- Synopsis
Allie Parker, der jungenhafte Protagonist aus Jim Jarmuschs Erstlingsfilm Pemanent Vacation aus dem Jahr 1979, trägt im Grunde genommen bereits alle Wesenszüge späterer Figuren des New Yorker Independant-Filmers in sich: Er ist ein im existentialistischen Sinne ‚In-die-Welt-Geworfener’, der die Welt mit allen Widersprüchen so akzeptiert, wie sie ist und nicht mehr nach einem Sinn für sein Leben sucht. Anders als spätere Jarmusch-Figuren treibt ihn zwar noch eine gewisse Neugierde um, doch verläuft sein Leben bereits ziel- und orientierungslos. Späteren Helden kommt der Antrieb dann gänzlich abhanden – ob John Lurie als gelangweilter Cousinen-Aufpasser in Stranger than Paradise oder als resignierter Möchtegern-Zuhälter in Down by Law, der sogar noch im Gefängnis sein auswegloses Schicksal in cooler Pose erträgt oder zuletzt Bill Murray in „BROKEN FLOWERS“, der ausdruckslos dem Ende seines eintönigen Mittelstandslebens entgegenvegetiert. Der amerikanische Traum – er hat für Jim Jarmuschs Figuren längst seinen Zauber eingebüßt, bis der Zufall sie dazu zwingt, sich noch einmal mit ihrer Existenz und auch mit ihrem Land auseinanderzusetzen. Der Zufall ist es, der ihnen dabei auf die Sprünge hilft, oft in Gestalt von Ausländern, die voller Euphorie in das Land von Elvis und Walt Whitman gekommen sind, um ihren Idolen zu huldigen.
Im Gespräch mit Jim Jarmusch(Cannes 2005)
Dass daraus keine depressiven Selbstbespiegelungsfilme, sondern kleine Meisterwerke des Independant-Kinos wurden, ist dem lakonisch-komischen Blick des Regisseurs und seinem untrüglichen Instinkt für die richtigen Schauspieler und Mitarbeiter zu verdanken. Jarmusch hat in seinen 25 Jahren als Regisseur sein eigenes Universum geschaffen, mit Schauspielern wie John Lurie, Musikern wie Tom Waits oder Kameraleuten wie Tom Di Cillo oder Robbie Müller, mit eigenem Geld und dem beharrlichen Eintreten für die eigenen Filmstoffe.
Die nun bei Kinowelt erscheinende Kollektion kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, bildet sie doch die frühe und mittlere Schaffensphase des Regisseurs ab. Das Bonusmaterial ist zwar nicht üppig, aber dennoch recht aussagekräftig. Eine frühe Dokumentation der deutschen Journalistin Martina Müller begleitet Jarmusch kurz nach der Fertigstellung von Stranger than Paradise, den Jarmusch mit Hilfe von Filmrollen, die Wim Wenders zur Verfügung gestellt hatte, realisieren konnte. Hier wird deutlich, wie authentisch und risikofreudig Jarmusch bei der Arbeit vorging, wie er sich von Mitarbeitern von Tom Di Cillo inspirieren ließ und mit wie wenig Geld ein unvergesslicher Film entstehen kann, wenn die Leidenschaft stimmt. Höchst aufschlussreiche Einblicke in die Arbeit des Regisseurs bieten auch die Interviews mit Neil Young und seiner Band „Crazy Horse“ anlässlich der Filmpremiere des Musikdokumentarfilms Year of the horse , die Telefoninterviews, die Jarmusch knapp 20 Jahre nach der Filmpremiere von Down By Law mit seinen Darstellern Tom Waits, Roberto Benigni und John Lurie geführt hat sowie das Interview mit dem zurückhaltend-sympathischen Kameramann Robbie Müller, der wertvollste Details seiner Zusammenarbeit mit Jarmusch und seiner Philosophie des Kinos enthüllt.
Martin Rosefeldt
Jim Jarmusch Collection (9er Box)
Label: Arthaus
Produktionsjahr: 1984-2003
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren
Lauflänge: 915 Minuten
- Die Filme
- Dead Man
- Down by Law
- Ghost Dog - Der Weg des Samurai
- Mystery Train
- Night on Earth
- Permanent Vacation
- Stranger Than Paradise
- Year Of The Horse (Kinostart 26.07.2001)
- Stab
Technische Angaben
DVD Extras: Jim Jarmusch (Dokumentation), Musikvideos, Deleted Scenes, Interviews, Isolierter Musik-Track, Telefonate, Outtakes, Filmografie, Starinfos, Trailer






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