Schriftgröße: + -
Home > Maestro > Künstler A-K > Kirchschlager, Angelika I

01/10/13

Interview mit der Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager

Die Uraufführung wird ein großes Ereignis, wenn nicht gar das Kulturevent in England: an Covent Garden, dem ersten Haus des Landes, eine Uraufführung eines abendfüllenden Werkes von Nicolas Maw, einem der bedeutendsten britischen Komponisten; Trevor Nunn, der große Shakespeare-Regisseur, inszeniert, Sir Simon Rattle dirigiert. Was, glauben Sie, macht Sie zur richtigen Wahl für die Titelpartie?

Die Rolle erfordert eine Sängerin, die gern spielt. Und das trifft bei mir zu. Ich will immer bis an meine Grenzen gehen. Das ist halt keine Partie, in der man einfach nur schön singt. Viele meiner Rollen sind ja so: Cherubino, Komponist, Nicklaus, Dorabella. Da gibt es schon auch Leidenschaft und Drama, aber alles ist kontrolliert, durch die Ästhetik gezügelt. Das ist bei Sophie anders.

Haben Sie Angst vor der Rolle?

Ja. Sehr. Nicht davor, dass ich es nicht schaffe. Sondern davor, zu dieser Person zu werden, vor ihrer Entscheidung zu stehen. Aus dieser Person nicht mehr herauszukommen. Noch bin ich nicht drinnen, das fängt erst mit den szenischen Proben an. Die darzustellende Geschichte ist momentan emotional noch für niemanden nachzuvollziehen. Mein Mann hat den Hans in der »Weißen Rose« von Zimmermann gesungen. Auch eine fürchterliche Geschichte, aber eine „gängigere" Situation: Menschen, die auf ihre Hinrichtung warten. Aber diese Idee, dass man sich für eines seiner Kinder entscheiden muss, ist grauenvoll.

Zeitgenössische Musik haben Sie eigentlich bisher nicht so viel gesungen.

Nein, eigentlich kaum. Komisch: In dem Moment, in dem meine Bach-CD herauskommt, die niemand von mir erwartet, stehe ich in einer zeitgenössischen Oper auf der Bühne, was man auch nicht von mir kennt. Vielleicht beginnt ein neuer Lebensabschnitt?

Im Sommer steht Ihnen ein weiteres Großereignis ins Haus. Sie werden Nicklaus in der Neuinszenierung von »Hoffmanns Erzählungen« bei den Salzburger Festspielen singen. Ist es tatsächlich Ihre erste Bühnenproduktion bei diesem Festival?

Ja, es ist meine erste Oper in Salzburg. Bisher habe ich nur Konzerte gegeben.

Das muss für Sie als gebürtige Salzburgerin doch etwas Besonderes sein?

Ich muss Ihnen sagen, dass mein Verhältnis zu Salzburg eigenwillig ist. Zuerst hat es mit Salzburg nie geklappt, weil Herr Mortier mich nicht wollte. Das ist auch okay, denn Sänger sind nun einmal Geschmackssache. Jetzt ist Herr Mortier weg und ich bin da. Wobei es auch da Probleme gibt: Man hat mir eine wichtige Partie in einer Neuproduktion im Sommer 2004 angeboten. Aber das ist jetzt plötzlich wieder offen. Ich singe gern in Salzburg. Aber ich muss nicht unbedingt dort singen, wenn man mich nicht haben will. Ich will nur dort singen, wo man auch will, dass ich singe.

Wollen Sie vielleicht auch weg von den Hosenrollen?

Nein, obwohl ich schon lieber eine Frau spiele. Ich möchte gerne Melisande singen; die Musik liegt mir. Das französische Fach liegt mir überhaupt gut. Deshalb möchte ich auch gern einmal Charlotte und irrsinnig gern Carmen singen. Schwer zu singen ist die ja nicht. Sie liegt sehr bequem. Es muss halt die richtige Inszenierung kommen. Ich wäre gerne eine junge, frische, nicht so bedrohliche Carmen.

Für alle Ihre Vorhaben wünsche ich Ihnen alles Gute!


Quelle: Das Opernglas 12/02
Wiedergabe mit freundlicher Unterstützung von

Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 01-10-13