Berlinale 2005 - Wettbewerb - 16/02/05
Kakushi Ken - Oni no tsume
Ein Film von Yoji Yamada
Die Schmach der deklassierten Samurai
– akademisch betrachtet….
Die Filme - Berlinale 2005
Synopsis: Japan im 19. Jahrhundert. Der Niedergang der Samurai ist selbst in der kleinen Domäne Unasaka zu spüren. Dort leben Munezo, Samon und Yaichiro, drei Angehörige der einst hochgeschätzten Kaste. Yaichiro gibt die Hoffnung auf eine Karriere nicht auf und will sein Glück in Edo versuchen. Munezo und Samon begnügen sich mit ihrem bescheidenen Dasein in Unasaka. Doch Demütigungen und Enttäuschungen machen ihre Hoffnung auf ein angenehmes Leben und die Pläne des ehrgeizigen Yaichiro zunichte …
Kritik: „The Hidden Blade“ ist bereits der 78. Spielfilm des in Japan sehr populären Kinoveteranen Yoji Yamada, der als Regisseur der Fernsehserie „Tora-san“ ist Yamada auch außerhalb Japans ein Begriff ist. Der Film basiert auf dem Roman von Shuhei Tujisawa über den Untergang der Samurai. Kein sehr origineller Stoff. Die meisten der heute in Japan erscheinenden Samurai-Romane handeln vom Niedergang dieser Kaste. Doch das Thema allein sagt noch nichts aus über die Qualität des Films. Diese leidet stark unter der platten Adaptation der literarischen Vorlage. Der Regisseur beschränkt sich auf den routinierten Einsatz von Stilmitteln wie Erzählungen aus dem Off und Wechsel von Einstellungen und Gegeneinstellungen. In der hier gezeigten Häufigkeit und Konzentration wirkt das Ganze allerdings sehr ermüdend.
Auch vom Ästhetischen her lässt der Film viel zu wünschen übrig. Yamada verknüpft eine Geschichte aus der Feudalzeit mit der Moderne, indem er Parallelen herstellt zwischen den beschäftigungslosen Samurai, deren Hoffnung mit der Rückbesinnung auf die traditionellen Werte der Familie und Gemeinschaft wiederkehrt, und dem modernen Japan von heute, das seine sklavische Ergebenheit gegenüber einer trübsinnigen Arbeitswelt zu überwinden und seine zerstörte Familienkultur wieder aufzubauen sucht.
Denkbar, dass Yoji Yamada am Ende seiner beruflichen Laufbahn der Versuchung verfällt, dem alten Japan ein Denkmal zu setzen und dem Gedanken der Überlieferung zu huldigen (sein vor zwei Jahren entstandener Film „The Twilight Samouraï“, handelt vom gleichen Thema). Nichts ist in diesem Film so offenkundig und schrecklich ermüdend wie sein angestrengter Akademismus.
Julien Welter
The Hidden Blade (Kakushi Ken – Oni No Tsume)
Regie: Yoji Yamada
(Japan 2004, 2 Stunden 12 Minuten)
Darsteller: Masatoshi Nagase, Takako Matsu, Hidetaka Yoshioka…
Sektion: Wettbewerb
Erstellt: 15-02-05
Letzte Änderung: 16-02-05