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19/05/04

Kill Bill Vol.2

Regie/Drehbuch: Quentin Tarantino
Darsteller: Uma Thurman, David Carradine, Gordon Liu, Daryl Hannah, Michael Madsen u.a.
USA, 2003 
    
 Synopsis: Der Rachefeldzug der „Braut“ (Uma Thurman), einst als „Black Mamba“Mitglied der berüchtigten „Deadly Viper Assasination Squad“ ,  gegen ihren einstigen Arbeitgeber und Liebhaber Bill (David Carradine) geht weiter. Bevor sie mit ihm abrechnet, stehen noch ein paar andere Kandidaten auf ihrer Liste: Budd (Michael Madsen) und Elle Driver (Daryl Hannah).

Kritik: Quentin Tarantinos „Kung Fu Samurai Spaghetti Western“  - seine Hommage an das von ihm heiß geliebte Martials Arts- und Samurai-Kino und den Italowestern der 70er Jahre, mutiert im zweiten Teil mehr und mehr zum Augen zwinkernden Beziehungsdrama. Hierbei erfährt man, dass Bill nicht nur ein abgrundtief durchtriebener ‚Mean Guy’ ist, sondern auch ein liebevoller Vater sein kann, vielleicht die wirkungsvollste Waffe, um dem eiskalten Racheengel doch noch das Herz zu erwärmen. Und fast gelingt ihm das auch – betreibt er schließlich mit seiner einstigen Herzensdame kurzzeitig friedfertige Vergangenheits-bewältigung. Doch beim Filmschnipseljunkie und –recycler Tarantino darf man sich nie allzu sicher sein – auf eine Idylle folgt bestimmt ein tödlicher Gewaltanschlag.

Im zweiten Teil von Kill 2 fällt die Metzelei der „Braut“ jedoch bedeutend subtiler aus. Zunächst ist der kleine Bruder von Bill dran, doch der ebenfalls nach einer giftigen Schlange benannte „Sidewinder“ Budd hat sich bei seinem großen Bruder einiges abgeschaut und verfrachtet die erlegte Protagonistin erst einmal in einen Sarg. Der Tod – lässt uns Tarantino in einer langen, nachtschwarzen Einstellung, untermalt von einer Unheil verheißenden Geräuschkulisse spüren – kann sehr beklemmend sein:  mit jedem Nagel, den Budd durch den Sargdeckel treibt,  weicht das Licht aus Umas Gefängnis, bis es ganz dunkel ist und die lebende Mumie rumpelnd in die Tiefe befördert wird. Die anschließende Stille ist von kurzer Dauer, dann prasselt mit Ohren betäubender  Lautstärke Erde auf ihren Sarkophag.

Es sieht sehr schlecht aus für die „Black Mamba“, doch Tarantino zückt für sie selbstredend noch einen Trumpf aus dem Ärmel – in Gestalt einer Taschenlampe und einer Rückblende ins ferne China, wo die Braut im Spezialtraining bei Gordon Liu lernte, wie man eine Hand aus Stahl formt. Nach diesem episodischen Strickmuster geht es weiter – die einzelnen Stationen des Rachetrips werden mit Rückblenden unterschnitten, die sowohl sein Motiv als auch die Vorbereitung dazu beleuchten. Jede Szene ist ein kleines Kunstwerk in sich, doch dünn sind die Fäden, die den Plot zusammenhalten.

So kunstfertig Tarantinos der Filmgeschichte huldigender Cinemascope-Streifen ist, so simpel ist gleichzeitig seine Weltanschauung. Wünschte sich doch „Die Braut“ nichts sehnlicher, als mit Ehemann und Töchterchen in der texanischen Provinz einen kleinen Plattenladen zu betreiben. So wie einst Quentin Tarantino nichts lieber tat, als in der Videothek zu sitzen und Filme zu gucken.

 Martin Rosefeldt
 
 Synopsis: Nachdem sie sich ihrer alten Kolleginnen Vernita Green und O-Ren Ishii entledigt hat, setzt die Braut ihren Rachefeldzug fort. Jetzt sind Bills Bruder Budd und Elle Driver zu beseitigen, dann bleibt nur noch das eigentliche Ziel: Bill zu killen.

Kritik: Nach dem Blutrausch in „Kill Bill volume I“ wirkt der zweite Teil friedlicher, beinahe geschwätzig und klassischer in der Gestaltung. Dennoch scheint die Welt Eric Rohmers oder seiner Mitherausgeber der legendären „Cahiers du Cinéma“ der 60er-Jahre weit entfernt, trotz einer expliziten Anspielung an François Truffauts Film „Die Braut trug schwarz“ mit Jeanne Moreau. Tarantino erweist auch weiterhin dem Actionkino in all seinen Schattierungen die Ehre: dem Italo-Western, den Filmen von Wu Xia Pian, den Karatefilmen, den großen Giallo-Sreifen oder anderem italienischen Kitsch. Der Film beginnt mit einem langen Rückblick in beinahe überbelichtetem Schwarz-Weiß, in dem die Probe für die Hochzeit von „Black Mamba“ alias die Braut und somit der Schlüssel für die Morde in der Kirche Del Paso gezeigt wird. Zum ersten und einzigen Mal bleiben die Schüsse und von Kugeln zerfetzten Körper außerhalb des Blickfeldes der Kamera, die auf den Himmel und das Dach der Kirche gerichtet ist.

Dieses Gemetzel stellt den Ausgangspunkt der gesamten Handlung dar: Als zentraler Kern des Films ist es gleichzeitig Auslöser und Erklärung für die Rachegelüste und Morde der Braut und bestimmt den weiteren Verlauf der Handlung. Die Todesliste in „Kill Bill 2“ erstreckt sich von Budd bis Bill, dazwischen liegt noch der Zweikampf mit Elle in einem Wohnwagen – wie zwei Tigerinnen gehen die beiden hier aufeinander los. Die Braut war nur knapp dem Tod entronnen, nachdem Budd sie bei lebendigem Leib sechs Fuß unter der Erde begraben hatte. In einer denkwürdigen, fantastischen bzw. klaustrophobischen Szene (je nachdem!) konnte sie sich aus dieser „letzten Ruhestätte“ befreien. Wieder unter freiem Himmel trinkt sie ein Glas Wasser, und in den folgenden Szenen wird erstmals anstatt des gewohnten Piepzeichens ihr richtiger Name genannt – als ob sie ein zweites Mal auf die Welt gekommen sei und ihr Leben gerade erst begonnen habe.

Hervorzuheben ist auch ein weiterer Rückblick über die Einweisung von „Black Mamba“ in die Kampfkunst durch Meister Pei Mei. Diese wie mit der Videokamera gefilmten Erinnerungen in schmutzig grauen dokumentarischen Bildern bestechen durch die Dialoge, Beschimpfungen und Beleidigungen, die vor allem aus dem Mund eines alten chinesischen Weisen besondern erheiternd sind. Die von Uma Thurman verkörperte Figur wirkt mehrschichtiger als im ersten Teil: Als Mutter, Geliebte und Mörderin ist ihr Charakter noch zwielichtiger. Sie und Bill sind wie zwei Schlangen, die sich gegenseitig umbringen, weil sie kein anderes Mittel haben, um miteinander zu sprechen und sich zu lieben. Sie sind Opfer ihrer Besessenheit, wie der Film selbst auch. Die beiden Teile bilden ein großes Gesamtwerk, aber keinen großen, weil zu unausgewogenen, Film: Er ist verrückt genug, um zu gefallen, aber nicht tiefgründig genug, um wirklich zu
begeistern.

 Delphine Valloire

Erstellt: 16-05-04
Letzte Änderung: 19-05-04