Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > Kino-News > Kinostart 02. März 2006 > Kein Science Fiction

Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

Kino-News

Kinostart 02. März 2006 - 01/03/06

Kein Science Fiction

Ein Film von Franz Müller


Schräge deutsche Komödie, die
garantiert kein Science Fiction ist

Weitere Artikel zum Thema

Externe Links

Deutschland 2003, 112 Min.
Mit Jan Henrik Stahlberg, Arved Birnbaum, Nicole Marischka

Synopsis: Marius (Jan Henrik Stahlberg) ist Motivationsmanager. In einem Seminar mit dem besonders komplizierten Kursteilnehmer Jörg (Arved Birnbaum) passiert etwas Unglaubliches: Auf einmal ist Marius mit Jörg in einem Raum-Zeit-Kontinuum gefangen. Sobald Marius eine Tür hinter sich schließt, haben seine Mitmenschen ihn vergessen. Das bringt ihn auf einige abenteuerliche Ideen...

Kritik: Kein Science Fiction ist nicht nur kein Science Fiction, sondern auch kein Film, der etablierte Erzählstrukturen nutzt. Regisseur Franz Müller und seine Schauspieler setzen auf Improvisation und Flexibilität. Deshalb schuf Müller in seinem Spielfilmdebüt eine relativ komplizierte Konstruktion – das Motivationsseminar, aus dem seine beiden Hauptdarsteller auf einmal in einem Raum-Zeit-Kontinuum landen – aber das alles nur, um beim Dreh die größtmögliche Freiheit zu haben. Müller meint: „Kein Science Fiction hat keine Meta-Ebene, sondern handelt von ganz konkreten alltäglichen Situationen, den Nöten und Freuden der Protagonisten. Die absurde Handlungskonstruktion wurde für das freie Spiel erfunden, und nicht umgekehrt.“

Als Zuschauer merkt man den Szenen und den Schauspielern an, dass sie viel Spaß gehabt haben müssen während des Drehs. Der Film konzentriert sich vor allem auf die drei Hauptdarsteller Marius, Jörg und eine Frau, die zwischen beiden steht. Gedreht wurde chronologisch, Passanten wurden bewusst in Szenen integriert. KEIN SCIENCE FICTION ist eine melancholische Komödie, ein Film, der stets sehr nah an seinen Figuren bleibt. Manchmal entstehen dadurch auch Längen, etwa wenn Jörg die Frau kennen lernt, und beide so schüchtern sind, dass sie sich nicht viel zu sagen haben. Gedreht wurde – nicht nur aus Kostengründen – auf DV-Material, was dem Film seine beabsichtigte Flüchtigkeit verleiht. Sicher sind in diesem Format nur schwer Bilder zu schaffen, die der Größe einer Kinoleinwand gerecht werden; das Ergebnis wirkt klein und schmutzig - aber sympathisch.

Es macht Spaß, Marius und Jörg bei ihrer komischen Odyssee zuzusehen. Marius erprobt immer wieder neue Methoden, Frauen anzumachen, die bei seiner erfrischenden Art wohl auch sehr gut in der Realität ankommen würden. Regisseur Franz Müller weist jeglichen philosophischen Überbau des Films weit von sich, intellektuell geplant habe er gar nichts: „Ich habe manchmal das Gefühl, die Leute sind enttäuscht, wenn sie erfahren, dass ich nicht mit der philosophischen Grundidee des Vergessenwerdens, was ist eine Existenz wert, wenn sich keiner daran erinnert usw. angefangen habe. Dabei ist das ja das Schöne. Diese ganzen Sachen kommen von allein. Dafür ist man ja ein durchlässiger Mensch, der dann den Quatsch aussortieren muss. Der inhaltliche moralische Überbau entsteht von allein, denn das bin ja ich, die Liebe zu den Figuren, das muss ich mir nicht ausdenken.“ Das, was dabei entstanden ist, ist sehenswert, auch wenn es streckenweise langatmig ist. Und das Ende des Films ist wirklich schön. Dieser völlig überraschende Moment der Unberedtheit von Marius ist extrem komisch und überwältigend zugleich.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 28-02-06
Letzte Änderung: 01-03-06