Schriftgröße: + -
Home > Kultur entdecken > Design > Interview mit B. Bich

Design

Es gibt Designobjekte, die den Zeitgeist nicht nur treffen, sondern ihm vorauseilen. Eine Auswahl solcher typischer Industrieprodukte präsentiert die Reihe (...)

Design

DESIGN - 07.10. bis 16.12. - samstags um 20.15 - 14/02/08

Interview mit Bruno Bich

Geschäftsführer der Firma BIC


Weitere Artikel zum Thema

ARTE: Herr Bich, vor mehr als 50 Jahren erwarb Ihr Vater die Patentrechte für den Kugelschreiber und brachte den Bic Cristal auf den Markt, der heute weltweit verkauft wird. Wie erklären Sie sich den großen Durchbruch und die anhaltende Popularität des Bic Cristal?

Bruno Bich: Was den Durchbruch betrifft, so muss man sagen, dass es damals schon Kugelschreiber in Europa und Nordamerika gab. Aber sie waren teuer und noch nicht wirklich ausgereift. Als mein Vater den Bic Cristal entwarf – nachdem er Kugelschreiberteile für andere Hersteller produziert hatte – war seine Idee, ein zweckmäßiges, sehr klares Objekt zu schaffen, dessen Qualität er garantieren konnte. Um dies zu leisten, hatte er Maschinen angeschafft, die mit großer Präzision arbeiteten. Der Bic Cristal war in der Tat ein Qualitätsprodukt, das auf eine bis dato nie da gewesene Weise den Ansprüchen der Konsumenten entsprach – und das zu einem angemessenen Preis.

ARTE: Der Bic Cristal ist mehr als 50 Jahre alt und hat sein Aussehen nie verändert. Wie kommt es, dass sein Design noch immer zeitgemäß ist?

Bruno Bich: Das zeitlose Design des Bic Cristal erklärt sich vor allem durch seine Schlichtheit und seine Klarheit. Es nähert sich dem Design des Bleistifts. Der Big Cristal ist oktogonal, wie es zu jener Zeit auch der Bleistift war, und er ist transparent, damit die Konsu,enten wissen, wieweit der Tintenverbrauch vorangeschritten ist.

ARTE: Das Design des Cristal wurde also aus praktischen und funktionellen Gründen geboren?

Bruno Bich: Absolut. Dann waren da noch der Verschluss und die Kappe, die die Farbe der Tinte anzeigten. Man kann sagen, dass das Prinzip des Designs das gleiche geblieben ist. Inzwischen haben wir die kantigen Facetten des Körpers etwas abgerundet, damit er angenehmer in der Hand liegt, und wir haben sein Gewicht um etwa 33 % verringert. Um weniger Plastik zu verbrauchen und damit zum Umweltschutz beizutragen.

ARTE: Welche Beziehung sehen Sie zwischen Objekt und Design? Welche Rolle muss das Design in Bezug auf den Gegenstand erfüllen?

Bruno Bich: Das Design kann dazu beitragen, die Besonderheiten eines Produktes zur Geltung bringen, indem es dessen größte Vorzüge widerspiegelt. Die Ästhetik eines Produktes muss Hand in Hand gehen mit seiner Qualität und seiner Leistungsfähigkeit. Diese drei Aspekte müssen zusammenwirken.

ARTE: Die Firma BIC verpflichtet sich, die Umwelt zu respektieren, – doch Sie verkaufen Wegwerfprodukte. Wie passt das zusammen?

Bruno Bich: Unsere Philosophie besteht darin, die beste Qualität zum günstigsten Preis anzubieten. Am Bic Cristal beispielsweise werden Sie nichts Überflüssiges finden. Weder die Kappe noch der Verschluss sind verzichtbar. Wir stellen zwar Gebrauchsgegenstände her, aber auch Produkte, mit denen sich der Verbraucher eine Freude machen kann. Bei allen diesen Objekten legen wir Wert darauf, die Verpackung auf ein Minimum zu reduzieren. Darüber hinaus bieten wir auch wiederauffüllbare Produkte an – die Entscheidung überlassen wir den Verbrauchern. Wobei wir feststellen, dass weniger Patronen zum Nachfüllen als Einwegstifte gekauft werden.

ARTE: Dennoch gibt es einen Trend in der westlichen Welt, die Produktion und den Verkauf von Wegwerfprodukten zu reduzieren. Wie denken Sie darüber?

Bruno Bich: Ich denke, man muss versuchen, so wenig natürliche Ressourcen wie möglich zu verbrauchen – und das auf eine möglichst intelligente Art. Wir machen das, indem wir beispielsweise einen schrittweisen Vorstoß zu einem ökologischen Konzept in unsere Prozesse zur Erforschung und Entwicklung neuer Schreibwaren integrieren. Was die Rasur angeht, hat eine Analyse des Lebenszyklus des Rasierers gezeigt, dass der Wasserverbrauch beim Rasieren am stärksten ins Gewicht fällt. Man muss also analytisch und effektiv vorgehen.

ARTE: Wäre es möglich, den Bic Cristal und den Einwegrasierer aus recycelbaren Materialien herzustellen?

Bruno Bich: Zurzeit gibt es kein recycelbares Plastik, das unseren Anforderungen entspricht – weder was die Quantität noch was die Qualität betrifft. Wenn einer der Plastikhersteller uns morgen ein solches Plastik anbieten würde, wären wir demgegenüber sehr offen.

Das Gespräch führte Maike van Schwamen am 27. September 2005

Erstellt: 30-09-05
Letzte Änderung: 14-02-08


+ aus Kultur entdecken