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ARTE Journal - - 17/08/12

Internationale Mobilisierung für Pussy Riot

Die Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot sind von einem Moskauer Gericht wegen "religiös motivierten Rowdytums" schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Das Vorgehen der russischen Justiz gegen die drei jungen Frauen wird international scharf kritisiert und ruft immer mehr Prominente auf den Plan.

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  • „Mutter Gottes, gesegnete Jungfrau, vertreibe Putin!“ Mit diesem Songtext hat die Punkband Pussy Riot am 21. Februar 2012 in der Moskauer Erlöserkathedrale den Zorn des Putin-Systems auf sich gezogen. Das Urteil gegen Nadeschda Tolokonnikowa (23), Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (30) lautet: zwei Jahre Lagerhaft. Erst kürzlich hatte Putin gesagt: "An dem, was sie getan haben, ist nichts Gutes dran. Ich denke dennoch nicht, dass sie allzu hart dafür bestraft werden sollten". Die drei jungen Frauen hätten ihre Lektion bereits gelernt. Dennoch wurden sie heute von einem Moskauer Gericht schuldig gesprochen.

Tag der Unterstützung für Pussy Riot

Weltweite Unterstützungsaktionen von New York bis Sydney, über Paris und Warschau sind für den Tag des Urteils geplant. Sympathisanten der Punk-Band protestierten heute unter anderem vor der russischen Botschaft in New York, London und Berlin. Aber auch vor dem Moskauer Gerichtsgebäude hatten sich zu Verhandlungsbeginn mehrere hundert Personen versammelt. Mehrere Aktivisten wurden festgenommen. Dutzende Demonstranten wurden verhaftet, darunter Kremlkritiker und Ex-Schachweltmeister Garri Kasprow und der russische Oppositionsführer Sergej Udalzow. In Moskau und Bulgarien stülpten Anhänger der jungen Frauen Denkmälern bunte Sturmhauben über, das Markenzeichen der Pussy Riot.

Ukrainische Frauenband zersägt Kreuz

Einige Aktionen stechen an diesem internationalen Unterstützungstag besonders heraus. So etwa die Solidaritätsaktion der feministischen Gruppe Femen in Kiew. Die Aktivistinnen haben dort ein großes Holzkreuz mit einer Motorsäge gefällt. Die Aktion zielte wohl auf die Orthodoxe Kirche, die eine Verurteilung von Pussy Riot gefordert hatte. Allerdings war das Kreuz errichtet worden, um an die Opfer der stalinistischen Repressionen zu erinnern.

Promis machen mobil

Am Tag vor der Urteilsverkündung hat Ex-Beatle Paul McCartney den drei inhaftierten Mitgliedern der russischen Punkband in einem Brief seine Unterstützung zugesichert. "Ich und viele andere, die wie ich an die freie Meinungsäußerung glauben, werden alles in unserer Macht stehende tun, um euch und die Idee der künstlerischen Freiheit zu unterstützen." Solange freie Meinungsäußerung niemanden verletzte, sei dies der beste Weg für jede Gesellschaft, hieß es in dem Schreiben, das auf seiner Internetseite zu lesen ist.
Yoko Ono, Witwe des ermordeten John Lennon, ruft Putin auf Twitter zu Milde auf: „Herr Putin, Sie sind ein weiser Mann, Sie brauchen nicht gegen Musiker oder deren Freunde vorzugehen. Lassen Sie Platz in den Gefängnissen für wahre Kriminelle.“

Madonna macht sich stark

Unterstützung kam auch von Madonna. Bei einem Konzert in Moskau am 8. August trug sie wie die Punkerinnen eine schwarze Strickmaske und betete für die drei inhaftierten Frauen.


Auch Björk betet

Anlässlich ihres Konzerts am 12. August in Helsinki, widmete die isländische Künstlerin Björk den Pussy Riot das Lied „Declare Independence“ und rief das Publikum auf, gemeinsam für die freie Meinungsäußerung zu beten.
Auf ihrer Internetseite schreibt sie: „Als Musikerin und Mutter bin ich strikt gegen ihre Inhaftierung wegen einer pazifistischen Protestaktion. Dafür drohen ihnen sieben Jahre Haft. Die russischen Behörden sollten sie frei lassen damit sie nach Hause gehen können, zu ihren Familien und Kindern.“


Auch Björks Landsmann Jon Gnarr, Bürgermeister von Reykjavik, hat auf die Pussy Riot aufmerksam gemacht: Am 11. August durchquerte der Isländer die Straßen von Reykjavik, auf einem Gay-Pride-Wagen, als Pussy Riot verkleidet. Bereits 2010 hatte der ehemalige Schauspieler und Humorist an der Gay Pride in Island teilgenommen.

Die kanadische Musikerin Peaches veranstaltete am 8. August in Berlin mit 400 Menschen einen Flash-Mob zur Unterstützung der Pussy Riot.

Viele weitere Stars haben in den letzten Wochen auf den umstrittenen Pussy-Riot-Prozess aufmerksam gemacht, darunter die Red Hot Chili Peppers, Sting, Franz Ferdinand, The Who, Faith No More, Peter Gabriel...

Auch Deutsche Politiker besorgt
121 Abgeordnete aus allen fünf Bundestagsfraktionen forderten Milde im sogenannten Pussy-Riot-Prozess. In einem gemeinsamen Brief wandten sich die Parlamentarier an den russischen Botschafter in Berlin, Wladimir Grinin. "Wir Abgeordnete aus allen Fraktionen des Deutschen Bundestages sind besorgt über die Umstände des strafrechtlichen Verfahrens gegen drei Mitglieder der Band 'Pussy Riot. Die mehrmonatige Untersuchungshaft und die hohe Strafandrohung empfinden wir als drakonisch und unverhältnismäßig", heißt es in dem Schreiben. "In einem säkularen und pluralistischen Staat dürfen friedliche Kunstaktionen - auch wenn sie als provokant empfunden werden können - nicht zu dem Vorwurf eines schweren Verbrechens und langzeitigen Verhaftungen führen", schreiben die deutschen Abgeordneten weiter.
Dorothee Haffner-ARTE Journal

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Erstellt: 17-08-12
Letzte Änderung: 17-08-12