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Korean Pop - 14/03/12

K-Pop

In Südkorea plant man die Weltrevolution: mit Kulleraugen, Gaga-Texten und knallharter Strategie.

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Girls Generation sind Südkoreas erfolgreichster Pop-Export. Sie flimmern über Millionen asiatischer Mattscheiben und liefern in perfekt produzierter Pop-Manier einen Nummer Eins Hit nach dem anderen. Ihr Song „Gee“ hat über 65 Millionen Klicks auf YouTube  und damit locker mehr als jede Chart-Group der westlichen Welt.
 
Eine ganze Armee koreanischer Popbands überrennt mittlerweile den asiatischen Markt. Korean Pop – kurz K-Pop – dominiert die Musikszenen in Japan, Indien und China. Hallyu die koreanische Welle spült Musik, TV-Serien und Modetrends über Asien – und schlägt treffsicher überall ein.
 
Mike Noh
„Im US-Pop oder im Pop westlicher Prägung geht es meistens um zerstörte Liebe oder destruktive Emotionen. Teilweise wird sogar heftig geflucht. Das alles kann in der asiatischen Kultur und gerade von den Jugendlichen hier einfach nicht nachempfunden werden. Im K-Pop hingegen treffen ganz einfache Melodien und Texte auf ausdauernden Tanz, synchrone Bewegungen und eingängige Choreographien – das kommt an.“
 
Die Ausbildung der angehenden koreanischen Stars übernehmen vor allem drei große Musikagenturen. Eine der wichtigsten ist JYP Entertainment – wer hier mit 14 unter Vertrag genommen wird, hat gute Chancen, mit 20 erfolgreich zu sein. Mike Noh betreut viele von denen, die das hauseigene Ausbildungssystem durchlaufen.
 
Mike Noh
„Es wäre eine Lüge zu behaupten, das Aussehen spiele keine Rolle, aber noch wichtiger ist das Benehmen. Tadellos müssen die Manieren der asiatischen Kultur beherrscht werden, wie Anstandsformen, Begrüßungsformen und natürlich auch ausländische Sprachen. Wir beobachten genau, ob sie unsere Schulungen gut verinnerlichen, insbesondere den Fremdsprachen-, Tanz- und Gesangsunterricht. Das bewerten wir monatlich. Wir benutzen dabei ein Punktesystem basierend auf einem von uns standardisierten Bewertungsschema. Aus den Personen mit den höchsten Punktzahlen werden dann die Gruppen zusammengestellt."
 
>> Web-Bonus: Musikproduzent Bernie Cho über die Bedeutung von K-Pop für sein Land



In der popkulturellen Planwirtschaft bleibt nichts dem Zufall überlassen: Auch nicht das Aussehen der Bands. Südkorea ist weltweit das Land mit den meisten Schönheitsoperationen.
 
Damit die Bands auch auf anderen asiatischen Märkten funktionieren, lernen sie die Sprache der jeweiligen Zielgruppe. 2pm etwa mussten über ein Jahr lang Japanisch pauken, wurden von ihrem Label getestet und durften erst dann auf große Japan-Tour gehen. Dass auch ihr Englisch einwandfrei ist, gehört mittlerweile zum Standard in der Branche.
 
Bernie Cho
"Schau dir doch einige der Top-Acts an, die in Asien gerade groß rauskommen: Da ist immer einer in der Band, der kein Koreaner ist. Und das mit Absicht! Ich halte das für brillant! Mittlerweile kommen sogar ausländische Künstler nach Korea, um hier zu verstehen, wie man Stars erschafft, um quasi in der K-Pop-Schule zu lernen."
 
Und das registriert natürlich auch die südkoreanische Staatsgewalt: Seit vier Monaten hat das Kulturministerium hier eine eigene Abteilung für Popkultur. Der staatliche Fernsehsender KBS macht enorme Quote mit mehrstündigen Musik-Shows und sendet ein rundum sorgenfreies Bild Koreas in über 70 Länder der Erde. K-Pop, schafft damit etwas das Diplomaten über Jahre hinweg vergeblich versucht haben: Korea wird wahrgenommen. Kein Wunder, dass selbst der Kulturminister des Landes zum Fan avanciert!
 
Kwang Shik Choe, Kulturminister
"K-Pop spielt eine wichtige Rolle dabei, dass Korea in der Welt positiv gesehen wird. Es hilft, das Image unseres Landes zu verbessern. Durch K-Pop ist schließlich auch das Interesse an koreanischer
Literatur, traditioneller Musik und die Nachfrage nach koreanischen Produkten gestiegen. Diese Musik hilft uns dabei, Korea in der Welt bekannter zu machen!"
 
Bernie Cho
„Ob wir über koreanische Autos oder Unterhaltungselektronik, über koreanische Küche oder Alkohol sprechen: Dank K-Pop hat ‚Made in Korea’ inzwischen den Ruf hip, modisch, angesagt und cool zu sein.“
 
Das Klassenziel ist in Sichtweite: K-Pop erobert die Welt! Vielleicht ja sogar irgendwann auch den kommunistischen Bruderstaat: Chinesische Schmuggler jedenfalls erzählen, dass in Nordkorea die CDs und DVDs aus dem Süden bereits reißenden Absatz finden.       

>> Web-Bonus: Musikproduzent Bernie Cho über die typische K-Pop-Karriere


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Freitag 9. März 2012 um 01.20 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2012, 52mn)
WDR

Erstellt: 24-02-12
Letzte Änderung: 14-03-12