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Wettlauf um die Rohstoffe

Weltweit steigt die Nachfrage nach Rohstoffen, zumal Schwellenländer wie China, Brasilien und Indien ein rasantes Wirtschaftswachstum erleben.

Wettlauf um die Rohstoffe

Dienstag, 27. Januar 2009 um 21.00 Uhr - 28/01/09

Kalter Krieg am Nordpol

Wem gehört der Nordpol?


Lukrative Rohstoffvorkommen am Nordpol und die Aussicht, sie durch die klimabedingte Eisschmelze abbauen zu können, rufen die Anrainerstaaten auf den Plan. Medienwirksam haben etwa die Russen eine Fahne unter das schmelzende Eis auf den Meeresboden gesetzt. Aber auch die USA, Kanada, Norwegen und Dänemark melden Ansprüche auf mögliche Öl- und Gasvorkommen in der Arktis an. Mit millionenschweren Investitionen erforschen sie vermutete Rohstofflager und schicken Expeditionen ins schmelzende Eis. Doch die Ansprüche sind längst nicht geklärt. Der Ton zwischen den Staaten wird rauer, und das politische Klima zunehmend gereizter. Bricht hier ein neuer "Kalter Krieg" aus?

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Wiederholung: 05.02.2009 um 09.55 Uhr
Kalter Krieg am Nordpol
(Deutschland, 2008, 44mn)
SWR
Regie: Alexander Stenzel

Wem gehört der Nordpol? Der Klimawandel, schmelzendes Eis und die Aussicht auf lukrative Rohstoffvorkommen - vor allem Öl und Gas werden vermutet - haben diese Frage wieder auf die politische Tagesordnung gesetzt. Nach dem UN-Seerechtsübereinkommen dürfen die Anliegerstaaten die Arktis jeweils bis zu 200 Seemeilen vor ihrer Küste wirtschaftlich ausbeuten. Doch wer nachweisen kann, dass der Festlandsockel noch weiter in die See hinaus reicht, darf auch dort nach Bodenschätzen suchen. Deshalb stellte Russland im August 2007 per U-Boot seine Nationalflagge unter dem Meer am Nordpol auf. Diese medienwirksame Aktion hat zwar keine rechtliche Bedeutung. Sie zeigt aber, dass die russische Regierung viel investieren wird, den Wettlauf um die Ausbeutungsrechte zu gewinnen.
Auch Norwegen, Kanada, Dänemark und die USA melden Ansprüche an. Wissenschaftler der Nordpol-Anrainerstaaten sammeln Daten, die beweisen sollen, dass der Meeresboden unter dem Eis der Arktis Teil des jeweiligen nationalen Festlandes ist. Wird es deshalb zu einem neuen "Kalten Krieg" kommen, der zu politischen Spannungen und sogar zu militärischen Konflikten führen wird?

Jedenfalls herrscht Goldgräberstimmung. Die erste große Studie über Öl- und Gasreserven am Nordpol wurde im August 2008 vom geologischen Dienst der USA veröffentlicht. Die US-Wissenschaftler gehen davon aus, dass geschätzte 90 Milliarden Barrel Öl förderbar sind. Das entspräche einem Drittel der Reserven des Ölgiganten Saudi-Arabien. Und die Gasvorkommen in der Nordpolregion sollen, gemessen an den weltweit nachgewiesenen Reserven, noch viel größer sein.
Umweltschützer fürchten, dass der Wettlauf um die Rohstoffe am Nordpol und die Aussicht auf das große Geld das ökologische Gewissen ausschalten. Schon jetzt leiden die Inuit-Jäger der Region unter dem Klimawandel. In den Sommermonaten schmilzt das Eis dramatisch. Die Robben ziehen sich bis nahe an den Nordpol zurück - zu weit weg für die Inuit, die vom Robbenfang leben.
Sollten Ölplattformen errichtet werden und Tanker in die Region kommen, stiege auch die Gefahr einer Havarie. Die Auswirkungen einer Ölpest auf das gesamte Ökosystem in der Arktis wären enorm.

Die Dokumentation begleitet Expeditionen ins Eis und zeigt, welche weitreichenden Konsequenzen der Wettlauf um die Rohstoffe und der Streit um die territorialen Ansprüche haben könnten.

Erstellt: 03-11-08
Letzte Änderung: 28-01-09