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Die Apokalypse

Nach "Corpus Christi" und "Die Geburt des Christentums" setzen Gérard Mordillat und Jérôme Prieur ihre historische Forschungsreise durch das Neue Testament fort. Dessen letztes Buch, die Offenbarung des Evangelisten Johannes, wird auch "Die Apokalypse" genannt. Die Reihe beschreibt die Entwicklung des Christentums im Römischen Reich zwischen dem ersten und fünften Jahrhundert nach Christus und macht nachvollziehbar, warum das Christentum von einer kleinen jüdischen Sekte zur Staatsreligion des Römischen Reiches avancieren konnte.

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Die Apokalypse

Nach "Corpus Christi" und "Die Geburt des Christentums" setzen Gérard Mordillat und Jérôme Prieur ihre historische Forschungsreise durch das Neue Testament (...)

Die Apokalypse

3. bis 20. Dezember 2008 Samstags und Mittwochs um 21.00 Uhr - 16/12/08

Die Apokalypse - Im Gespräch mit den Regisseuren

In einem Interview, das für den Bonusteil der DVD "Die Apokalypse" aufgezeichnet wurde, sprechen die beiden Filmemacher Gérard Mordillat und Jérôme Prieur über fünfzehn Jahre gemeinsame Bibelrecherchen.

„Das Geheimnis der Texte“


Jérôme Prieur - Die ganze Arbeit, die ja mit ""Corpus Christi" begonnen hat, entstand eigentlich ganz zufällig: Gérard Mordillat und ich schrieben gerade das Drehbuch für einen Spielfilm über das Turiner Grabtuch. Der Film wurde zwar nicht gedreht, doch unser Interesse an dem Thema war geweckt. Aus Neugier forschten wir weiter und fingen an, uns Fragen zu den Unterschieden und Widersprüchen zwischen den vier Evangelien zu stellen. Vor allem fragten wir uns, warum die Texte des Neuen Testaments nicht in Hebräisch oder Aramäisch, der Sprache Jesu, geschrieben worden waren, sondern in Griechisch... Als unser Freund und Produzent hörte, wie wir aus rein persönlichem Interesse über diese Fragen diskutierten, schlug er uns vor, doch einen Dokumentarfilm darüber zu machen. Aus diesem Dokumentarfilm sind dann, dank ARTE und Archipel 33, drei lange Dokumentationsreihen entstanden, die in ihrer Art einmalig sein dürften.

Gérard Mordillat - Von der Idee zu "Corpus Christi" bis zur Realisierung der Dokumentationsreihe gingen jedoch einige Jahre ins Land. Nicht nur weil wir viele Bücher lesen mussten, sondern auch weil unsere ersten Treffen mit Wissenschaftlern und Experten eine Katastrophe waren. Wir waren mit Feuereifer bei der Sache, aber absolut unwissend! Uns wurde klar, dass wir uns Zeit nehmen mussten, das Geheimnis der Texte zu ergründen und uns mit der Komplexität der Fragen vertraut zu machen.

Jérôme Prieur - Wir haben verstanden, dass das Geheimnis des Erfolgs im Lesen lag. Ein oder zwei Jahre lang haben wir deshalb einfach nur gelesen; wir saßen uns gegenüber, stellten uns gegenseitig Fragen und versuchten so, die Texte zu erfassen.

Besonders faszinierend ist es, zu sehen, unter welchen soziologischen, politischen, theologischen und intellektuellen Bedingungen innerhalb von drei Jahrhunderten eine Religion entstand, in der wir – ob wir das wollen oder nicht – noch heute leben.
Gérard Mordillat - Mit jedem Tag, an dem wir zusammen über den Texten saßen, begriffen wir ein wenig mehr, was Lesen wirklich bedeutet. Denn wie wir in unserem ersten Essay Jésus après Jésus erklärt haben, sind diese Texte ein reines Minenfeld: Hinter jedem Wort verbergen sich Fallen, Geschichten, Entdeckungen, Vermutungen..

Jérôme Prieur - Besonders faszinierend ist es, ein wenig wie Gulliver die Ereignisse von oben, aus der Ferne zu betrachten, die Erfindung einer Religion mitzuerleben, wie diese eine Sonderform des Judentums war und wie sie sich nach und nach mit einem gewaltsamen Bruch aufspaltet; zu sehen, unter welchen soziologischen, politischen, theologischen und intellektuellen Bedingungen innerhalb von drei Jahrhunderten eine Religion entstand, in der wir – ob wir das wollen oder nicht – noch heute leben.

Gérard Mordillat - Während der ganzen Vorbereitung zur letzten Reihe "Die Apokalypse" habe ich mich besonders intensiv mit dem Text der Offenbarung des Johannes befasst: mit seiner Entstehung, seiner Bedeutung und seiner Stellung innerhalb des Kanons. Jérôme Prieur hingegen interessierte sich mehr für den historischen Aspekt, für die Beziehung der Christen zu Rom, von Konstantin zu Theodosius, und allgemein für alles, was im Römischen Reich geschah, nachdem der Kaiser Christ geworden war. So erforschte jeder, was ihn interessierte bis irgendwann der Eine dem Anderen erzählte, was er herausgefunden hatte.

Jérôme Prieur - Wir sind vielleicht Autodidakten auf dem Gebiet der Exegese oder der Antikenrezeption, aber wir haben doch schon ein ganz beachtliches Wissen angesammelt, denn immerhin arbeiten wir beide jeweils seit 15 Jahren an diesen Fragen!

„Ode an den Zweifel“


Gérard Mordillat - Die Auswahl der Wissenschaftler ist sehr wichtig. Wir legen keine Quoten fest – soundso viele Katholiken, Protestanten, Juden und Agnostiker... – sondern gehen ausgehend von dem, was wir gelesen haben, auf die Leute zu. Doch damit unseren Gesprächspartnern die schwierige Übung gelingt, die wir ihnen abverlangen, also laut nachzudenken, dürfen sie keine Angst haben, laut eher über ihre Zweifel als über ihre Gewissheiten zu sprechen...

Jérôme Prieur - Es gibt eine „Kunst des Porträts“, die für uns sowohl in filmischer als auch in intellektueller Hinsicht wichtig ist. Neben den Porträts der Wisschenschaftler – rund fünfzig haben bei "Die Apokalypse" mitgewirkt, also doppelt so viel wie bei den beiden vorhergehenden Dokumentationsreihen – gibt es „die Landschaften“, wir wie sie nennen. Dabei handelt es sich nicht um angebliche Originalschauplätze oder um Sonnenuntergänge im Heiligen Land, sondern um die Texte selbst, Manuskripte und Bücher. Denn neben den Wissenschaftlern können wir lediglich die Texte zeigen. Manche davon sind reine Forschungswerkzeuge, andere dagegen wahre Meisterwerke. Ich werde nie den Augenblick vergessen, als wir in der Genfer Bodmer-Stiftung zum ersten Mal den Bodmer-Papyrus sahen. Es handelt sich um ein kleines Buch in der Größe eines Taschenbuchs in einer kleinen Schachtel: Darin befinden sich die Blätter mit der ältesten handschriftlichen Kopie eines fast vollständigen Exemplars des Johannes-Evangeliums aus der Mitte des 2. Jahrhunderts nach Christus. Man hört noch die Feder, wie sie die Tinte auf den Papyrus aufträgt... Es war ungeheuer beeindruckend. Man kann nur tiefe Verbundenheit mit all diesen Autoren der Antike empfinden. Das sind unsere „Landschaften“. Keine Gemälde, keine nachgestellten Szenen... Nicht aus Nüchternheit, sondern ganz einfach deshalb, weil es vor dem 4. Jahrhundert keinerlei christliche Darstellungen gab. Mit dieser Tatsache mussten wir uns abfinden.

Einige Kritiker haben geschrieben, dass wir Hörspiele vor schwarzem Hintergrund machen würden und keine Filme.

Gérard Mordillat - Einige Kritiker haben geschrieben, dass wir Hörspiele vor schwarzem Hintergrund machen würden und keine Filme. Ich persönlich kann darüber nur lachen. Denn die Bilder, die wir produzieren, sind in Wirklichkeit sehr subtil. Da in unseren Filmen nur Wissenschaftler und Texte zu sehen sind, erfordert die Aufnahmetechnik sehr viel Können, genauso viel wie bei einem Spielfilm.

Jérôme Prieur - Ein Kritiker hat einmal einen sehr schönen Satz über unsere Filmarbeit geschrieben: Er bezeichnete sie als „minimalistische Produktion der Superlative“. Und in der Tat sind die Vorbereitungen und Dreharbeiten ein ungeheurer Arbeitsaufwand. Außerdem achten wir auch ganz besonders auf den Ton, die Untertitel und auf die Aufmerksamkeit, die wir dem Zuschauer abverlangen.

Gérard Mordillat - Anfangs haben wir uns drei dramaturgische Ziele gesteckt: Erstens die Geschichte erzählen. Denn viele, die die Geschichte zu kennen scheinen, kennen sie in Wirklichkeit eben nicht. Auch wir selbst wussten vieles nicht. Und dann, während wir die Geschichte erzählen, geben wir dem Zuschauer Elemente, die es ihm ermöglichen, die Geschichte besser zu verstehen und zu schätzen, die Feinheiten und die Vielschichtigkeit zu spüren und die Sackgassen, in die manche Interpretationen führen, mitzuerleben. Und drittens: die Spannung aufrecht erhalten. Das heißt dafür sorgen, dass am Ende stets eine offene Frage steht. Denn es wäre sinnlos, mit der Feststellung zu enden: So ist es und nicht anders. Ich glaube, unsere Arbeit ist letzten Endes eine „Ode an den Zweifel“.

Jérôme Prieur - Mit unseren Porträts wollten wir im Grunde eine Art Bestandsaufnahme der weltweiten Forschung zu Beginn des 21. Jahrhunderts machen. Dabei geht es um Fragen, die bis heute sehr aktuell sind. Außerdem wollten wir zeigen, dass Wissenschaft «heiter» und Fernsehen intelligent sein kann und dass viele Menschen ein starkes Bedürfnis nach solch einem intelligenten Fernsehen verspüren, nach einer Beziehung zu Kreativität und Forschung...

Gérard Mordillat - Wenn man eines Tages die 34 Stunden von "Corpus Christi" bis zur letzten Folge von "Die Apokalypse" an einem Stück anschauen kann, wird man einen hervorragenden, außergewöhnlichen Überblick über die neutestamentarische Forschung der letzten 15 Jahre erhalten. Die biblischen Forscher sind wirklich die letzten großen Leser unserer Zeit; sie setzen sich lange mit jedem Wort auseinander und vertiefen ihre Lektüre immer mehr, bis ihnen fast schwindlig wird. Letzten Endes geht es darum, zu lesen und noch mal zu lesen und jedes Mal ein wenig mehr zu verstehen.


Das Gespräch führte Isabelle Rabineau.
2-teilige Dokumentation von Gérard Mordillat und Jérôme Prieur
Eine ARTE France-Koproduktion, ARCHIPEL 33
Mit Unterstüzung der Région Ile-de-France
(2008 - 12 x 52 min)

Erstellt: 07-11-08
Letzte Änderung: 16-12-08