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Pop - 25/06/12

Kim Fowley

Eine Reportage von Valérie Paillé

Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist Kim Fowley, einer der produktivsten und erfolgreichsten Hintermänner der Popmusik.

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Ich bin kein Künstler und kein Geschäftsmann. Ich bin ein Dämon, ein Kobold, ein Geist, der läuft und spricht. Du glaubst, hier sitzt ein Mensch, der atmet? Du hast den Eindruck, ich sei ein großer Künstler? Kim Fowley
Die Runaways landen 1977 in Japan einen Mega-Hit und legen damit den Grundstein für die Karriere von Joan Jett. Hinter der ersten Girlgroup der Rockgeschichte steckt ein vielseitiger Visionär: Produzent Kim Fowley.

Zu dieser Zeit hat Fowley unter anderem bereits ein Album von Gene Vincent produziert, Konzerte von John Lennons Plastic Ono Band organisiert, sowie Songs für Grusel-Rocker Alice Cooper und KISS geschrieben.

In seiner abwechslungsreichen Karriere sammelt Fowley seit Ende der Fünfzigerjahre unzählige goldene Schallplatten und platziert massenhaft Top-50-Hits.

"Ich bin eine Frau, ein Mann, ich bin alt, bin jung, ich bin Amerikaner, ich bin Ire, ich bin tot, ich bin lebendig." Kim Fowley



Kim Fowley wird 1939 geboren und wächst in San Fernando bei Los Angeles auf. Seine Mutter, Model Shelby Payne, geht nach seiner Geburt lieber auf die Suche nach reichen Männern. Sein Vater, Schauspieler Douglas Fowley, benutzt ihn als Köder bei der Frauen- und Rollenjagd in Hollywood – außerdem missbraucht er den damals sechsjährigen sexuell. Als Kim alt genug ist, heuert er bei den Marines an.

Zurück von der Front gründet Kim mit dem späteren Beach Boy Bruce Johnston und Schlagzeuger Sandy Nelson eine Band. Das Line-Up wird hin und wieder vom jungen Phil Spector an der Gitarre ergänzt. Zunächst heißen sie The Sleepwalkers, dann The Renegades und unter diesem Namen werden sie Ende der Fünfziger in ganz Hollywood durch Fowleys ersten Song berühmt. Dieser trägt den treffenden Titel "Charge!", also "Angriff!". 

1959 verschafft ihm der Rock’n’Roll-DJ Alan Freed einen Job bei Motown. Hier schreibt und produziert Kim Fowley seine ersten Hits für Skip & Flip und die Hollywood Argyles. 1962 knackt er mit "Nut Rocker", das an Tschaikowskis Nussknacker angelehnt ist, die englischen Charts. Noch im selben Jahr produziert Kim einen Doo-Wop-Hit, der bis heute durch die Musikgeschichte geistert: das kultige "Papa Oom Mow Mow" der Rivingtons.





1964 zieht Fowley mit The Murmaids seine erste Girlgroup auf und ihr Hit hält sich sechs Monate in den Charts. Damit hat Kim das große Los gezogen! Mit den Taschen voller Geld macht er sich auf ins Epizentrum der British Invasion, die seit der US-Tournee der Beatles im gleichen Jahr über Amerika hereinbricht.
 
In London durchkämmt er die hippen Clubs, produziert dann das Debüt-Album von Soft Machine und schließlich eine noch völlig unbekannte Band aus den Midlands, die ‘N Betweens. 

Vier Jahre später, 1970, werden die ‘N Betweens zu Slade, und damit nicht nur zu Englands beliebtester Band der Siebziger, sondern auch zu Vorboten der Glamrock-Welle.

"Ich war immer der Produzent, der Anführer. Ich war immer der Zauberer, das Orakel, die gottgleiche Figur, die die Schwachen aus der Dunkelheit zum Sonnenlicht führt." Kim Fowley

Den absoluten Höhepunkt erlebt der Produzent Kim Fowley im Jahr 1975. Er plant, fünf junge Mädchen von der Schulbank loszueisen, damit diese in knappen Outfits die Bühne rocken. Über eine Anzeige im Fanzine „Bomp“ lernt er die damals sechzehnjährige Joan Jett kennen und sperrt sie mit vier anderen Lolitas in einen zum Proberaum umfunktionierten Wohnwagen. Doch nach drei stürmischen Jahren kommt das Aus für die Runaways.

Kim Fowley ist nicht nur als Produzent ein Visionär, auch auf Solopfaden glänzt er mit Geniestreichen. 1963 veröffentlicht er mit “The Trip“ die erste psychedelische Hymne - vier Jahre vor dem Summer of Love.
Der erste Song der Musikgeschichte, der ganz offen das Thema Drogen anspricht.

Er selbst hat knapp dreißig Alben veröffentlicht und ist seiner Zeit immer einen Schritt voraus. So performt er 1968, als alle auf dem Love and Peace-Trip sind, das rockig-wilde “Animal Man“ ganz in Leder und mit Ketten behängt.

"Ich habe mich schon 1959 geschminkt, noch vor David Bowie. David Bowie hat mal gesagt, ich wäre sein drittgrößtes Vorbild." Kim Fowley

Im Februar 2012 inszeniert Fowley seine siebte Krebserkrankung für das Internet. Seine Muse Snow Mercy filmt ihn vor und nach der Operation.
Model, Geliebte, Künstlerin ... Snow Mercy heißt Kims neuester Schützling. Er nimmt sie mit auf Tour, schreibt ihre Songs und hat ihr sein gesamtes Vermögen vermacht.



"Wenn ich mal nicht ficke, pisse, scheiße, schlafe, an einer Krankheit sterbe, esse, weine oder trinke, muss ich ja auch irgendwas machen. Also lebe ich in der Zukunft, entdecke dort Sachen, bringe sie mit zurück in die Gegenwart und verkaufe sie, um Geld zu verdienen. Das ist mein Job." Kim Fowley


Kameraman: Diego Monet
Tonmeister: Nicolas Klein

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Freitag 29. Juni 2012 um 02.30 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2012, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 19-06-12
Letzte Änderung: 25-06-12