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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 30. März 2006 - 02/04/06

Im Schwitzkasten

Ein Film von Eoin Moore


Tragikomische Komödie über
Überlebensstrategien in Zeiten von Harz IV

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Deutschland 2005, 97 Min.
Mit Laura Tonke, Steffi Kühnert, Charly Hübner, Christiane Paul, Andreas Schmidt, Edgar Selge

Synopsis: Immer Donnerstags treffen sich der Langzeitarbeitslose Toni (Andreas Schmidt), seine Ex-Frau Karin (Steffi Kühnert), das lebendige Beispiel einer Ich-AG, die ökologisch orientierte, studierte Monika (Laura Tonke), die von der Stütze lebt, die karriereorientierte Stewardess Dani (Esther Zimmering) und Norbert (Edgar Selge), der frustrierte Mann einer Bundestagsabgeordneten in der Sauna. Alle von ihnen besitzen Wünsche, die sich nicht ganz einfach erfüllen lassen.

Kritik: Eoin Moore hat eine Handvoll seiner Lieblingsschauspieler in die Sauna eingeladen und dort mit ihnen munter drauf los improvisiert – mit viel Spaß an der Sache. Auf einem Dutzend loser Seiten hat er dem Kleinen Fernsehspiel beim ZDF sein Projekt präsentiert, das ursprünglich die Idee der Schauspielerin Esther Zimmering war. Er bekam grünes Licht für seinen experimentellen Spielfilm, 640.000 Euro und 20 Drehtage. Gesagt, getan. Entstanden ist ein entspannt leichter, unterhaltsamer Film über eine Zeit, in der viele Deutsche leiden und jammern. Hartz IV, die hohe Arbeitslosigkeit, individuelle Überlebensstrategien sind gefragt. Wie auch in der kleinen Sauna mit dem verheißungsvollen Namen „Schwitzkasten“, die von den Geschwistern Jost (Charly Hübner) und Nadinchen (Christiane Paul) betrieben wird. Jost füllt billigsten Supermarktorangensaft in teure Flaschen aus dem Reformhaus, und preist Havelschlamm als indische Fango-Packung an.

Die sehr gut ausgewählten Schauspieler bilden ein illustres Ensemble an Gästen, denen man gerne zuschaut. Schade nur, dass einige der Charaktere zu sehr überzeichnet sind – etwa die Stewardess Dani und die Ich-AG Karin, sodass man mit ihnen eigentlich nicht mitempfindet. Ganz anders steht es da um die Figur des arbeitslosen Vaters Toni, der seinem kleinen Sohn ein Fahrrad zum Geburtstag klaut und dabei ertappt wird. Andreas Schmidt spielt den trotteligen Loser so charmant, dass man beide Augen zudrücken würde und ihm noch eine Fahrradhupe dazu schenken würde. Clever ist die Wahl des Settings, denn – wie Eoin Moore so schön sagt: „Nackt sind alle gleich“. Angezogen mögen die einzelnen Figuren in anderen Lebenssituationen und anderen Klamotten stecken, aber in der Sauna, da sind sie alle gleich.

Im Schwitzkasten kommt wie ein kleiner, schmutziger Film in digitaler Ästhetik daher. Die Kamera rückt den Darstellern sehr nahe und gearbeitet wird fast vollständig ohne Kunstlicht. Kontrastiv zu seinem letzten Film, dem Drama Pigs will fly gönnt der irischstämmige Regisseur den meisten seiner Figuren diesmal ein Happy End. Und das ausgerechnet in den harten Zeiten von Hartz IV.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 28-03-06
Letzte Änderung: 02-04-06