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Interessiert Sie das?

Wer ist der nächste nach Mladic und Bin Laden? Welche Zukunft hat der IWF? Und wer wird ab 2012 China regieren?

Interessiert Sie das?

21/06/10

Interessiert Sie das? - Die tägliche Web-Schau

Zaudern in Brüssel, streiken in China und schlemmen in der Antarktis.


Wochenendausgabe (18. bis 20. Juni 2010)

Die Europäischen Spitzenpolitiker, die sich gestern zum Gipfel in Brüssel getroffen haben, versagten in allen Belangen, meint elmundo.es. Eigentlich hätten sie wichtige Entscheidungen für die Zukunft der EU treffen sollen. Doch stattdessen haben sie Freundlichkeiten ausgetauscht, nicht über Spanien gesprochen und sind gegen 18 Uhr bereits wieder nach Hause gefahren.

Boiko Borisow ist bulgarischer Premierminister, ein guter Freund Angela Merkels und bei allen westeuropäischen Staats- und Regierungschefs sehr beliebt. Aber den Bulgaren macht die Vorgehensweise des ehemaligen Polizeigenerals mittlerweile Angst. Einige werfen ihm vor, langsam einen Polizeistaat in Sofia aufzubauen.

Der österreichische Medienzar Hans Dichand ist tot. Der historische Besitzer der Kronen Zeitung, ihres Zeichens größtes Boulevardblatt des Landes, ist gestern im Alter von 89 Jahren gestorben. Die Frage seiner Nachfolge stellt sich dringlich, denn Dichand regierte persönlich ein Medienimperium, das in Europa seinesgleichen sucht: Mit drei Millionen Lesern (auf acht Millionen Einwohner in ganz Österreich) ist die Kronen Zeitung proportional gesehen die meistgelesene Zeitung der Welt. Und mit ihrer konservativen und populistischen Blattlinie hat sie mehrmals in das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zeitgeschehen des Landes eingegriffen.

Schlendern Sie einmal durch die alten Viertel Neapels und sie werden unumgänglich über die zwei Heiligen der Hauptstadt des italienischen Mezzogiorno stolpern, stellt lemonde.fr diese Woche fest: Einerseits ist das natürlich San Gennaro, andererseits gibt es aber auch den Heiligen Diego Maradona. Zwanzig Jahre nach seinen größten Leistungen für den SSC Neapel kann sich der derzeitige Trainer der argentinischen Nationalmannschaft immer noch der ungeteilten Sympathie der Neapolitaner sicher sein.

Die Regierung Obama wurde bereits mehrmals für ihre positiven Verbindungen mit dem Duo Wladimir Putin – Dmitri Medwedew gerügt. Doch eins ist sicher: Die Welt erlebt seit Monaten einen Wandel in den Beziehungen zwischen den USA und Russland. Foreign Policy erklärt uns diese Woche, warum das eine gute Nachricht ist.

Die Weltwirtschaftskrise hat nun auch ein Land erreicht, das sich eigentlich schon fast wieder im Aufschwung befand: Nach massiven Entlassungen und Millionen von Arbeitslosen, die durchs Land ziehen, finden nun in China die ersten Streiks seit Jahrzehnten statt. Spiegel online hat sich auf eine Reise durchs Reich der Mitte begeben, um besser die Verzweiflung der Arbeiter im ganzen Land zu verstehen.

Und für einen guten Start ins Wochenende noch der kulinarische Tipp der Woche: Was isst man wohl in der Antarktis? Und wozu kann in dieser Gegend ein Kühlschrank gut sein? Die Antwort darauf gibt es diese Woche im Seed Magazine.


AK

Donnerstag, der 17. Juni 2010

Der Gipfel der Staats- und Regierungschefs diskutiert heute das Projekt einer EU-Wirtschaftsregierung. Diese wurde gemeinsam zwischen Frankreich und Deutschland angedacht, doch „trägt sie die Handschrift Angela Merkels“, bemerkt die Sueddeutsche Zeitung. Der zweite Punkt an der Tagesordnung: „Spanien verteidigen“ – und zwar gegen die Gier der Spekulanten, aber auch gegen sich selbst, erklärt Spiegel online.

Die Europäische Kommission hat nun Ganzkörperscannern in Flughäfen grünes Licht gegeben. Doch die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat medizinische, ethische und wirtschaftliche Bedenken: Zunächst sind die Röntgenstrahlen der Scanner für manche Personen schlichtweg gesundheitsschädlich. Verteidiger individueller Rechte sehen darin zudem einen schweren Eingriff in die Intimsphäre. Und zuletzt kostet die Anschaffung einer solchen Maschine bis zu 200.000 Euro. Vielleicht nicht die beste Wahl in Krisenzeiten…

Machen wir uns in die Windeln und schreien wir nach Mutti?“, fragt sich heute ironisch die tschechische Journalistin Silvie Lauder. Denn Frauen sind derzeit in der tschechischen und der slowakischen Politik hoch im Kurs. Nach den Parlamentswahlen werden im Prager Parlament nun 44 Frauen sitzen. Und in der Slowakei könnte bald eine Frauen Premierministerin werden.

Die Welt ist dabei eine enorme Verschiebung des Reichtums zu erleben. Dies geht aus einer viel bemerkten Studie hervor, die heute von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht wurde. Demnach wird sich in zwanzig Jahren eine Mehrheit der wirtschaftlichen Ressourcen in Ländern außerhalb Europas und Nordamerikas befinden.

Zwei Tote und zehn Verschleppte. Das ist die traurige Bilanz eines Angriffs der Islamischen Tribunale gegen die eigene Bevölkerung in Somalia, um sie davon abzuhalten, die Fußball-WM 2010 zu sehen. Die radikal islamische Gruppe findet unter anderem, dass „die Jugend diesen enormen Geld und Zeitverlust nicht sehen sollte“, der aus „einem Haufen verrückt gewordener Männer“ besteht.


AK

Mittwoch, der 16. Juni 2010

Eine neue Mitte-Rechts Regierung könnte schon bald in der Slowakei stehen. Doch das ist nicht wirklich eine gute Nachricht für die Europäische Union. Denn diese neue Regierung will nicht am 110 Milliarden-Rettungspaket für Griechenland teilnehmen. Zudem findet Iveta Radičová – jene konservative Politikerin, die schon bald slowakische Premierministerin sein könnte – dass der im Mai beschlossene Krisenfonds von 750 Milliarden Euro „die schlechteste aller Lösungen“ ist.

Die Webseite der deutschen Wirtschaftzeitung Handelsblatt erzählt uns heute von dem Kampf zwischen Großbanken und Staaten in Europa. Denn die Banken möchten auf der einen Seite so diskret wie möglich ob ihrer finanziellen Aktivitäten bleiben. Auf der anderen Seite wollen die Politiker allerdings voll auf Transparenz setzten.

In Rumänien finden seit gestern großangelegte Demonstrationen gegen die Sparmaßnahmen der Regierung statt. Doch während die sozialdemokratische Opposition von einem „sozialen Genozid“ spricht, verteidigt Premierminister Emil Boc das Sparpaket mit einer einfachen Gleichung: Wenn das Land nicht schnell Geld einspart, wird er bereits ab nächstem Jahr nicht mehr die Gehälter seiner Beamten und die Renten der Senioren zahlen können. Der Staatsbankrott würde damit fast unausweichlich werden…

Ein schwedischer Staatsanwalt möchte in den nächsten Wochen Ermittlungen gegen ein Konsortium europäischer Firmen einleiten, die der „Beihilfe zu Kriegsverbrechen“ zwischen 1997 und 2002 verdächtigt werden. Das Geld mehrerer europäischer Ölfirmen, darunter die schwedische Lundin Oil und die österreichische OMV, hat seiner Darstellung nach dazu gedient, Waffen und Infrastrukturen für die sudanesische Regierung zu finanzieren.

Moisés Naïm ist ein bekannter politischer Kommentator in der englisch- und spanischsprachigen Welt. Und doch bedient er sich heute einer Metapher aus dem Fußballbereich um seinen Lösungsansatz für die politische und wirtschaftliche Krise in Spanien zu präsentieren: Premierminister Zapatero und Oppositionsführer Rajoy sollten sich vom Trainer der bei der WM in Südafrika stark favorisierten spanischen Nationalmannschaft Vicente Del Bosque eine Scheibe abschneiden um zu lernen, „wie man gemeinsam und im Interesse der gesamten Nation spielt.“


AK

Dienstag, der 15. Juni 2010

Angela Merkel und Nicolas Sarkozy können zusammenarbeiten. Das wollten sie zumindest ihren europäischen Partnern bei ihrer gemeinsamen Erklärung gestern Abend in Berlin weismachen. Dabei forderten sie mehr Zusammenarbeit auf EU-Ebene und stärkere Beschränkungen für die internationalen Finanzmärkte. Doch nach mehreren Monaten des Widerstandes gegen jegliche konkreten Lösungsansätze muss sich die deutsche Kanzlerin weiterhin Kritik aus ganz Europa anhören. In einem Meinungsartikel zu Banken- und Parteiinteressen innerhalb der CDU ruft so der spanische Journalist Rafael Poch aus: „Merkel hat ihre Mitte verloren“.

Sieger sucht Verlierer für dauerhafte Beziehung“. Der Leitartikel der belgischen Tageszeitung Le Soir ist bezeichnend. Denn nach den Parlamentswahlen dieses Wochenende sind der wallonische Sozialist Elio di Rupo und der flämische Separatist Bart De Weyer die starken Männer in Belgien. Und eine Koalition zwischen ihren beiden Parteien könnte dem Land eine unwahrscheinliche aber starke Regierung bringen. So könnte Belgien gerettet werden. Oder es würde ihm wenigstens eine kleine Verschnaufpause gegönnt.

Mehr als zehn Jahre der intensiven Recherchen und mehrere Tausend Interviews und Zeugenaussagen: Der Saville-Bericht über das Massaker von 14 unbewaffneten Zivilisten durch die britische Polizei am 30. Januar 1972 („Bloody Sunday“) ist der längste und kostspieligste Bericht der britischen Kriminalgeschichte. Er wurde seinerseits von Tony Blair nach dessen Wahl 1998 ins Leben gerufen und wird heute vom neuen Premierminister David Cameron im britischen Unterhaus präsentiert.

Kirgisistan macht gerade die schwersten Momente seiner noch jungen Geschichte durch. In den letzten zwei Monaten seit dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Bakiew ist die Stadt Osh im Süden des Landes Klan-Kriegen und ethnischen Konflikten hilflos ausgeliefert. Seit diesem Wochenende herrscht pogromartige Stimmung, denn die kirgisische Mehrheit wendet ihren Unmut immer offener gegen die usbekische Minderheit. Aber was für ein Problem haben diese beiden Bevölkerungsgruppen wirklich miteinander, fragt sich die spezialisierte Webseite ferghana.ru. Auf jeden Fall sollte Russland schon einmal vorbeugend eingreifen, warnt Die Zeit.

Heute Abend findet bei der Fußball-WM in Südafrika ein eigenartiges Spiel statt: Das vielgelobte Team Brasiliens tritt gegen Nordkorea an. Theoretisch sollte die Selecão dabei locker gegen das letzte stalinistische Land auf Erden gewinnen. Doch Nordkorea hofft auf… seinen Südkoreaner: Jong Tae Se gilt als einer der besten Spieler Asiens. Er ist zwar in Japan geboren und hat südkoreanische Eltern. Doch mit 22 Jahren hat er sich „aus Überzeugung“ dazu entschlossen Nordkoreaner zu werden.


AK

Montag, der 14. Juni 2010

Nach dem überlegenen Wahlsieg der flämischen Separatisten bei den Parlamentswahlen dieses Wochenende in Belgien stellte deren Parteivorsitzender Bart De Wever heute Morgen erste Anforderungen: So soll der Wahlbezirk Brüssel – Halle – Vilvoorde, eine französische Enklave im flämischsprachigen Zentrum Belgiens, einfach aufgelöst werden.

In der Slowakei ist dieses Wochenende die Ära Fico zu Ende gegangen. Der häufig populistische Chef der sozialdemokratischen Partei Smer hat zwar die Wahlen gewonnen. Doch „aufgrund seiner Arroganz“ hat er die Macht verloren, bemerkt heute die tschechische konservative Zeitung Lidové Noviny. Denn obwohl Smer auf etwa 35% der Stimmen kommt, lehnen es alle anderen Parteien schlichtweg ab, mit Fico eine Koalition einzugehen.

Wird in Deutschland bald der Grundwehrdienst abgeschafft? Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg möchte den verpflichtenden Wehrdienst abschaffen und damit zur Budgetsanierung beisteuern. Doch kann man die aktuelle Bundeswehr einfach so um 40.000 Soldaten bringen? Sollte sich sein ehrgeiziger Plan gegen ihn wenden, dann könnte er dabei seinen Ministerposten verlieren und gleichzeitig seine politische Karriere, meinte heute Financial Times Deutschland.

Dieses Wochenende hat der Balkan einen erneuten Schritt Richtung Europa gemacht: Nach einer gemeinsamen Aktion zwischen kroatischer Polizei und serbischen Spezialeinheiten wurden die letzten Mitglieder des „Klans von Zemun“ festgenommen, jener Belgrader Mafia, die Ende der 90er und Anfang 2000 in ganz Serbien hatte Angst und Schrecken walten lassen.

Afghanistan ist „das Saudi Arabien des Lithiums“. Das ist das Fazit eines Berichts der amerikanischen Sicherheitsdienste an das Pentagon. Und das ist noch längst nicht alles. Im Untergrund des Hindukusch sollen sich des weiteren Eisen, Kobalt und Gold im Wert von einer Trillion Dollar befinden. Ungefähr…



AK

Alexander Knetig ist mit einer tschechischen Mutter und einem niederländischen Vater in Wien aufgewachsen und hat in Frankreich und in Spanien studiert. Für arte.tv hat dieser junge Journalist unter anderem die Prager Chroniken geschrieben und das Projekt "27 und ich" koordiniert.


Erstellt: 21-12-09
Letzte Änderung: 21-06-10


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