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Kino auf ARTE - 28/11/11

Il Divo - Der Göttliche

(Il Divo)
Spielfilm, Italien 2008, ARTE F
Regie: Paolo Sorrentino; Buch: Paolo Sorrentino; Kamera: Luca Bigazzi; Schnitt: Cristiano Travaglioli; Musik: Teho Teardo; Produzent: Francesca Cima, Nicola Giuliano, Andrea Occhipinti, Fabio Conversi, Maurizio Coppolecchia; Produktion: Babe Films, Studio Canal, Arte France Cinéma, Indigo, Lucky Red, Parco Film
Mit: Toni Servillo - (Giulio Andreotti), Anna Bonaiuto - (Livia Danese), Piera Degli Espositi - (Signora Enea), Paolo Graziosi - (Aldo Moro), Giulio Bosetti - (Eugenio Scalfari), Flavio Bucci - (Franco Evangelisti), Carlo Buccirosso - (Paolo Cirino Pomicino), Alberto Cracco - (Don Mario), Giorgio Colangeli - (Salvo Lima)

Wie kaum ein anderer Staatsmann hat Giulio Andreotti das politische Italien der Nachkriegszeit geprägt. In insgesamt 33 Kabinetten bekleidete er verschiedene Posten und übernahm siebenmal selbst das Amt des Ministerpräsidenten. Doch trotz, oder gerade wegen seines beispiellosen politischen Einflusses werden Andreotti immer wieder Verbindungen zur Mafia nachgesagt ...



In seinem Leben hatte Giulio Andreotti schon zahlreiche Spitznamen: die Sphinx, der Bucklige oder das Rätsel. Am treffendsten scheint jedoch "Il Divo", der Göttliche, eine Bezeichnung, die sowohl seinem Einfluss auf das politische Italien als auch seiner scheinbaren Unantastbarkeit gerecht wird. Wie kein anderer hat er das politische Italien geprägt, war an 33 Regierungen beteiligt und selbst sieben Mal Ministerpräsident.
Dabei wirkt der Politiker der katholischen Volkspartei "Democrazia Christiana" eher unscheinbar. Er ist klein, bucklig und wahrt selbst gegenüber seinen engsten Vertrauten große Distanz. Doch wenn es um Politik geht, ist Andreotti jedes Mittel recht. So weigerte er sich, mit den kommunistischen Roten Brigaden zu verhandeln, welche 1978 den damaligen Ministerpräsidenten Aldo Moro entführt und anschließend ermordet haben.
Noch heute werfen manche Andreotti vor, er habe den Tod Moros in Kauf genommen, um seine eigene Macht im Parlament zu festigen. Schon immer bewegte sich der Politiker auf einem schmalen Grat zwischen Recht und Unrecht, zwischen Moral und Verbrechen. Wiederholt werden ihm Verbindungen zur Unterwelt, zur italienischen Mafia, vorgeworfen, doch jedes Mal wird er freigesprochen. Bis heute bleibt Andreotti undurchschaubar.

Der italienische Journalist Indro Montanelli warf einst die Frage auf, ob Andreotti der gerissenste Verbrecher des Landes sei, da er immer davonzukommen scheine, oder der am meisten verfolgte Mann in der Geschichte Italiens. Diese Frage scheint "Il Divo - Der Göttliche" definitiv zu beantworten, präsentiert der Film doch Treffen zwischen dem Staatsmann und hohen Mafiabossen als Fakt. Tatsache bleibt jedoch, dass Andreotti bis heute stets nach der Devise "Im Zweifel für den Angeklagten" freigesprochen wurde und ihm eine juristische Verfehlung nie eindeutig nachzuweisen war.
Den Anspruch, eine absolute Wahrheit zu präsentieren, erhebt Autor und Regisseur Paolo Sorrentino allerdings auch gar nicht. Sorrentino folgt bei seiner bildgewaltigen Inszenierung treu seinem Anspruch, dass "ein einziges Bild, wenn es gut und ausgewogen konstruiert ist, mehr sagen und bewegen kann als zehn Seiten Dialog." Durch schnelle Montagen, irrwitzige Kamerafahrten und den prominenten Einsatz von Popmusik (unter anderem "Da da da" der deutschen Gruppe "Trio") wird die italienische Politik zur Farce stilisiert, zum Zirkus, bei dem jeder seine Rolle zu spielen hat. Andreottis Part bei diesem politischen Ränkespiel ist jener des absolutistischen Fürsten, der unantastbar über allem steht und die Macht um der Macht willen ausübt. Andreotti selbst erwehrt sich dieser Darstellung bis heute vehement und bezeichnet den Film selbst als "Schurkenstreich".
"Il Divo - Der Göttliche" wurde in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet und erhielt auch in seiner Heimat zahlreiche Filmpreise. Die detailgetreue Verwandlung des Hauptdarstellers Toni Servillo in Giulio Andreotti brachte dem Film zudem eine Oscarnominierung für das beste Make-up ein.

Il Divo - Der Göttliche
Montag 12. Dezember 2011 um 14.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Italien, 2008, 112mn)
ARTE F

Erstellt: 21-11-11
Letzte Änderung: 28-11-11