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ARTE Journal - 26/11/12

Ist das Klima-Abkommen noch zu retten ?

Beim Klimadialog in Berlin haben 35 Staaten über Möglichkeiten beraten, den Ausstoß von Treibhausgasen und damit die Erderwärmung zu begrenzen. Ein Zwischenschritt auf dem langen Weg zum angestrebten weltweiten Klima-Abkommen, denn Ende des Jahres läuft das Kyoto-Abkommen aus, und bisher konnte man sich nicht auf ein neues Klima-Abkommen einigen. In Katar findet Ende November die nächste UN-Klimakonferenz der Vereinten Nationen statt. Ist das Klima-Abkommen noch zu retten? ARTE Journal hat dazu den Klimaexperten Professor Mojib Latif befragt. Er ist Leiter des Forschungsbereiches Ozeanzirkulation und Klimadynamik am Geomar-Institut in Kiel. Das Interview führte Frank Dürr.  


Herr Professor Latif, warum scheint ein neues Weltweites Klimaschutz-Abkommen weiter entfernt denn je ?

Pr. Mojib Latif: Das liegt in erster Linie daran, dass sich die Industrienationen und Entwicklungs- und Schwellenländer unversöhnlich gegenüber stehen, die Industrienationen haben bisher den größten Treibhausgas-Ausstoß gehabt, sind also für das Problem verantwortlich, und die Schwellenländer werden es in der Zukunft sein. China ist ja inzwischen schon größter Emittent. Und da kann man sich nicht einigen, insbesondere China und die USA, die gemeinsam schon über 40 Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses ausmachen, stehen sich unversöhnlich gegenüber.

"Nicht mehr auf der Agenda"


Ist das Thema durch die Finanzkrise tiefer auf der Agenda nach unten gerutscht ?

Pr. Mojib Latif: Auf jeden Fall. Im Moment ist das Thema Klima eigentlich gar nicht mehr auf der Agenda, zum Teil auch deswegen, weil man sich einen sehr langen Zeitrahmen gesetzt hat: bis 2015 soll ja noch verhandelt werden, dann wird es frühestens 2020 in Kraft treten. Insofern hat man sich sehr viel Zeit gegeben, und kann sich vermeintlich wichtigeren Themen zuwenden.


In Berlin spricht man davon, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen - Warum sind diese zwei Grad eine so wichtige Grenze?

Pr. Mojib Latif: Da steckt ein Stück Pragmatismus dahinter: Zwei Grad, darunter wird es ohnehin nicht gehen, wir sind schon viel zu weit in der Klimaerwärmung drin, das System ist sehr träge. Wir werden auch nicht von heute auf morgen die Weltwirtschaft umbauen können, deswegen ist das Zwei-Grad-Ziel gewissermaßen das Beste, was man noch erreichen kann. Andererseits glaubt man, dass man Kippeffekte vermeiden kann, zum Beispiel ein Abtauen des Grönland-Eises mit einem Anstieg des Meeresspiegels von sieben Metern.

Kanzlerin Merkel hat ja beim Klimadialog gesagt, diese Zwei-Grad-Grenze sei kaum noch erreichbar. Stimmen Sie zu?

Pr. Mojib Latif: Ja, das sagte ich ja gerade , das ist die Beste aller Welten.




Bundesregierung: "Die Flinte ins Korn geworfen"


Auch die Bundesregierung hat Probleme bei der Energiewende eingeräumt. Hat die Regierung hier genug getan?
Nein, überhaupt nicht. Man hat ohne zu kämpfen das Feld geräumt, und ich kann nur sagen: Wer nicht kämpft, der hat von vorne herein verloren. Und jetzt schon nach ein paar Monaten schmeißt man gewissermaßen die Flinte schon ins Korn, das ist nicht glaubwürdig.


Bundesumweltminister Altmaier will verstärkt private Investoren für den Klimaschutz ins Boot holen – Investmentfonds, Pensionsfonds. Kann das funktionieren? Und wie ?
Das kann natürlich funktionieren. Wenn sie beispielsweise an Desertec, das Wüstenstrom-Projekt denken, da könnten Sie schon Investoren finden. Langfristige Anleger sind ja auch beispielsweise die Münchner Rück, die ist da sehr interessiert, und das würde schon eine gewisse Rendite versprechen. Insofern glaube ich schon, dass das vernünftig ist, die Finanzwirtschaft mit ins Boot zu holen.


Was aber die Regierung nicht aus der Pflicht entlassen würde?
Natürlich nicht. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen, unsere Energiesysteme umbauen, viel mehr in Richtung erneuerbare Energien und vor allem auch in Richtung dezentrale Energieversorgung, weg von dieser zerntralistischen Energieversorgung.

Nächster Gipfel in Katar: "Mit Sicherheit nichts Konkretes"


Ende dieses Jahres läuft das Kyoto-Abkommen aus. Wie stehen die Chancen, im November in Katar ein neues umfassendes Abkommen zu beschliessen?
Die sind Null.


Nach dem Scheitern von Kopenhagen 2009 ist der geplante UN-Gipfel, die große Runde in Katar also sozusagen nur Hype ?
In Durban hat man ja beschlossen, dass ein Abkommen erst 2020 in Kraft treten soll. Das heißt, es wird mit Sicherheit nichts Konkretes in Katar geben.


Also eher ein Fototermin.
Natürlich. Wie alle diese Veranstaltungen Fototermine sind.






Erstellt: 17-07-12
Letzte Änderung: 26-11-12