Dem am Abgrund balancierenden Carl Denham gehört denn auch die ganze augenzwinkernde Sympathie des Regisseurs, dem zum Jahresende 2005 nicht nur in Amerika, sondern weltweit die undankbare Aufgabe zufällt, mit seinem Riesenspektakel der in diesem Jahr stark Umsatz rückgängigen amerikanischen Kinoindustrie vielleicht doch noch aus den roten Zahlen zu helfen. Zusammen mit seinem Alter Ego geht auch Peter Jackson ein großes Risiko ein – immer spektakulärere Bilder, immer größere ‚Production Value’ liefern zu müssen, um das unstillbare Bedürfnis der Industrie nach kommerzialisierbaren Sensationen zu befriedigen.

Jacksons Authentizitäts-Fetischismus ist in der ersten Hälfte gepaart mit einem sicheren Gefühl für Timing und Rhythmus seiner Geschichte. Wie er das ungleiche Paar Denham/Ann Darrow/Driscoll (Black/Watts) aufeinander treffen lässt, dass ist pointensichere Kintopp-Unterhaltung auf höchsten Vaudeville-Niveau. Die Kinobranche mit all ihren Egozentrismen und Neurosen bekommt von Jackson gehörig ihr Fett ab. Ann Durhams Filmpartner ist gar ein Hollywood-Lackaffe, wie er im Buche steht: wie Bühnenautor Driscoll an einer Stelle süffisant bemerkt, blickt er immer nur in sein Spiegelbild – egal, welchen Erdteil er gerade bereist.

Das aber ändert sich im zweiten Teil der Geschichte fundamental. Mit Neurosen und Nicklichkeiten ist es schnell vorbei, wenn es gegen Furcht einflößende Kannibalen und Dinosaurier ums nackte Überleben geht und schließlich der 7,5 Meter große und 4 Tonnen schwere Gorilla auftaucht. Hier nun läuft Peter Jacksons, Herr-der-Ringe-geschulter neuseeländischer Trickfilmcompanyapparat und das von ihm zur Meisterschaft gebrachte Motion-Capture-Verfahren zur Höchstform auf – wie in der Fantasy-Triologie am Beispiel der ‚Gollum’-Figur durchexerziert, spielte Schauspieler Andy Serkis die Bewegungen des Gorillas erst vor, die dann mit dem genannten Verfahren aufgenommen und anschließend mit am Computer generierten Bildern verschmolzen wurden. Während das die Mannschaft bedrohende, von Spezialeffekten kreierte Saurier-Inferno eher hinter bereits erzielte Wirkungen wie in Jurassic Park zurück fällt, flößt der in mehr als 2-jähriger Arbeit entwickelte digitale Jackson-Kong in Ton und Bild von der Leinwand herunter durch und durch Respekt ein. Eine der schönsten, wenn auch Slapstickhaften Szenen zeigt Naomi Watts auf einem Felsvorsprung bei der Hypnose des Biestes durch eine tollkühne Tanzeinlage. Doch des Widerspenstigen Zähmung ist bekanntlich der Anfang vom qualvollen Ende einer Kreatur auf dem Empire State Building, dessen virtuose Inszenierung dem Original technisch um Meilen überlegen und emotional zumindest ebenbürtig ist.

Martin Rosefeldt


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King Kong
Ein Film von Peter Jackson
Darsteller: Jack Black, Naomi Watts, Adrien Brody, Thomas Kretschmann u.a.
USA, 2005, 180'

Erstellt: 13-12-05
Letzte Änderung: 11-08-08