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Berlinale 2005 - Wettbewerb - 18/02/05

Jedes Jahr im April

Ein Film von Raoul Peck


Es geht dem Regisseur um weitaus mehr, als nur darum, sich eines „großen Themas“ anzunehmen

Synopsis : Ruanda, 2004. Augustin ist Lehrer. Heute vor zehn Jahren, am 7. April 1994, begann der große Völkermord, dem fast eine Million Menschen zum Opfer fielen. Damals gehörte Augustin zu den Hutu-Milizen. Das große Morden ging am Morgen los, nachdem in der Nacht zuvor das Flugzeug des ruandischen Präsidenten Habyarimana beim Landeanflug auf Kigali abgeschossen worden war. Interahamwe-Milizen töteten Angehörige der Volksgruppe der Tutsis und moderate Angehörige der Hutus. Augustin entzog sich der militärischen Führung und versuchte seine Frau, eine Tutsi, und seine Kinder in Sicherheit zu bringen…..Zehn Jahre später will er einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen. Der ehemalige Soldat besucht den Prozess gegen seinen Bruder, der sich vor einer Wahrheitskommission für seine aufhetzerische Rolle, die er als Journalist in dem verheerenden Bürgerkrieg 1994 spielte, verantworten muss.

Kritik: Der von den internationalen Medien wenig beachtete Völkermord in Ruanda ist eine Tragödie von unbeschreiblichem Ausmaß. Kaum vorstellbar, sie in einem Film darzustellen. Selbst das Archivmaterial, sofern vorhanden, vermittelt nur ein verzerrtes Bild vom wahren Ausmaß des Dramas. Der haitianische Filmemacher Raoul Peck, der sich in früheren Filmen mit der Diktatur im eigenen Land („Der Mann auf dem Quai“,1993 ) und der Leidensgeschichte des Kongo („Lumumba“, 2000), befasste, hat sich vorgenommen, die Ereignisse in Ruanda zu schildern und einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Raoul Peck bedient sich dazu einer erfundenen Geschichte, die er – wahrscheinlich auf Wunsch des Fernsehsenders HBO, der den Spielfilm produziert – in englischer Sprache drehte. Den Hintergrund bildet die Konfrontation von zwei Brüdern: der eine, ein ehemaliger Milizionär, ist desertiert, der andere, von Beruf Radiojournalist, hat den Hass mit seinen aufhetzerischen Reden geschürt. Raoul Peck will zeigen, dass die Prozesse, die zu einem planmäßig organisierten Völkermord führen, nicht einfach zu erklären sind. Gleichzeitig überhäuft er den Zuschauer mit Bildern (von Leichen am Straßenrand, Massenhinrichtungen), die an ähnliche Tragödien in Kosovo oder Bosnien in den1990er Jahren erinnern. Anders als viele politische Filme, die in jüngster Zeit zu sehen sind, nimmt man „Sometimes in April » ab, dass es dem Regisseur um weitaus mehr geht, als nur darum, sich eines „großen Themas“ anzunehmen.

Julien Welter
Sometimes in April
(Jeden Tag im April)
Regie: Raoul Peck
(USA/Ruanda, 2005, 2Std.15 Min.)
Darsteller: Idris Elba, Debra Winger, Pamela Nomvete…

Erstellt: 18-02-05
Letzte Änderung: 18-02-05