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Kino auf ARTE - 19/03/12

Intime Fremde

Spielfilm, Frankreich, 2004, ARD, 100 Min.
Regie: Patrice Leconte, Drehbuch: Jérôme Tonnerre, Patrice Leconte, Kamera: Eduardo Serra, Musik: Pascal Estève, Schnitt: Joëlle Hache, Produktion: Les Films Alain Sarde, France 3 Cinéma, Zoulou Films, Assise Production, Produzent: Alain Sarde
Mit: Sandrine Bonnaire (Anna), Fabrice Luchini (William Faber), Michel Duchaussoy (Dr. Monnier), Anne Brochet (Jeanne), Gilbert Melki (Marc)


Weil sie sich in der Tür geirrt hat, vertraut Anna dem Steuerberater William Faber ihre Eheprobleme an. Ihre Not berührt und verwirrt ihn, und er wagt es nicht, ihr zu sagen, dass er kein Psychotherapeut ist. Im Laufe der weiteren Besuche und Bekenntnisse stellt sich ein merkwürdiges Ritual zwischen ihnen ein. Die junge Frau wühlt William auf, es fasziniert ihn zu hören, was ihm zuvor noch keine Frau anvertraut hat. Tag für Tag vertieft sich diese merkwürdige Beziehung zwischen Anna und William - sie beginnen, ihr Leben und ihre Nächsten mit anderen Augen zu betrachten, ohne zu wissen, wohin das führen wird ...



Die unglückliche Anna, auf dem Weg zu ihrem neuen Psychotherapeuten, irrt sich in der Tür. Als sie versehentlich im falschen Büro landet, wird sie von dem biederen Steuerberater William empfangen, dem die ahnungslose Anna die intimsten Details aus ihrem Ehe- und Sexualleben erzählt: So etwa, dass sie mit ihrem arbeitslosen Ehemann seit sechs Monaten keinen Sex mehr hatte. Außerdem gesteht sie dem völlig irritierten William, dass sie fürchtet, verrückt zu werden.
William schafft es nicht, Anna seine wahre Identität zu offenbaren. Erst bei ihrem dritten Treffen erfährt sie, wer William wirklich ist. Voller Zorn beschuldigt sie ihn, ihr Vertrauen missbraucht zu haben. Und doch steht sie einige Tage später wieder vor Williams Tür. Anna will weiterreden, während William sich danach sehnt, mit ihr zusammen zu sein.
Erst als die Gespräche der Sitzungen immer bizarrer werden, entsteht bei ihm Misstrauen. Er beginnt sich zu fragen, wer diese Frau wirklich ist, die von grotesken Unfällen und dominanten Ehemännern redet. Schwebt sie in Gefahr? Lügt sie? Oder spielt sie ein absurdes Spiel? Und was ist mit seinen eigenen Motiven? Glaubt er, Anna retten zu können? Aber wovor? Oder ist es nur der voyeuristische "Kick", der ihn reizt?

Sei es in dem preisgekrönten Drama "Die Verlobung des Monsieur Hire" (1989,), dem Historiendrama "Ridicule - Von der Lächerlichkeit des Scheins" (1996) oder dem tragikomischen Gangsterfilm "Das zweite Leben des Monsieur Manesquier" (2002) - In den Filmen von Patrice Leconte geht es immer wieder um höchst unterschiedliche Charaktere, deren Schicksale sich auf seltsamen Wegen kreuzen. So auch in der provokanten Liebesgeschichte "Intime Fremde": In einer Mischung aus Melodram, Thriller und Liebesgeschichte erzählt Patrice Leconte eine psychologisch ausgefeilte Geschichte um Lust, Liebe und Obsessionen, um Lügen und Geheimnisse - meisterhaft inszeniertes und hervorragend gespieltes Autorenkino in bester französischer Tradition. Leconte beweist dabei einen genauen Blick für die unterschiedlichsten Milieus und charakterliche Feinheiten. Im Wettbewerb der Berlinale 2004 wurde "Intime Fremde" von Kritik und Publikum begeistert aufgenommen.
Sandrine Bonnaire ist in "Intime Fremde" zum zweiten Mal nach "Die Verlobung des Monsieur Hire" von Patrice Leconte für die weibliche Hauptrolle besetzt worden. Bereits 1984 war Bonnaire als 17-Jährige für ihre Leistung in "Auf das, was wir lieben", als beste Newcomerin mit dem César ausgezeichnet worden (bei ARTE am 4. Juli 2012 zu sehen), der den Anfang ihrer steilen Filmkarriere bedeutete. Aktuell spielt sie neben Jessica Schwarz in der deutsch-französischen ARTE-Koproduktion "Upgrade" (Regie: Franziska Buch), die momentan postproduziert wird.

Intime Fremde
Montag 23. April 2012 um 14.40 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2004, 100mn)
ARD

Erstellt: 19-03-12
Letzte Änderung: 19-03-12