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Tag 1 - 10/02/12

Jury: Die beste Momente der Pressekonferenz



"Ich denke, es ist unmöglich für jeden Einzelnen von uns in der Jury, irgendeinen Film zu bewerten, ohne ihn sowohl politisch, sozial und gesellschaftlich als auch aus künstlerischer Sicht zu beurteilen." Zu dieser Einschätzung gelangte der britische Regisseur und diesjährige Jury-Präsident Mike Leigh auf der Berlinale-Pressekonferenz nicht nur angesichts eines teilweise hochpolitischen Wettbewerbprogramms. Sondern auch wegen seiner Jury-Kollegen, unter ihnen in ihren Heimatländern politisch angefeindete Künstler wie der iranische Regisseur Asghar Farhadi oder der algerische Schriftsteller Boualem Sansal, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2011.

Sansal, ein absoluter Neuling im Filmgeschäft und gerade wegen seines unverstellten Blicks von Kosslick als Juror berufen, wurde wegen seiner Regimekritik aus dem algerischen Staatsdienst verbannt. Seine Jury-Tätigkeit sieht er positiv. Dadurch sei er in Zukunft sicherer vor weiteren Anfeindungen und Drohungen in Algerien, die Probleme der zunehmenden Islamisierungen und Diskriminierung der Berber-Minderheit könnten zumindest kurzfristig stärker in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücken.

Die Dominanz des Hollywood-Kinos jedenfalls rückt in Berlin ferner denn je. Die neue Technik macht es möglich. Auch Mike ist optimistisch, dass die weltweite Dominanz des amerikanischen Popcorn-Kinos dank der vereinfachter Digitaltechnik gebrochen werden könnte.

Im Fremdsprachen-Wettbewerb mit Berlinale-Präsident Dieter Kosslick liegt der Regisseur von Vera Drake, Happy Go Lucky und zuletzt vom Cannes-Beitrag Another Year einstweilen mit 1:0 in Führung. In fehlerfreiem Deutsch konstatierte er zum Auftakt der Berlinale 2012: "Alles ist schneebedeckt!"
Martin Rosefeldt

Erstellt: 09-02-12
Letzte Änderung: 10-02-12