Schriftgröße: + -
Home > Europa > Interessiert Sie das? > Die Web-Schau > Interessiert Sie das? - Die tägliche Web-Schau

Interessiert Sie das?

Wer ist der nächste nach Mladic und Bin Laden? Welche Zukunft hat der IWF? Und wer wird ab 2012 China regieren?

Interessiert Sie das?

22/03/10

Interessiert Sie das? - Die tägliche Web-Schau

Eine Krise, die nicht mehr aufhören will. Eine Konsumgesellschaft, die nicht überleben kann. Und die Kriege in Afrika, die niemals zu Ende gehen.


Samstag der 20. und Sonntag der 21. März 2010

Schottland macht sich dem eigenen Slogan nach zu urteilen dazu auf, das Saudi-Arabien der Wellenenergie“ zu werden. Die Regionalregierung ist von folgendem Grundgedanken ausgegangen: „Das, was hier im Norden Großbritanniens wirklich nicht fehlt, sind Wind und irre Wellen“. So möchte man nun Wasserkraftwerke en masse herstellen und damit 750.000 Haushalte mit Energie versorgen.

In einem sehr kompletten Meinungsartikel stellt zeit.de fest, dass die Wirtschaftskrise „alles andere als vorbei ist“. Sie geht eigentlich nur in ihre dritte Runde. Denn nachdem die großen Geldinstitute dieser Welt in die Bredouille geraten sind und riesige Firmen Tausende von Arbeitsplätzen gestrichen haben, könnten nun gesamte Staaten in den Ruin getrieben werden.

Die Konsumgesellschaft bedeutet unseren Untergang. Das ist das Fazit des Berichts 2010 des angesehenen Worldwatch Institute in Washington D.C, der diese Woche herausgekommen ist. Dabei geht es bei weitem nicht nur um die globale Erderwärmung. Um zu überleben müsste die Menschheit eigentlich ihr gesamtes Konsumverhalten ändern – angefangen bei ihren Essgewohnheiten. Wie ist es zum Beispiel möglich, dass die meisten Industriestaaten immer noch vor allem die Fleischproduktion fördern, wenn uns Körper und unsere Umwelt Früchte und Gemüse zehnmal nötiger hätten, bemerkt good.is.

Wozu noch Journalismus? Das fragt sich sueddeutsche.de in einer Serie von Artikeln und Debatten derzeit. Was ist denn nun aus dem vierten Pfeiler der Demokratie in den Zeiten des Web 2.0 geworden? Gibt es so etwas wie „neue Zensur“? Und kann es eine Presse ohne Journalisten geben?

Jeffrey Gettlemen, New York Times Korrespondent in Ostafrika, gewährt uns dieses Wochenende in einem beeindruckenden Artikel Einblick in „Die ewigen Kriege Afrikas“. Ein seltenstarkes Dokument auf halbem Wege zwischen Journalismus und Literatur, zwischen historischer Reflexion und Zukunftsvision.

AK

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Freitag, der 19. März 2010


Das Nahost-Friedensquartett – bestehend aus der Europäischen Union, Russland, den USA und den Vereinten Nationen – hat heute von Israel den sofortigen Stopp seines Siedlungsbaus auf Palästinensischem Territorium gefordert. Allerdings haben die Sprecher des Quartetts nicht gesagt, mit welchen Mitteln man Israel dazu zwingen will, diesen Aufruf zu respektieren.

Wo ist eigentlich der deutsche Präsident Horst Köhler hinverschwunden? lefigaro.fr stellt heute Morgen fest, dass dieser „seit Monaten von der politischen Bühne verschwunden ist“. spiegel.de nannte ihn diese Woche sogar „das Schlossgespenst" (von Bellevue). Denn obwohl die verfassungsrechtliche Macht des Bundespräsidenten gering ist, so hat er doch eine moralische Autorität. Und diese Autorität hätte er bei zahlreichen Themen in letzter Zeit ausspielen können.

Mitten in der politischen Krise zwischen Polen und Weißrussland erzählt uns Gazeta Wyborcza heute die Geschichte der „Weißrussischen Mata Hari“: Dabei geht es um eine hübsche Agentin des Geheimdienstes von Diktator Lukaschenko in Minsk, die nach Warschau geschickt wurde, um sich dort anhand ihrer Reize an Diplomaten und hochrangige Militärvertreter anzunähern und ihnen das ein oder andere Staatsgeheimnis zu entlocken.

Nach einem Monat an der Macht hat der Präsident Nigerias Goodluck Jonathan soeben seine gesamte Regierung zum Rücktritt bewogen. Der erzwungene Rücktritt der Exekutive, die bereits vor vier Jahren von Jonathans Umaru Yar'Adua eingesetzt wurde, stößt bei politischen Beobachter aber auf vollstes Verständnis. Die Regierung galt nämlich als korrupt und hatte schon seit langer Zeit das Vertrauen der Bevölkerung verloren. Dabei hat das bevölkerungsreichste Land Afrikas eine tugendhafte Regierung, die Reformen einleitet und Nigeria von den Traumata der letzten Jahre befreit, dringend notwendig.

Und dann war da noch diese Nachricht aus unserer Rubrik „megalomane Projekte“: In den Vorstädten Petrzalka et Jarovce im Süden der Slowakischen Hauptstadt Bratislava basteln ein ungarischer Immobiliengigant und eine amerikanische Glückspielfirma für 2012 am „Las Vegas Europas“. In gerade einmal zwei Jahren soll die Kasinostadt auf 1,2 Millionen Quadratmetern erbaut werden und „fürs Erste“ 1,5 Milliarden Euro kosten. Doch die überaus katholische Nachbarschaft wehrt sich nun…

AK

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Donnerstag, der 18. März 2010


Die Debatte um eine gesamteuropäische Finanzhilfe für Griechenland zwischen Deutschland und dem Rest der Europäischen Union ist nun voll entbrannt. Während die meisten EU-Staaten sich Anfang der Woche eigentlich schon auf konkrete Hilfen für Athen geeinigt hatten, blockiert Deutschland derzeit weiterhin eine definitive Einigung. Bundeskanzlerin Merkel hat gestern in ihrem vielkommentierten Auftritt vor dem Bundestag zudem auch von der Option gesprochen, in Zukunft Länder aus der Eurozone „ausschließen zu können, wenn diese nicht mehr den Kriterien entsprächen.

In Großbritannien wird dieser Tag viel über die geheimen Gespräche zwischen Tony Blair und George W. Bush in der Vorbereitungsphase des Irak-Kriegs 2002 diskutiert. Gleichzeitig steht der ehemalige britische Premierminister aber auch wegen seiner Arbeit für eine südkoreanische Erdölfirma im Kreuzfeuer der Kritik. Denn er hat fast zwei Jahre lang weder die Öffentlichkeit von seiner Tätigkeit informiert, noch dem Finanzamt die entsprechenden Einkünfte gemeldet.

Die Ministerkonferenz von Barcelona zu Gesundheitsfragen innerhalb der EU schneidet diese Woche das Thema gesamteuropäisches Gesundheitssystem bis 2015 an. Die EU-Gesundheits- und Sozialkommissarin Neelie Kroes hat unter anderem schon von der Notwendigkeit einer Europäischen Datenbank gesprochen.

Ende der 70er Jahre gründete der Iraner Mohsen Sazegara die gefürchtete Revolutionsgarde um den Aufstand des Ayatollah Khomeini gegen das verhasste Regime des Schahs zu unterstützen. Dreißig Jahre später lebt Mohsen Sazegara in einem Vorort von Washington. 2003 ist er aus dem Iran geflohen. Und seit mehreren Monaten verbreitet er auf YouTube Videos, in denen er die Demonstranten der Grünen Revolutionen zum Durchhalten anregt.

Und zum Schluss noch eine wahre Hiobsbotschaft: Jüngsten Statistiken zufolge trinken die Tschechen immer weniger Bier. In dem Land, das sich stolz als Biertrinkernation Nr.1 ausgibt, grenzt dies an eine nationale Tragödie…

AK

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Mittwoch, der 17. März 2010

Eine europäische Wirtschaftsregierung ist unausweichlich“, stellt heute Morgen der belgische Premierminister Yves Leterme in einem Interview für euobserver.com fest. Seiner Meinung nach wird die Ablehnung gewisser Länder in ein paar Jahren einfach lächerlich erscheinen. Denn „es geht um die finanzielle Stabilität Europas - nicht um irgendwelche ideologischen Debatten zum Föderalismus“.

Die sozialistische Regierung in Portugal und ihr Premierminister José Socrates haben ein großes Privatisierungsprogramm von sechzehn Staatsbetrieben (wie zum Beispiel der Post oder der nationalen Fluglinien TAP) angekündigt. Mit dieser radikalen Maßnahme wollen sie der Staatsverschuldung Einhalt gebieten, die in den letzten Monaten ein wahres Problem für die Glaubwürdigkeit des Landes geworden ist. Zudem will die sozialistische (?!) Regierung auch die Sozialhilfen für die Ärmsten kürzen, um noch mehr Geld einzusparen.

Malmö, drittgegrößte Stadt Schwedens und Schmelztiegel der Kulturen, steht derzeit im Zentrum des öffentlichen Interesses: 2009 wurden hier von der Polizei 79 antisemitische Übergriffe geortet. Seitdem sind 30 jüdische Familien aus der Stadt weggezogen und haben sich in Stockholm oder im Ausland niedergelassen.

Wegen einer „wilden Diffamierungskampagne in den europäischen Medien“ nach dem Tod des Dissidenten Orlando Zapata auf Kuba hat das kommunistische Regime von Raul Castro nun eine große Anti-EU Kampagne in den staatlichen Medien gestartet. Seit mehreren Tagen sind in den Zeitungen Granma und Juventud Rebelde Artikel zu lesen, deren Titel mit der britischen Regenbogenpresse mithalten könnten: „Die Hölle Europa“, „80 Millionen Arme im ehemals so reichen Europa“, „Europa: Rassismus im Anzug“ oder noch „Die unmenschlichen Verliese Europas.“

Eine der in den letzten Jahren faszinierendsten politischen Figuren Europas, Mary Robinson, kehrt nach Hause zurück. Nach dreizehn Jahren, die sie in New York zunächst im UNO-Sitz und dann in den Büros ihrer NGO verbracht hat, wird die ehemalige Präsidentin Irlands wieder nach Dublin ziehen. guardian.co.uk ergreift die Gelegenheit, um das Porträt einer engagierten Frau zu zeichnen, die in ein moderneres aber auch von einer schweren Krise gezeichnetes Land zurückkommt.


AK

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Dienstag, der 16. März 2010

Alarm am Ärmelkanal: Das britische Pfund hat heute einen historischen Tiefstand erreicht. Während die Länder der Eurozone sich am Morgen erneut nicht auf konkrete finanzielle Hilfen für Griechenland einigen konnten, haben die Spekulanten ein neues Opfer gefunden: Mit einem riesigen Defizit und einer horrenden Staatsverschuldung könnten Großbritannien und seine Währung derzeit sogar noch gefährdeter sein als Griechenland oder Spanien. Derzeit leugnet die Regierung von Gordon Brown allerdings noch das Ausmaß der Gefahr.

Seit letztem Wochenende kann Caracas, die Hauptstadt Venezuelas, als kriminellste Stadt der Welt gelten. Den Statistiken der Leichenschauhäuser nach zu urteilen, sind in weniger als 48 Stunden 67 Menschen in Dutzenden Gewaltverbrechen ermordet worden. Offizielle Zahlen gibt es allerdings nicht, da diese von der Regierung rund um Präsident Hugo Chavez seit Monaten zurückgehalten werden.

Entdecken Sie in der deutschen Ausgabe von Le Monde Diplomatique die Geschichte deutscher Vertriebener, die zunächst vor den Nazis aus der Tschechoslowakei fliehen mussten, dann aus Großbritannien wieder zurück nach Mähren kamen, wo sie zunächst freundlich aufgenommen und dann doch wieder vertrieben wurden. Die Geschichte einer jüdisch-deutschen tschechoslowakischen und sozialistischen Familie aus Mitteleuropa eben…

Stellt Internet eine Gefahr für die Demokratie dar? Ein neues Dossier der französischen Zeitschrift Books (dem heute Abend in Paris eine große Debatte zu dem Thema folgt) schildert die Probleme des Web 2.0. Und es hat hohe Wellen im französischsprachigen Netz geschlagen. Auf der Seite rue89.com antwortet Pierre Hasky, dass das Medium Internet der Information der Bürger nicht abträglich ist. Ganz im Gegenteil legt Francis Pisani auf lemonde.fr nach: Die Demokratisierung der Kommunikation dank Internet ist schon längst Realität.


AK

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Montag, der 15. März 2010

Nach dem ersten Durchgang der Regionalwahlen in Frankreich ist die sozialistische Partei (PS) zum ersten Mal seit Jahren wieder „wichtigste Partei Frankreichs“ – das gibt heute Morgen sogar die konservative Zeitung Le Figaro zu. Für zeit.de zeigen die Ausmaße des sozialistischen Sieges vor allem die schwere Krise des Sarkozismus. NRC Handelsblad merkt an, dass diese Wahlen nicht nur die Wiedergeburt des PS darstellen, sondern auch die bedauernswerte Rückkehr des rechtsextremen Front National. Und ohne von der lächerlich geringen Wahlbeteiligung von unter 50% zu sprechen, setzt lavanguardia.es noch einen drauf. Wieso nur sind die Franzosen nicht wählen gegangen? Ein paar Antworten auf diese Frage gibt es auf lepost.fr.

Auch in Russland haben dieses Wochenende Regional- und Lokalwahlen stattgefunden. Und die Ergebnisse sind überraschend ähnlich wie in Frankreich: Verluste bei der Regierungspartei, Erstarkung der politischen Linken (und der Linksextremen), Rückkehr der antidemokratischen Rechten. So hat die Regierungskoalition von Wladimir Putin einen ihr bisher unbekannten Wählerabgang hin zu der Kommunistischen Partei und den ultranationalistischen Liberaldemokraten von Wladimir Schirinowski hinnehmen müssen.

Währenddessen ist in Georgien dieses Wochenende pure Panik ausgebrochen. Erinnern Sie sich noch an jene Falschmeldung, in der im Dezember 2006 im belgischen Fernsehen von der Unabhängigkeitserklärung der Flamen berichtet wurde? Jetzt stellen Sie sich einmal vor, dass man eine ähnliche Falschmeldung Samstagabend zur besten Sendezeit im georgischen Fernsehen verbreitet... und einfach mal sagt, dass Russland erneut den Norden des Landes besetzt hat.

Alexander Knetig ist mit einer tschechischen Mutter und einem niederländischen Vater in Wien aufgewachsen und hat in Frankreich und in Spanien studiert. Für arte.tv hat dieser junge Journalist unter anderem die Prager Chroniken geschrieben und das Projekt "27 und ich" koordiniert.
Die Europäische Union hat dieses Wochenende Israel scharf für den Bau neuer Siedlungen auf Palästinensischem Hoheitsgebiet verurteilt. Schon am Samstag hatte die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton das israelische Vorhaben kritisiert, 1600 neue Häuser im Westjordanland bauen zu wollen. Die Ankündigung fiel mit dem Besuch des amerikanischen Vizepräsidenten Joe Biden zusammen, der mit Israel eigentlich einen Kalender für die Nahost-Friedensgespräche festlegen wollte. Dabei hatte ihn die Tageszeitung Haaretz schon vor seinem Eintreffen gewarnt: « Vorsicht! Wir verhandeln hier so, wie wir Auto fahren.»

Der Parteichef der rechtsextremen slowakischen Nationalpartei Ján Slota hat vor kurzem angedeutet, Ungarn sei „moralisch viel zu sehr zurückgeblieben“, um den EU-Vorsitz 2011 übernehmen zu können. Auch war er der Hauptinitiator jenes Gesetzes, das ab 1. April Patriotismus in der Slowakei quasi zur Pflicht machen wird. Doch so patriotisch kann er selbst gar nicht sein: Dieses Wochenende hat Slota nämlich bei einer politischen Veranstaltung fröhlich die Nationalhymne angestimmt… und das mit falschem Text.

AK

Erstellt: 21-12-09
Letzte Änderung: 22-03-10


+ aus Europa