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Mittelmeerraum

Wird der Nahostkonflikt dazu führen, dass der Gipfel der Mittelmeerunion seine Prioritäten und Methoden neu überdenkt?

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Mittelmeerraum - 22/03/10

Jordanien

Jordanien ist eines der wasserärmsten Länder der Welt. Das angrenzende Westjordanland sowie der Irak leiden unter demselben Problem, das in dieser sensiblen Region schnell Konflikte hervorrufen kann.

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Doch eine gemeinsame Notlage kann auch Verbindungen schaffen. So haben Jordanien und Israel 1994 einen Friedensvertrag unterzeichnet, der unter anderem die Aufteilung des Wassers des Jarmuks und des Jordans zwischen den beiden Ländern regelt. Aktuell finden sogar bilaterale Verhandlungen über den Bau eines gigantischen Kanals, der das Rote Meer mit dem Toten Meer verbinden soll, statt. Damit soll dem stetig sinkenden Wasserstand des letzteren entgegengewirkt werden.

Ein intelligentes Wassermanagement gehört zu den Prioritäten der Mittelmeerunion, in deren Namen zuvor von der EU initiierte Projekte weitergeführt werden sollen. Des Weiteren sollen bilaterale Kooperationen zwischen den verschiedenen Mitgliedsländern gefördert werden. Im Moment werden die Maghreb-Staaten sowie der Nahe Osten jedoch hauptsächlich noch mit von der EU finanzierten Initiativen unterstützt. Die Europäische Kommission hat 40 Millionen Euro in das Programm MEDA Water investiert, um den Wassersektor in der Region auszubauen. Davon gingen 5 Millionen an NGOs, Universitäten und staatliche Unternehmen. Das Programm wurde 2002 gestartet und lief Ende 2008 aus. Seine positiven Auswirkungen auf die Region sind allerdings noch heute spürbar.

Die jordanische NGO JOHUD wurde im Rahmen des Programms MEDA Water damit beauftragt, den Einsatz von Brauchwasser in der Landwirtschaft zu fördern. Die Ingenieure der Organisation haben versucht, die Bevölkerung davon zu überzeugen bei sich zu Hause ein System zu installieren, das Brauchwasser (Dusche, Abwasch) von Schmutzwasser (WC) trennt. Anschließend können sie das Brauchwasser für die Bewässerung ihrer Pflanzen verwenden. Dessen Zusammensetzung eignet sich hervorragend für den Anbau. Dank dieser Recyclingmethode sparen die Projektteilnehmer ein Viertel ihres monatlichen Einkommens, das sie zuvor für den Wassertanker ausgegeben haben, und können darüber hinaus oft auch auf Düngemittel verzichten. JOHUD hat außerdem zur Gründung von Landwirtsvereinigungen beigetragen, um dadurch Wassermanagement zu einer gemeinsamen Angelegenheit der Bauern zu machen. Da Wasserquellen in Jordanien rar sind, ist Wasserdiebstahl keine Seltenheit, und die gemeinsame Nutzung gestaltet sich oft konfliktreich. Das Kollektiv trägt somit zu einer gerechteren Aufteilung der Ressource bei.

Jordanien hat außerdem die deutsche Regierung darum gebeten, bei der Verbesserung seines Wassermanagementsystems mitzuhelfen. Seit 2001 ist das bundeseigene Unternehmen GTZ daher vor Ort, um den Landwirten zu helfen, wirksamer gegen die von der Wasserknappheit verursachten Probleme, wie etwa Versalzung, vorzugehen. Mit Hilfe der GTZ wurden im Jahr 2004 Wassernutzergruppen ins Leben gerufen, die die größten Landwirte der Region unter ihrem Dach vereinen. Die Mitglieder sind hochqualifiziert, investitionsstark und exportieren einen beträchtlichen Teil ihrer Produkte nach Europa. Das Ziel dieses starken Netzwerkes besteht darin, die Landwirte so unabhängig wie möglich zu machen. Heute unterliegt den Wassernutzergruppen bereits die Wasserverteilung. Für die technische Wartung der Installationen ist jedoch nach wie vor die staatliche Verwaltung des Jordantals zuständig. Die GTZ arbeitet darauf hin, dass auch diese Aufgabe bald an die Wassernutzergruppen übertragen werden kann.

Iris Hartl

Erstellt: 01-07-09
Letzte Änderung: 22-03-10

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