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Stummfilm

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Stummfilm

Montag, 30. Juni 2008 um 23.55 Uhr - 13/04/12

Images Mobiles - Ballet Mécanique

Ein Stummfilm von Fernand Léger und Dudley Murphy (Frankreich, 1924)


"Ballet Mécanique" eröffnet das Programm "Der absolute Film", das 1925 in Berlin uraufgeführt wurde und mittlerweile zu einem Klassiker der Filmavantgarde zählt. Dank der Restaurierungsarbeit internationaler Filmarchive kann dieses Programm zum ersten Mal in seiner Gesamtheit vorgestellt werden. Die Ausstrahlung auf ARTE ist die absolute Fernsehpremiere, für die historische als auch zeitgenössische Musiken neu eingespielt wurden.

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"Ballet Mécanique" ist der einzige Film des Künstlers Fernand Léger, realisiert im Jahr 1924 zusammen mit dem amerikanischen Filmkünstler Dudley Murphy; wobei Léger auch auf fremdes Filmmaterial zurückgreift, das er in neue Zusammenhänge bringt. Seine Logik entwickelt der Film aus der Kommunikation zwischen Natürlichem und Künstlichem, von Mensch und Maschine.

Automatisierte Motoren, sich wiederholende Kreise und Dreiecke beginnen genauso zu tanzen wie leblose Beinprothesen. Innovativ ist der Film auch in Hinblick auf die Selbstreflexion des Mediums, wenn beispielsweise Léger und Murphy mit ihrer Kamera als Spiegelbild in einer Kugel zu erahnen sind: Vom Geschehenen wird abgelenkt und die Illusion offen gelegt. All dies zeichnet "Ballet Mécanique" als ein wichtiges und einflussreiches Werk der europäischen Avantgarde der 20er Jahre aus.

"Ballet Mécanique" ist häufig in kürzeren Schwarz-Weiß-Fassungen zu sehen; ARTE präsentiert die schönste und beste Version des Films, rekonstruiert von "Anthology Film Archives" im Jahr 2001: Ausgangsmaterial ist die viragierte und zum Teil handcolorierte Uraufführungs-Fassung des Films, die so genannte Kiesler-Version aus Wien, wo der Film 1924 seine Weltpremiere hatte. Diese Kopie wurde 1975 von der Witwe Kieslers den "Anthology Film Archives" übergeben. Dazu wurde die Antheil-Musik in Originalbesetzung von 1924 eingespielt und zum Film synchronisiert: es handelt sich um die Fassung für 16 synchronisierte Pianolas, zwei Klaviere, drei Xylophone, vier Bass-Trommeln, sieben elektrische Klingeln, eine Sirene und drei Flugzeugpropeller. Antheils Musik ist um circa 14 Minuten länger als der Film, da Film und Musik weitgehend unabhängig voneinander entstanden; umso bemerkenswerter das Ergebnis dieser Fassung, die unter der Leitung von Paul D. Lehrman in den USA produziert wurde.


Die Regisseure
Fernand Léger (1881 - 1955) arbeitet zunächst als Architekturzeichner. Nach impressionistischen Anfängen schließt er sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Puteaux-Gruppe an, die ideell im Umfeld des Kubismus anzusiedeln ist. Nach seinem Kriegseinsatz in den Jahren 1914 - 1917, dreht er, inspiriert durch die Kriegsmaschinerie, mit Dudley Murphy 1924 den Experimentalfilm "Le Ballet Mécanique". Die Zeit des Zweiten Weltkriegs verbringt Léger in den USA. 1945 kehrt er nach Paris zurück und kreiert neben Gemälden vor allem monumentale Kunstwerke.

Dudley Murphy (1897 - 1968) war sein Leben lang eine der schillerndsten Gestalten der US-amerikanischen Kunst- und Kulturszene. Murphy war ein Multitalent, pendelte zwischen Hollywood, New York, Paris und London, hatte engen Kontakt mit der internationalen Künstler-Avantgarde wie Ezra Pound, Man Ray, Duke Ellington oder Charles Chaplin. Er führte Regie in Bessie Smith's einzigem Film, "St. Louis Blues", war beteiligt an dem legendären Dracula Film von Tod Browning, arbeitete eng mit William Faulkner zusammen und produzierte schließlich Melodramen in Mexiko.

Kurzbiographie des Komponisten
George Antheil (1900 - 1959) schrieb die Musik zu "Ballet Mécanique". Ab 1913 erhielt er Musiktheorie- und Kompositionsunterricht bei Constantin von Sternberg in Philadelphia. 1922 ging der Sohn deutscher Einwanderer als Pianist nach Berlin und siedelte 1923 nach Paris um. 1936 zog es Antheil nach Los Angeles, wo er vornehmlich Filmmusiken komponierte. Ab den 40er Jahren arbeitete Antheil wieder vermehrt an eigenständigen Musikstücken, aber auch weiterhin für Regisseure wie Fritz Lang und Cecil B. DeMille an Filmmusiken. Die Musik zu "Ballet Mécanique" gilt bis heute als die wichtigste Komposition des höchst produktiven Musikers.
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Images Mobiles
Le Ballet Mécanique
Viragierte Fassung, 16 Min.
Stummfilm, Frankreich 1924, ZDF, Erstausstrahlung
Regie: Fernand Léger, Dudley Murphy
Drehbuch: Fernand Léger, Dudley Murphy
Kamera: Dudley Murphy, Man Ray
Musik: Georges Antheil
Produktion: Niederländisches Filmmuseum
Film- und Musikrekonstruktion (2001): Anthology Film Archives / Paul Lehrman, Bruce Posner

Erstellt: 24-06-08
Letzte Änderung: 13-04-12