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Kino - 03/09/12

Kevin Macdonald

Eine Reportage von Stéphanie Binet

Der Regisseur hat einen Film gemacht, den erstmals auch die Erben des King of Reggae für zeigenswert befinden.

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Diese Treppe führt uns zu Kevin MacDonald. Der fünfunddreißigjährige Regisseur ist der Filmwelt spätestens seit “Der letzte König von Schottland“, seinem Porträt von Diktator Idi Amin Dada, ein Begriff. Jetzt hat er sich den “größten Star der Dritten Welt“ vorgenommen – die Rede ist von Robert Nesta Marley, genannt Bob.

Auf der einen Seite ein Feldmarschall aus Uganda, den man des Kannibalismus bezichtigt und der in seiner Heimat für den Tod von über 300.000 Menschen verantwortlich gemacht wird. Auf der anderen Seite ein Prediger des Friedens, der bis zu seinem Tod 1981 versucht, über den Reggae die verfeindeten politischen Lager seiner Insel zu versöhnen.

In zweieinhalb Stunden zeigt die Dokumentation “Marley“, der seit Mitte Mai im Kino läuft, Bobs kometenhaften Aufstieg vom kleinen Jungen zum Weltstar nach.

"Wenn man einen Film über Künstler macht, an deren Werke jemand anderes die Rechte besitzt, braucht man dessen Genehmigung. In diesem Fall liegen die Musikrechte bei den Universal-Studios, Chris Blackwell und der Familie Marley. Ich ging also zu ihnen, um über mein Projekt zu reden und erklärte, dass es ein sehr persönlicher Film werden sollte."

"Die Idee gefiel ihnen, aber natürlich wollten sie auch mitreden. Da sagte ich dem Produzenten: „Ich habe schon einen Musiker-Film über Mick Jagger gedreht, und das war keine schöne Erfahrung, weil mir jeder reinredete. Das passiert mir nie wieder.“ Ich ließ mir daher vertraglich zusichern, völlig freie Hand zu haben."  Kevin Macdonald





2006 wird Kevin für sein Idi Amin Dada-Porträt mit einem beängstigend glaubwürdigen Forest Whitaker in der Titelrolle bei den British Independent-Film Awards als bester Regisseur ausgezeichnet.

Sechs Jahre zuvor beschert ihm „Ein Tag im September“ über das Geiseldrama bei den Olympischen Spielen 1972 in München, den Oscar für den besten Dokumentarfilm. Kevin MacDonald setzt heikle Themen mit einer Virtuosität um, die den Zuschauer nicht kalt lässt. 





"Marley" ist eine große Hollywood-Produktion, die allein für Musikrechte und den Erwerb von Archiv-Material die Rekordsumme von zwei Millionen Euro verschlingt. Die bisher unveröffentlichten Dokumente über Bobs Leben verdeutlichen, wie es dem Reggae-Titanen gelang, seine Schwächen in Stärken zu verwandeln.

"Bob Marley war aus vielen Gründen bei Interviews nicht gut und mochte sie nicht. Zum einen war er wenig gebildet. Er war zwar unglaublich clever, aber er verließ früh die Schule und war bei Gesprächen mit diesen intellektuellen, gebildeten Journalisten aus Europa etwas eingeschüchtert. Also gab er sich schwierig und antwortete mit Gegenfragen."

"Zudem gab er nicht gerne Erklärungen ab, er liebte das Geheimnisvolle. Und dann gab es noch einen wesentlichen Grund: Was ihm am Wichtigsten war und worüber er am allerliebsten sprach, war Rasta." Kevin Macdonald 



Regisseur: Marjory Déjardin

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Freitag 15. Juni 2012 um 02.20 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2012, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 06-06-12
Letzte Änderung: 03-09-12