Das Projekt Die Tatsache, dass das Völkerkundemuseum am Quai Branly, das Museum für ethnische Kunst, genau an dieser Stelle errichtet wurde, ist von ganz besonderer Bedeutung, denn es war der einzige noch unbebaute Platz in Paris, und der lag nicht irgendwo, sondern zu Füßen des Eiffelturms, gegenüber dem Palais de Chaillot. Das Museum vereint nun die Kunstobjekte vergangener Kulturen. Ich wollte dazu ein eigenes Areal schaffen und entwarf ein von Pflanzen umranktes Gebäude, das wie ein Ort der Initiation ist. Die Baufläche ist hügelig und steht somit in leichtem Kontrast zum Marsfeld.
Bei der Ankunft läuft man zunächst auf Wegen durch hohe Gräser und entdeckt dann nach und nach, was sich im Inneren des Gebäudes tut. Vom Quai Branly aus sieht man den Bau fast nicht, da er von den davor stehenden Bäumen verdeckt wird. Man nimmt ihn durch einen Filter in Form der großen Glaswand wahr, die zwischen der Straße und dem Gebäude steht. Durch diesen Filter werden die Bäume durch Lichtreflexe auf der Oberfläche des Gemäuers abgebildet. Und wenn sie später größer sind, wird sich der Eindruck vollkommen verändern.
Das Gebäude selbst steht natürlich in direkter Verbindung mit der Umgebung. Wir haben uns von einer Häuserzeile Haussmanns leiten lassen, die nur zur Hälfte fertiggestellt war, und haben unseren Bau an deren Giebelseite angeschlossen. Mitten im Zentrum der Anlage befindet sich der große Ausstellungstrakt, der den Verlauf der Seine aufnimmt. Alles ist konzentrisch angelegt. Die Nordfassade besteht gewissermaßen aus verschiedenen Vegetationsschichten, die bis auf das Gebäude selbst reichen, hinter dem Holzgeflecht erkennt man Landschaften aus Asien und Afrika, denn dahinter befinden sich die Ausstellungsobjekte. Das Ganze ist also eine spielerische Auseinandersetzung mit der morphologischen Integration des Baus ins Pariser Stadtbild, und gleichzeitig ist ein eigenständiges urbanes Gebilde mit eigenem Charakter entstanden. Man ahnt sofort, dass dieses Gebäude der Kunst und zwar einer uns unbekannten Kunst gewidmet ist.
Befindet man sich auf der anderen Seite, auf Höhe der Rue de l’Université, so erreichen einen nur noch gedämpfte Sonnenstrahlen, denn an dieser Stelle darf nur sehr wenig Licht in den Ausstellungsraum fallen. So kommt das Farbspiel aus Braun- und Rottönen zur Geltung, das aus einer Vielzahl von durchlöcherten schuppenartigen Elementen entsteht und im Inneren ein gefiltertes Licht verbreiten wird.
Die Ausstellungsfläche wird also zu einem spirituellen Raum zwischen einer großen Glaswand und lamellenförmigen Elementen, mit denen das Lichtkonzept umgesetzt werden kann. Ich wollte keinen Tresor bauen, in dem die Kunstobjekte ohne jeglichen Bezug zur Stadt gestanden hätten. Durch all die Filter – durch die Glasscheiben, durch die Sonnenschutzelemente – kann man Paris erkennen. Der große Raum ist wie ein großer Himmel oder Kosmos, in dem die unter der Decke hängenden durchbrochenen Platten an ein Netz bzw. an Sternbilder erinnern. Alles liegt in einer Art Halbschatten, das Licht geht von den Kunstgegenständen selbst aus.
Es ist also nicht nur ein Gebäude, sondern ein Ensemble von Gebäuden, ein eigenständiger Ort mit eigenem Charakter innerhalb der Stadt, der Komplex bietet Paris darüber hinaus einen neuen Park und ein neues großes Museum, das ganz anders ist als die typisch westlichen Ausstellungsorte.
Die Grundidee und die Beziehung zwischen Objekten und ArchitekturMeine Idee war es, ein Museum um eine Kunstsammlung herum zu entwerfen.
Ich habe alle Magazine und Lager besucht, habe fast alle 300.000 Ausstellungsobjekte gesehen und wusste also, was es im Inneren zu entdecken geben würde und was ich drum herum zu bauen hatte. Es ist äußerst selten, dass ein Museum unter solchen Bedingungen entsteht.
Die farbigen Elemente sind Sondersäle, in denen die Kunstgegenstände in einer ganz bestimmten Szenographie angeordnet wurden. Im großen Ausstellungstrakt wurde ebenfalls versucht, die Objekte miteinander in Beziehung treten zu lassen. Gerade Gegenstände, die in sehr großen Vitrinen gezeigt werden, müssen so wirken, als seien sie gar nicht hinter Glas.
Man kann nicht sagen, dass die Kunstobjekte die Architektur bestimmt hätten. Es besteht einfach eine gewisse charakterliche Verbindung, eine Art Vertrautheit, eine an Farben, Licht und Halbschatten erkennbare Verwandtschaft. All diese Elemente machen einen bestimmten Charakter aus, der nicht gerade typisch für westliche Architektur ist und als kleinster gemeinsamer Nenner aller Kulturen gelten kann, die in Wäldern, Wüsten und ländlichen Gegenden verbreitet waren.
Ich wollte kein westlich geprägtes Gebäude voll mit modernster Hightech-Ausstattung. Vermeiden wollte ich ferner, dass man nur noch das Gebäude sieht und dass die Kunstobjekte in einer völlig unpassenden Umgebung gezeigt werden.
Ein spiritueller Raum Es war sehr wichtig einen Ort mit Raum für Spiritualität zu entwerfen, denn alle ausgestellten Gegenstände haben mit Gottheiten und Glaubensrichtungen zu tun, die uns fremd sind, es sind Objekte aus Ahnenkulten, die zum Teil aus Überresten von Vorfahren bestehen.
Sie sind sehr geheimnisvoll und besaßen für die Völker, die sie hervorgebracht haben, eine ungeheure Kraft. Man musste ihnen also mit allergrößtem Respekt begegnen und die Architektur mit Kunstobjekten in Relation setzen, die nie für Museen geschaffen wurden.
Die Videos ansehen:
Das Projekt (Real video, 3'48")
Die zentrale Idee (Real video, 1'37")
Ein beseelter, bewohnter Ort (Real video, 50")






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