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Interessiert Sie das?

Wer ist der nächste nach Mladic und Bin Laden? Welche Zukunft hat der IWF? Und wer wird ab 2012 China regieren?

Interessiert Sie das?

05/02/10

Interessiert Sie das? - Die tägliche Web-Schau

Iris Hartl hat in Bamberg und Paris Islamwissenschaft und Arabistik studiert und anschließend einen Masterabschluß in Journalismus an der Pariser Sciences Po erworben. Sie hat 2009 an dem Projekt „27 und ich“ mitgewirkt und Reportagen zu Umweltthemen in Jordanien und Brasilien realisiert. In der folgenden Presseschau fasst die Journalistin für Sie die wichtigsten und interessantesten Ereignisse der ersten Tage des neuen Jahres zusammen.

Samstag 16. – Sonntag 17. Januar

 

Während die ganze Welt Anteil am Schicksal der Haitianer nimmt, ist der amerikanische Evangelikale Pat Robertson der Ansicht, dass diese nun hätten, was sie verdienten. Auf dem Sender CBN hielt er eine schockierende Rede zur Katastrophe in Port-au-Prince. Er behauptete, dass die Bevölkerung selbst für das Geschehene verantwortlich sei. Denn sie hätten einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, um 1804 die Unabhängigkeit von der französischen Kolonialherrschaft zu erreichen. Und nun bestrafe Gott sie dafür. Sehr logisch, nicht wahr?


 

In Frankreich wollen die Diskussionen über die nationale Identität nicht abreissen. Die Sozialistenpartei hat nun bei der Gelegenheit ihren Vorschlag, Ausländer zu Lokalwahlen zuzulassen, wieder aus der Schublade geholt. Diese Idee unterstützt auch der Immigrationsminister Eric Besson von der konservativen UMP. Er kann sich die Verwirklichung der Idee in den kommenden 10 Jahren vorstellen. Schließlich hat sich auch der Premierminister François Fillon (UMP) in die Debatte eingeschaltet und dabei seine entschiedene Ablehnung deutlich gemacht. Für ihn ist das Wahlrecht ein Grundrecht, das nur Bürgern zusteht. 


 

Sagt Ihnen der Begriff Edutainment etwas? Es handelt sich dabei um komplexe historische Ereignisse, die der breiten Masse zugänglich gemacht werden, indem man sie in als leicht verständliche Fiktion präsentiert. Die britische Zeitung The Independent erklärt, dass die Leute sich in nie da gewesenem Ausmaß für Geschichte interessieren, allerdings muss sie einfach, spannend und emotionsvoll erzählt sein. Das Jahr 2010 hält dem Artikel zufolge einige Höhepunkte für die Fans von historischer Fiktion bereit.


 

                                                                                                                                 Iris Hartl

 

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Freitag 15. Januar

Obama  mag vielleicht den Ruf haben ein netter Kerl zu sein, aber wenn es ums Geld geht versteht er keinen Spaß. So hat er nun erklärt, dass er "jeden einzelnen Cent" von dem, was die Banken sich während der Krise vom Staat geliehen haben, wieder eintreiben werde. Um die Rückerstattung der rund 117 Milliarden Dollar zu garantieren, sollen die betroffenen Geldinstitute künftig eine Steuer zahlen, die im Rahmen der nächsten Budgetverhandlungen im Kongress diskutiert werden soll. 


Bei der Auswahl der Kandidaten für die neue EU-Kommission kommt endlich etwas Spannung auf. Denn ein paar der Bewerber sind höchst umstritten, allen voran die Bulgarin Rumjana Schelewa. Sie soll während ihres Mandats als Europaabgeordnete zwischen 2007 und 2009 eine Firmentätigkeit verheimlicht haben. Doch es kommt noch schlimmer. Ihr wird vorgeworfen, Mafiakontakte zu haben, was diese beharrlich abstreitet. Trotz der Vorwürfe bleibt sie als Kandidatin im Rennen.

  

Mao dürfte sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, dass seine chinesischen Genossen gerade dabei sind, die Könige der Konsums zu werden. Sie lieben es dermaßen ihr hart verdientes Geld auszugeben, dass sie bis 2020 die Amerikaner vom Königsthron gestossen haben dürften. Laut einer Studie von Credit Suisse verdienen die Bewohner der Volksrepublik mehr als je zuvor, aber die sparen nicht gerne.  

 

Eine andere Nachricht aus dem Reich der Mitte betrifft den Kampf zwischen dem Regime und dem amerikanischen Internetriesen Google. Dieser hatte die Zensurmaßnahmen Chinas kritisiert und der Regierung vorgeworfen, Cyberattacken gegen Menschenrechtler durchgeführt zu haben. Die Chinesen bestehen jedoch auf ihre Kontrollmaßnahmen im Internet. Jetzt ist es an Google zu entscheiden, ob sie unter diesen Bedingungen weitermachen oder die chinesische Version ihres Recherchemotors abschaffen.

  
Iris Hartl

 

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Donnerstag 14. Januar

Das Erdbeben, das die Hauptstadt Haitis mit voller Wucht getroffen hat, soll nach Angaben des Premierministers bereits mehr als 100 000 Opfer gefordert haben. Die von den USA, den Vereinten Nationen und der EU angebotene Unterstützung gestaltet sich als schwierig, da der Kontrollturm des Flughafens bei dem Beben beschädigt wurde. Die Koordination der Hilfseinsätze und die Versorgung der zwei Millionen Einwohner der Hauptstadt wird große logistische Probleme vor Ort mit sich bringen. Denn die politischen wie administrativen Strukturen sind instabil, die Kommunikationsleitungen sind bis auf das Internet und insbesondere Twitter lahm gelegt, und auch die sonstigen Infrastrukturen (Straßen, Krankenhäuser, Trinkwasserversorgung) sind nicht gewährleistet. Von den Sicherheitsproblemen nicht zu sprechen. Im Moment befinden sich rund 3000 Blauhelme und Polizisten der Uno im Rahmen ihrer Mission zur Stabilisierung des Landes (MINUSTAH) nach Unruhen 2004 vor Ort. 


 

Wir können wieder aufatmen. Die Türkei ist Israel nicht mehr beleidigt! Nach drei Tagen Drama um eine Fernsehsendung, einen Stuhl und eine nicht-vorhandene Fahne, ist zwischen den beiden Ländern wieder Frieden eingekehrt. Denn gestern Abend haben die Türken von der israelischen Regierung endlich ihre sehnsüchtig erwartete Entschuldigung für die „Demütigung“ ihres Botschafters durch Danny Ayalon, den stellvertretenden israelischen Außenminister, erhalten.



Die Franzosen arbeiten mehr als die Deutschen. Das besagt zumindest eine Studie des französischen Instituts Insee zur Verringerung der Arbeitszeit weltweit, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Franzosen sollten sich deswegen jedoch nicht allzu sehr aufspielen, denn sie sind bei weitem nicht die fleißigsten. Unter den zehn für die Studie herangezogenen Industrieländern besetzen sie gerade mal den achten Platz. Echte Arbeitstiere sind dagegen die Spanier, Japaner, Koreaner und die Amerikaner.   


Auch die jungen Franzosen scheinen gerne bereit zu sein mehr zu arbeiten, um dafür an mehr Geld zu kommen. So hat der 22-jährige Ryan, seines Zeichens Drogendealer, ein interessantes Mittel zur Aufbesserung seiner Haushaltskasse gefunden. Da die Kunden in letzter Zeit immer mehr fern blieben, hat er kurzerhand einen Nebenjob bei einer alten Dame angenommen. Sie zahlt ihm 100 Euro für zwanzig Minuten Staubsaugen. Allerdings unter einer Bedingung: er muss dabei nackt sein! Ein Geschäftsmodell, das man in Zeiten der Krise durchaus auch für die deutsche Jugend in Erwägung ziehen könnte…

Iris Hartl

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Mittwoch 13. Januar

Ein gewaltiges Erdbeben hat die Hauptstadt Haitis, Port-au-Prince, in ein riesiges Ruinenfeld verwandelt. Die Katastrophe hat bereits Hunderte bis Tausende Opfer gefordert, viele Menschen werden noch vermisst. Selbst der Präsidentenpalast ist wie ein Kartenhaus in sich zusammen gefallen, die meisten Verwaltungsgebäude wurden zu einem Großteil zerstört. Die USA, Venezuela und Frankreich haben sich bereits angeschickt, den Haitianern  Hilfe zukommen zu lassen. Haiti, eines der ärmsten Länder der Welt, wurde bereits 2004 und 2008 von Naturkatastrophen heimgesucht.    


Die beschauliche Stadt Rosarno im süditalienischen Kalabrien hat vergangene Woche traurige Berühmtheit erlangt. Einige der Bewohner sind auf ausländische Landarbeiter losgegangen, die gegen ihre Arbeitsbedingungen protestiert haben. Sie sollen von der örtlichen Mafia, der Ndrangheta, ausgebeutet und misshandelt werden. Bei den gewalttätigen Zusammenstößen wurden insgesamt 67 Menschen verletzt. In diesem schwierigen Kontext hat der Regierungschef Silvio Berlusconi diese Woche seine Amtsfunktionen wieder aufgenommen, nachdem er sich einen Monat lang von dem Angriff eines geistig verwirrten Mannes erholt hatte. Seine Haltung gegenüber dieser Jagd auf Einwanderer kann man leicht erahnen, wenn man sich den in der berlusconischen Zeitung Il Giornale veröffentlichten Ratschlag zu Gemüte führt: „Macht lieber Jagd auf die Mafia, statt auf die Neger!“ Anscheinend ist der Gebrauch des Begriffes „Neger“ in Italien inzwischen normal geworden.      


Griechenland hat ernsthafte Probleme mit der EU. Diese wirft dessen Regierung vor, seine Haushaltsstatistiken manipuliert zu haben, um erhöhte Defizite zu verbergen. Nach einem entsprechenden Bericht der Europäischen Kommission, hat sich das Land am Dienstag 1,6  Milliarden Euro am Finanzmarkt geliehen. Allerdings zu stark erhöhten Zinsen, aufgrund seiner hohen Staatsverschuldung. Es ist wahrscheinlich, dass Brüssel eine Neuberechnung der Haushalts-und Schuldenzahlen fordert und ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Griechenland einleitet.


Der iranische Nuklearphysiker Massud Ali-Mohammadi ist am Dienstag unter mysteriösen Umständen in Teheran ums Leben gekommen. Was feststeht, ist die Tatsache, dass der an der Universität von Teheran lehrende Professor in der Nähe seines Wohnortes einem Bombenanschlag zum Opfer fiel. Bezüglich der Täter gibt es jedoch die unterschiedlichsten Spekulationen. Während die iranische Regierung Israel, die USA und die Opposition verdächtigt, sagen andere Quellen, dass  Ali-Mohammadi selbst ein Anhänger der Opposition gewesen sei. Die iranische Atomenergiebehörde hat darüber hinaus mitgeteilt, dass der Professor nicht am staatlichen Atomprogramm beteiligt gewesen war.

Wie man an den obigen Informationen sehen kann, ist unsere Welt sehr komplex und manche Ereignisse lassen sich nur schwer analysieren. Zum Glück gibt es dafür den amerikanischen Sender Fox News, der soeben eine echte Universalexpertin engagiert hat: Sarah Palin!

Die ehemalige Vizepräsidentenkandidatin versucht nun als TV-Kommentatorin den Zuschauern die Welt zu erklären. Dieselbe Sarah Palin, die ihre Kompetenzen auf dem Gebiet der Außenpolitik damit begründet hatte, dass sie Russland von ihrer Heimat Alaska aus mit bloßem Auge sehen könne. Was sich übrigens als Lüge herausgestellt hat …   


 

Iris Hartl

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Dienstag 12. Januar


 

Manchmal verläuft das Leben wie in einem Film. So wie etwa bei Iris Robinson, der Frau von Peter Robinson, dem Premierminister von Nordirland und Vorsitzenden der protestantischen Partei DUP. Genau wie in dem berühmten amerikanischen Film Die Reifeprüfung, in dem die verheiratete Mrs Robinson eine Affäre mit einem jungen Studenten eingeht, hatte auch Iris Robinson (60) einen 40 Jahre jüngeren Geliebten. Während im Film alles gut ausgeht, gibt es für die echten Robinsons wohl kein Happy-End. Denn die untreue Gattin soll staatliche Gelder in Höhe von 55 000 Euro veruntreut haben, um ihrem Liebhaber bei der Eröffnung eines Restaurants zu helfen. Sie soll noch diese Woche von ihren politischen Ämtern im Parlament und in der Nationalversammlung zurücktreten. Ihr Mann, der beteuert nichts von den Machenschaften seiner Frau gewusst zu haben, musste eine sechswöchige Amtspause einlegen.     


Die EU-Außenministerin und Vize-Präsidentin der Kommission, Catherine Ashton, wurde gestern von den Europaabgeordneten angehört. Einem Journalisten der französischen Zeitung Le Monde zufolge sollen diese jedoch mit Ashtons Rede unzufrieden gewesen sein. Mitglieder verschiedener Parteien zeigten sich nach der Anhörung enttäuscht, da es der Britin an Klarheit, Ambition und Visionen gefehlt hätte.


Wir bleiben in Belgien, diesmal aber geht es um eine weniger ernste Information. Eine Rede des Rentenministers Michel Daerden vor dem Senat sorgt derzeit für Schlagzeilen. Der Minister soll nämlich betrunken gewesen sein. Diese These unterstützt ein sowohl kompromittierendes wie lustiges Video, das die französische Zeitung Libération auf seine Internetseite gestellt hat.


Die Schweiz wird aufgrund seiner liberalen Gesetzeslage von so genannten „Euthanasie-Touristen“ heimgesucht. Denn Sterbehilfe ist dort legal, solange sie nicht aus „selbstsüchtigen Gründen“ erfolgt. Die Eidgenössisch-Demokratische Union will den „Sterbehilfe-Tourismus“ nun mittels eines Volksentscheides eindämmen. Die Regierung hatte sich gegen die Initiative gestellt, musste sich jedoch der Entscheidung des Zürcher Kantonsrats beugen, der sie für gültig erklärt hat.


Der große französische Filmemacher Eric Rohmer ist gestern im Alter von 89 Jahren in Paris verstorben. Die Süddeutsche Zeitung widmet dem Vertreter der Nouvelle Vague unter dem Titel „Der strenge Komponist“ eine Hommage.

Iris Hartl


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Montag 11. Januar

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) befindet sich im Moment auf einer offiziellen Reise durch die Golf-Region. Nach einem Besuch in Saudi-Arabien und dem Emirat Katar, ist Westerwelle heute Morgen zu einem Überraschungsbesuch im Jemen eingetroffen. Die Sicherheit des Landes ist durch Houthi-Rebellen und Al-Qaida-Kämpfer stark gefährdet. Neben der Bekämpfung des Terrorismus, will der Außenminister auch das Schicksal der vor sechs Monaten entführten deutschen Familie ansprechen.        


Mit einem klaren "Nein" haben die französischen Überseegebiete Französisch-Guayana und Martinique in einem Referendum gegen eine erweiterte Autonomieregelung gestimmt. Die Verfassung wird somit, zum großen Bedauern der Autonomisten, nicht entsprechend abgeändert.  


Die Kroaten waren gestern ebenfalls an die Urnen gerufen. Im zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen konnte die sozialdemokratische Opposition ihren Kandidaten mit großem Vorsprung durchsetzen. Der neue kroatische Präsident heißt somit Ivo Josipovic. Dieser hat sich vor allem zwei Prioritäten gesetzt: die Bekämpfung der Korruption sowie den schnellen EU-Beitritt seines Landes. 


Ganz Europa lag dieses Wochenende unter einer dicken Schneedecke. Von Frankreich über Spanien bis hin zu Polen blieb kein Land verschont. Hier die schönsten Bilder zum europäischen Winterwunderland

Die eisigen Temperaturen scheinen die Amerikaner ebenfalls nicht zu stören. Die New Yorker haben gezeigt, dass sie sogar noch um einiges kältefester als die Europäer sind. Im Rahmen des alljährlichen No pants day haben vom jungen Studenten bis zur Businesswoman wieder viele Bewohner ihre Hosen ausgezogen und spazieren nun in der Unterhose durch den Big Apple.  


Unsere amerikanischen Freunde wollen sich offensichtlich nicht unterkriegen lassen. Was in Sachen Temperaturen noch gut funktioniert, gestaltet sich in Wirtschaftsangelegenheiten allerdings wesentlich schwieriger. So hat der Autosalon in Detroit mit einer ziemlich gedrückten Stimmung begonnen. Die Branchenvertreter können sich nur schwer von ihrer ruhmreichen Vergangenheit lösen und die aktuelle Realität anerkennen. Diese sieht folgendermaßen aus: Pontiac und Saturn gibt es nicht mehr, die Chinesen wollen Hummer kaufen und General Motors und Chrysler müssen einen schnellen Weg aus der Krise finden. Die New York Times bezeichnet die Atmosphäre sogar als post-apokalyptisch.

Iris Hartl



Erstellt: 11-01-10
Letzte Änderung: 05-02-10


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