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Schiller Schwerpunkt

Am 10. November 2009 jährte sich der Geburtstag von Friedrich Schiller zum 250. Mal. ARTE widmete dem deutschen Dichter einen ganzen Thementag

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Am 10. November 2009 jährte sich der Geburtstag von Friedrich Schiller zum 250. Mal. ARTE widmete dem deutschen Dichter einen ganzen Thementag

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Donnerstag, 05.11.09 um 22.30 Uhr - 05/11/09

Kabale und Liebe

Anlässlich des Schillerjahres 2009 engagierte das Schauspielhaus Düsseldorf einen der spannendsten Regisseure der deutschen Bühne: Andreas Kriegenburg inszenierte Schillers zeitloses bürgerliches Trauerspiel um Intrigen und eine unmögliche Liebe.

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Das von Friedrich Schiller 1784 geschriebene bürgerliche Trauerspiel "Kabale und Liebe" handelt von der Liebe zwischen einem Adeligen und einer Bürgerstochter, Ferdinand und Luise. Gegen den Willen seines Vaters, der seinen Sohn mit der Mätresse des Herzogs verheiraten will, hält Ferdinand an seinen Gefühlen fest.
Durch eine Intrige wird Luise gezwungen, einen fingierten Liebesbrief an einen anderen, adligen Mann zu schreiben. Zudem muss sie einen Eid auf ihr Leben schwören, dass sie die Zeilen freiwillig verfasst hat. Der Brief wird Ferdinand zugespielt, der zwar eifersüchtig und verletzt ist, jedoch weiter an die große Liebe zu Luise glaubt.
Diese wiederum wird von ihrem Vater davon abgehalten, den Freitod zu suchen, um ihrem Geliebten sterbend die Wahrheit zu sagen. In dieser verzweifelten und auswegslosen Situation vergiftet Ferdinand sich und Luise. Den Tod vor Augen, offenbaren beide ihre Liebe zueinander.

Andreas Kriegenburg, "Faust"-Preisträger 2008, gelingt es eindrucksvoll, die im 18. Jahrhundert angesiedelte Geschichte in die Gegenwart zu übertragen: Das karge, in weiß gehaltene Bühnenbild, der Verzicht auf Requisiten, moderne Kostüme, die durch einen E-Bass-Spieler live auf der Bühne vorgetragene Musik, wohldosierte Komik sind Beispiele dafür. Die Inszenierung fokussiert das Theaterspiel auf den Kern des Schiller'schen Stücks: die Kraft der Liebe, die sich gegen alle äußeren und inneren Widerstände durchsetzt. Andreas Kriegenburg: "In unsere Zeit hinein - ohne Illusionen, in dieser Welt von Korruption, von Verteidigung der eigenen Machtinteressen, von Nichtachtung der Würde des anderen - ein Stück zu machen, das den Wert und die Unbedingtheit einer Liebe feiert, die auch in die Zukunft investiert, ist für mich ein Anliegen und ein beglückendes Erlebnis".
Die Fernsehaufzeichnung von János Darvas überträgt die außergewöhnliche Inszenierung des Theaterregisseurs mühelos ins elektronische Medium. In mal intensiven, fesselnden Nahaufnahmen, mal distanzierten, beobachtenden Bildern transportiert der Film feinfühlig Inhalt und Emotionen des Dramas. Der Zuschauer am Bildschirm ist zugleich auch Theaterbesucher: hautnah gefesselt von der Darstellung auf der Bühne und dramaturgisch geleitet wie in einem Dokumentarfilm. "Kabale und Liebe" präsentiert sich so über 200 Jahre nach seiner Entstehung als zeitloses, modernes und nicht zuletzt aktuelles Stück Fernsehkultur.

Andreas Kriegenburg wurde am 15. November 1963 in Magdeburg geboren. Anfang der 80er Jahre arbeitete er nach einer Ausbildung als Tischler zunächst als Techniker und Tischler am Theater Magdeburg. 1984 wechselte er als Regieassistent an das Gerhart-Hauptmann-Theater in Zittau, wo er im gleichen Jahr sein Regiedebüt mit Jewgeni Schwarz' "Rotkäppchen" feierte. Von 1987 bis 1991 war er Regieassistent, dann Regisseur am Kleist-Theater in Frankfurt/Oder. Er brachte dort im Januar 1989 Strindbergs "Fräulein Julie" und am 9. November 1989, dem Tag, an dem die Berliner Mauer fiel, Lothar Trolles "Barackenbewohner" heraus. 1991 wechselte er als Hausregisseur an die Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, wo ihm mit Büchners "Woyzeck" ein großer Erfolg gelang. Es folgten Gastinszenierungen unter anderem in Basel, Bonn und Hannover. Von 1994 bis 1999 war er Hausregisseur bei Ulrich Khuon am Niedersächsischen Staatstheater Hannover und regelmäßiger Gastregisseur am Bayerischen Staatsschauspiel München. In München wurde er 1997 mit dem Bayerischen Theaterpreis ausgezeichnet.
Von 1999 bis 2001 war er Hausregisseur am Burgtheater Wien unter der Intendanz von Klaus Bachler. In der Spielzeit 2001/2002 folgte Kriegenburg Ulrich Khuon ans Hamburger Thalia Theater, wo er bis Ende der Spielzeit 2008/2009 Oberspielleiter war. Zuletzt waren in Hamburg seine Inszenierungen "Die Schmutzigen Hände" von Jean-Paul Sartre (eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2007), "Hexenjagd" von Arthur Miller, "Aus dem Leben der Marionetten" von Ingmar Bergman, "Romeo und Julia" von William Shakespeare, "Onkel Wanja" von Anton Tschechow, "Urfaust" von Goethe und Molières "Der Menschenfeind" zu sehen.
Neben seinen Arbeiten in Hamburg inszenierte er an den Münchner Kammerspielen. Diese Arbeiten wurden alle zum Berliner Theatertreffen eingeladen: 2002 "Orestie" von Aischylos, 2004 "Die Nibelungen" von Friedrich Hebbel, 2006 "Drei Schwestern" von Anton Tschechow und 2009 "Der Prozess" von Franz Kafka. Im Jahr 2006 gab er sein Debüt als Opernregisseur am Theater Magdeburg mit der Aufführung von "Orpheus und Eurydike" nach Christoph Willibald Gluck, es folgte 2008 Alban Bergs "Woyzeck" an der Bayerischen Staatsoper in München.
Seine Inszenierung "Die Nibelungen" an den Münchner Kammerspielen wurde mit dem begehrten Nestroy-Theaterpreis als beste deutsche Inszenierung des Jahres 2005 ausgezeichnet und mit dem 3sat-Innovationspreis für seine "zukunftsweisende Leistung". Mit seiner Inszenierung "Das letzte Feuer" am Hamburger Thalia Theater wurde Kriegenburg als bester Regisseur mit dem Faust-Theaterpreis 2008 geehrt. Insgesamt neun seiner Arbeiten wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen, dieses Jahr war er dort mit seiner Version von Kafkas "Prozess" vertreten. In der Spielzeit 2009/10 ist er mit Ulrich Khuon als Hausregisseur ans Deutsche Theater Berlin gegangen.

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Kabale und Liebe
Theaterstück von Friedrich Schiller
Kostueme: Marion Münch ; Inszenierung: Andreas Kriegenburg ; Fernsehregie: János Darvas ; Ausstattung: Andreas Kriegenburg
Mit: Matthias Leja (Präsident von Walter), Daniel Christensen (Ferdinand), Kathrin Röver (Hofmarschall von Kalb), Xenia Snagowski (Lady Milford), Thiemo Schwarz (Wurm), Daniel Graf (Wurm), Götz Schulte (Miller), Janina Sachau (Luisa)
ARTE/WDR, Deutschland 2009, 143 Min.

Erstellt: 23-10-09
Letzte Änderung: 05-11-09