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02/10/2007 - 28/08/08

Katastrophen-Blues V.A.

„Doom & Gloom. Early Songs Of Angst And Disaster“


Technische Errungenschaften und finanzpolitische Entwicklungen schürten den Glauben in eine moderne und fortschrittliche Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Mythos vom Aufstieg des Tellerwäschers zum Millionär hat hier seinen Ursprung, und wurde in Musicals und Revuen vielfach besungen. Von der Schattenseite dieser Entwicklungen, von der Weltwirtschaftskrise, der Ausbeutung der Arbeiter und anderen Katastrophen handelt dagegen die Musik der Armen und sozial Benachteiligten, die Folk- und Blues-Musik.

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschte ein Glauben an eine moderne und demokratische Gesellschaft vor. Der rasante technische Fortschritt sorgte für Superlativen auf allen Gebieten und die politischen Umwälzungen förderten den sozialen Wohnungsbau und ließen die Lebenserwartungen steigen. Trotz allem wurden viele Gesellschaftsschichten benachteiligt, da der Segen des Fortschritts vor allem die bereits Bessergestellten erreichte. Die Afroamerikaner sollten noch über Jahrzehnte für ihre politische und gesellschaftliche Anerkennung kämpfen, wie auch andere ethnische Minderheiten. Und die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise von 1929 traf vor allem diejenigen, die sich nie an den wilden Spekulationen der Börse beteiligt haben, die Arbeiter, die Landwirte und viele Kleinstunternehmer.
Und so bröckelte der Glauben an die Moderne vor allem in den unteren Gesellschaftsschichten. Eine Gegenbewegung bildete sich heraus, die sich dem Fortschrittsoptimismus verwehrte und sich dem religiösen Glauben wiederzuwand. Dürreperioden und Überschwemmungen wurden zunehmend als Zeichen einer herannahenden biblischen Apokalypse gedeutet. Und der Untergang der Titanic und der Absturz der Hindenburg als Strafe für die Menschheit, die glaubt, sich über die Natur erheben zu können.

Mit großer Sorgfalt hat Christoph Wagner für die Kompilation „Doom & Gloom“ Lieder recherchiert und ausgewählt, die dieses depressive Zeitgefühl widerspiegeln. Die Aufnahmen der „Early Songs Of Angst And Disaster“ aus den Jahren 1927 bis 1945 beschreiben eindrücklich anhand von Einzelschicksalen, die Auswirkungen der Katastrophen auf die Existenz der einfachen Leute. Neben berühmten Sängerinnen und Sängern wie Bessie Smith, ‚Big’ Bill Broonzy und der Carter Family wartet die Kompilation mit zahlreichen zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Musikern auf. „Doom & Gloom“ versammelt eine Auswahl an großartigen Songs, die von den Musikern hingebungsvoll interpretiert werden und beim Hören für kalte Schauer sorgen. Ebenso vermittelt die Kompilation ein Stück Gesellschaftsgeschichte, die prägend für die Ausbildung diverser Musikstile war, und zudem an Aktualität nicht eingebüßt hat. Entsprechende Tendenzen kann man in New Orleans seit dem Hurrikan „Katrina“ verfolgen, anhand des desaströsen Umgangs der us-amerikanischen Regierung mit der afroamerikanischen Community.


Matthias Schneider

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Katastrophen-Blues
V.A.
„Doom & Gloom. Early Songs Of Angst And Disaster“
Trikont
Nocturne

Erstellt: 01-10-07
Letzte Änderung: 28-08-08