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ARTE Reportage

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Samstag, den 26. Mai 2012 um 18.05 Uhr - 07/06/12

Israel: Ultra gegen Orthodox

Von Uri Schneider und Colin Rosin – ARTE GEIE / Tele Aviv Production - Deutschland 2012

Sie spucken auf kleine Mädchen, die auf dem Weg zur Schule nicht "tugendhaft" gekleidet sind. Sie verbannen die Frauen in den hinteren Teil von Autobusse und werfen Steine nach Radfahrerinnen und Joggerinnen. Die ultraorthodoxen Fundamentalisten in Beit Shemesh, einer Kleinstadt zwischen Tel Aviv und Jerusalem, haben einen Krieg der Religionen erklärt.




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Bis vor ein paar Monaten lebten säkulare Juden, moderate Religiöse und Ultraorthodoxe in Beit Shemesh friedlich nebeneinander.

Heute ist die Stadt zu einem Symbol der ultraorthodoxen Gewalt geworden. Brennpunkt: eine Schule, die von religiösen Mädchen besucht wird. Ihre Eltern sind jüdische Israelis, gläubige Zionisten und Patrioten, von denen viele aus Amerika nach Israel einwanderten. Die Schule liegt direkt am Rand einer ultraorthodoxen Siedlung, bewohnt von radikalen Fundamentalisten, die nicht einmal den Staat Israel anerkennen. Sie glauben, nur der Messias, auf den sie warten, habe das Recht, im Heiligen Land einen jüdischen Staat zu errichten.

Die zionistische Schule lehnen sie ab. Ihren Protest sehen sie als legitimen Widerstand gegen den Staat Israel. „Wir, die ultraorthodoxe Bevölkerung, wir leben genauso unter der Besatzung des israelischen Regimes wie die Palästinenser", klagt ihr Anführer Israel Meir Hirsch. "Was sollen wir machen? Wir können schreien und demonstrieren, aber das ist auch alles. Wir haben keine Waffen, keine eigene Polizei... nichts.“

Während die Ultraorthodoxen den jüdischen Staat bekämpfen, verteidigen die Eltern der Schulkinder das demokratische Israel. Eine von ihnen ist Nili Philips - auch sie ist eine orthodoxe Jüdin, doch anders als ihre fundamentalistischen Nachbarn eine moderne, liberale Zionistin. Das Judentum der Extremisten ist nicht ihr Judentum. „Wir können es nicht zulassen, dass diese Leute unser Leben kontrollieren", sagt sie kämpferisch. "Muss ich mir jetzt Sorgen machen, wenn meine Tochter in die Schule geht? Es sieht so aus, als müsste die Armee uns verteidigen.“

Durch den ultraorthodoxen Terror ist die Schule in ganz Israel zum Symbol für den Kampf der liberalen Gesellschaft gegen den Fundamentalismus geworden. Wie der Kampf ausgehen wird, ist offen. Doch allein durch ihren Kinderreichtum sind die Fundamentalisten im Vormarsch. Schon heute sind drei von vier Schulkindern in Beit Shemesh ultraorthodox. Schlechte Zeiten für das liberale Israel.


ARTE Reportage
Freitag 1. Juni 2012 um 10.30 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2012, 52mn)
ARTE

Erstellt: 24-05-12
Letzte Änderung: 07-06-12