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Kino auf ARTE - 18/06/12

In einem Jahr mit 13 Monden

Spielfilm, Deutschland, 1978, ZDF, 119 Min.
Regie: Rainer Werner Fassbinder, Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder, Kamera: Rainer Werner Fassbinder, Musik: Peer Raben, Schnitt: Rainer Werner Fassbinder, Produktion: Tango Film, Pro-ject Filmproduktion im Filmverlag der Autoren, Westdeutscher Rundfunk, Produzent: Rainer Werner Fassbinder Foundation
Mit: Volker Spengler (Erwin/Elvira Weishaupt), Gottfried John (Anton Saitz), Eva Mattes (Marie-Ann Weishaupt), Ingrid Caven (Rote Zora), Elisabeth Trissenaar (Irene Weishaupt), Günther Kaufmann (Chauffeur J. Smolik), Lilo Pempeit (Schwester Gudrun), Isolde Barth (Sybille), Karl Scheydt (Christoph Hacker), Walter Bochmayer (Seelenfrieda), Peter Kollek (Säufer), Bob Dorsay (Stadtstreicher), Gerhard Zwerenz (Schriftsteller Burghard Hauser)

Jedes siebte Jahr ist ein Mondjahr. Ist dieses gleichzeitig ein Jahr mit 13 Neumonden, bahnen sich bei vielen Menschen persönliche Tragödien an. So auch im Sommer 1978 bei Elvira Weishaupt. Als die Transsexuelle während ihres Streifzugs durch Frankfurt ihr unglückliches Leben Revue passieren lässt und bei früheren Vertrauten statt auf Hilfe nur auf bösen Hohn stößt, sieht sie nur noch einen Ausweg.



Jedes siebte Jahr ist ein Mondjahr, das immer wieder Menschen in Depressionen stürzt. Hat dieses Jahr noch 13 Neumonde, so ergibt sich die verhängnisvolle Konstellation für persönliche Tragödien. Auch das Jahr 1978 ist ein solches "Jahr mit 13 Monden". Die Transsexuelle Elvira Weishaupt, früher Erwin, streift in Begleitung der Prostituierten Rote Zora durch ein deprimierendes Frankfurt und lässt ihr unglückliches Leben Revue passieren.
Die Liebe zu einem Mann, der sie mittlerweile abweist, war der Grund für den damaligen Wechsel zum weiblichen Geschlecht. Die Kindheit verbrachte sie verstoßen von der Mutter in einem Heim, die Ehe mit der Metzgertochter Irene, mit der sie eine Tochter hat, scheiterte. Auch Elviras letzter Freund bleibt ihr nicht treu. Vor dem Hintergrund einer tristen Vergangenheit und einer aussichtslosen Zukunft sieht Elvira schließlich nur noch einen Ausweg.

"In einem Jahr mit 13 Monden" ist besonders berührend, weil er einen intimen Einblick in Fassbinders (Seelen-)Leben gewährt. Der Film ist einer der persönlichsten von Rainer Werner Fassbinder und eine Reaktion auf den Selbstmord seines langjährigen Lebensgefährten Armin Meier. Fassbinder, der sich für den Selbstmord Meiers verantwortlich fühlte, drehte den Film kurz nach dessen Tod als Trauer- und Schuldbewältigung. Neben Regie und Drehbuch übernahm er auch Schnitt und Kamera - was auch dem Umstand geschuldet war, dass sein langjähriger Kameramann Michael Ballhaus nicht mehr zur Verfügung stand.
In der Rolle von Erwin beziehungsweise Elvira Weishaupt überzeugt der Schauspieler Volker Spengler, der in mehreren Fassbinder-Filmen mitwirkte und hier in seinem prägnantesten Auftritt zu sehen ist.
Über Frankfurt als Schauplatz seines Films sagte Fassbinder: "Der Film spielt in Frankfurt, einer Stadt, deren spezifische Struktur Biografien wie die geschilderte fast herausfordert, zumindest aber nicht als besonders ungewöhnlich erscheinen lässt. Frankfurt ist kein Ort des freundlichen Mittelmaßes, der Egalisierung von Gegensätzen, nicht friedlich, nicht modisch, nett, Frankfurt ist eine Stadt, wo man an jeder Straßenecke überall und ständig den allgemeinen gesellschaftlichen Widersprüchen begegnet, zumindest, wenn man nicht gleich über sie stolpert, den Widersprüchen, an deren Verschleierung sonst allerorten recht erfolgreich gearbeitet worden ist."
Das "Lexikon des Internationalen Films" schreibt: "Fassbinder stilisiert die Passion seines Helden zu einer virtuos inszenierten Reise durch die Zwielichtzonen einer bundesdeutschen Metropole. Wüste Polemik steht neben poetischer Sensibilität, Kolportage neben literarischen Querverweisen auf Döblin und Schopenhauer; Schockbilder kontrastieren mit sentimentalen Idyllen. Einer der intimsten Fassbinder-Filme, der durch seine radikale Subjektivität aufrüttelt."

In einem Jahr mit 13 Monden
Dienstag 26. Juni 2012 um 02.10 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 1978, 119mn)
ZDF

Erstellt: 31-05-12
Letzte Änderung: 18-06-12