Schriftgröße: + -
Home > Maestro > Künstler A-K > Henkel, Alexandra

Henry Purcell - King Arthur - 05/08/08

Interview mit Alexandra Henkel

Schauspielerin Alexandra Henkel (Jahrgang 1970), Darstellerin des Luftgeistes Philidel

Erst waren Sie die Lisa im "Marienhof", dann im "Op-Team" beschäftigt. Später spielten Sie am Thalia Theater in Tschechows "Drei Schwestern", danach waren Sie die Ismene in Sophokles/Hölderlins "Antigone" . Jetzt sind Sie der Luftgeist Philidel in "King Arthur". Ein weiter Weg...
Sie haben ja alles herausgekramt! Ich bin jetzt zehn Jahren am Theater, habe als Kind Schultheater gemacht; meine ältere Schwester ist auch Schauspielerin. Nach einer Regiehospitanz in Mannheim wollte ich es auch werden. Dann habe ich in Hannover studiert und dann hat mich Jürgen Flimm von der Schauspielschule aus ans Thalia engagiert. Meine erste Rolle war die Hedvig Ekdal in Ibsens "Die Wildente" . Ich war acht Jahre dort, seit zwei Jahren bin ich am Burgtheater.

Was lernten Sie als Fernsehserienschauspielerin, was Ihnen heute noch von Nutzen ist?
Improvisieren. Ja, das ist das Wichtigste. So eine Serie wird ja im sehr schnellen Tempo gedreht und da muss man viel improvisieren.

Ein Luftgeist ist ja nun keine irdische Figur. Woran haben Sie sich inspiriert?
Ich hatte meinem Sohn aus "Harry Potter" vorgelesen, und da gibt einen Hauselfen. An den musste ich denken. Der Rest hing eher mit meiner Spiellust zusammen; ein Phantasiewesen zu spielen gibt einem eine wesentlich größere Freiheit als eine psychologische Figur. Man darf Dinge tun, die man sonst als normale realistische Figuren nie tun würde. Das beflügelt die Phantasie. Zudem ist Philidel ein Luftgeist, der vom Bösen ins Gute wechselt; Philidel ist so ein kleiner Aufsteiger, so ein kleiner Ehrgeiziger, der sich 'ranmacht an Merlin.

Inwiefern hat Jürgen Flimm Sie geleitet?
Jürgens Stichwort war nur: Philidel darf nie ruhig stehen, der muss tänzeln. Mit Jürgen zu arbeiten ist wunderbar, da ich ihn so lange kenne. Dann fängt man ja nicht bei Null an. Man hat sehr viel Freiheit, die Dinge auszuprobieren.Auch das Kostüm - ein leichter Mantel mit Flügeln - war eine große Hilfe; die Flügel geben eine gewisse Richtung. Damit bin ich auch auf diese Sprünge gekommen, denn Philidel ist ja jemand, der immer nach oben will, der fliegen will. Ich bin jemand, der sich gerne bewegt, man hat ja selten so Gelegenheit auf der Bühne dazu. Und das konnte ich hier.

Und die Geräusche, die Sie als Geist so produzieren?
Wir haben hier so wunderbar an einem See gewohnt in der ersten Probezeit und dann habe ich dort einfach jeden Abend 'rumprobiert. So ist das entstanden.

Arbeitet Herr Flimm im Bund mit Herrn Harnoncourt anders mit den Schauspielern als sonst?
Vier bis sechs Wochen haben wir eigentlich nur mit Jürgen geprobt. Es gab aber eine sehr beeindruckende Probe mit Harnoncourt. Da haben sich die Sänger mit Harnoncourt getroffen und sind das Ganze musikalisch durchgegangen. Sehr beeindruckend fand ich Harnoncourts sinnliche bildhafte Sprache, wie er die Dinge, die er sich vorstellt vermittelt und vor allen Dingen, wie die Künstler dann reagiert haben und das umgesetzt haben. Das war wirklich sehr beeindruckend.

Was kann man als Schauspieler von Sängern lernen?
Worum ich die Sänger sehr beneide ist diese Gottesgeschenk Stimme. Die stellen sich auf die Bühne und schon ist etwas da. Ein Schauspieler steht ja erst mal da und hat nur den Text. Es ist ein größeres Wagnis, man hat nichts, auf das man sich verlassen kann, nur den Text. Da beneide ich die Sänger, die von der Musik praktisch getragen werden. Doch wenn ein Sänger Angst oder Lampenfieber hat möchte ich nicht mit ihm tauschen. Wir sind belastbarer, können auch mal heiser sein und mit unserer Körpersprache einiges kompensieren.
Ein guter Sänger ist für mich auch ein guter Schauspieler, der kann singen und gleichzeitig sich in eine Situation einlassen.

Erstellt: 08-10-04
Letzte Änderung: 05-08-08