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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 23. Februar 2006 - 11/08/08

Ich und Du, und alle, die wir kennen

Ein Film von Miranda July


Anmutiger, leicht surrealistischer Episodenfilm
über die Poesie der Alltäglichkeit

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USA/Großbritannien 2005, 90 Min.
Buch und Regie: Miranda July
Mit: John Hawkes, Miranda July, Ellen Geer, Brad William

Synopsis: Christine ist eine phantasievolle, aber mittellose Künstlerin, die nebenbei jobbt. Schuhverkäufer Richard ist ein Phantast, der auf etwas ganz Großes in seinem kleinen Leben wartet. Eigentlich wären sie das ideale Paar, wenn da nicht Richards Scheidung und seine beiden Kinder wären. Diese entdecken in der Zwischenzeit die Sexualität für sich...

Kritik: Eine Szene bleibt einem unweigerlich im Gedächtnis, denn sie besitzt einen hervorragenden Dialog. Christine hat gerade eben den Schuhverkäufer Richard kennen gelernt, und hat sich sofort in ihn verliebt. Gemeinsam laufen sie zu ihren Autos, bis sie sich trennen müssen, da sie nicht in der gleichen Strasse geparkt haben. Den Weg dorthin, die Strassen, die sie kreuzen, beschreiben sie als ihr gemeinsames Leben. Ein federleichter Dialog zwischen zwei Menschen, die sich spielerisch annähern. Die soviel gemeinsam haben, dass Richard blanke Panik überfällt, als Christine zu ihm ins Auto steigen will. Soweit ist er noch nicht, noch hat er seine alte, kaputte Liebe zu verkraften. „Was, wenn ich ein Kindermörder bin?“ raunzt er sie an. „Das würde der Sache einen Dämpfer verpassen,“ meint sie – etwas geknickt.

Die Drehbuchautorin und Regisseurin lässt ihre Figuren viele komische Sachen sagen und tun, das ist die Stärke dieses Films. Miranda July hat bisher als Videokünstlerin gearbeitet, Ich und Du, und alle, die wir kennen ist ihr Debütfilm. Auch durch die dichte Soundcollage, mit der sie ihr Werk umwebt, gelingt es ihr, eine ganz eigene kleine Welt zu schaffen, ihren „July-Kosmos.“ July selbst hat die Rolle der Christine übernommen, die mit dem Kunstbetrieb hadert, der sich ihr vor allem von seiner prätentiösen, unzugänglichen Seite präsentiert. Mit einem Seitenhieb karikiert sie das alberne Gehabe der Kuratorin, die Christines Videotape ablehnt, als diese es ihr direkt in die Hand drücken will. Sie soll es per Post schicken, sagt diese, fast angewidert. „Aber ich stehe doch vor ihnen,“ flüstert Christine, die sich wie durchsichtig fühlt. Ein andermal sucht Christine mit Richard einen passenden Platz für ein Gemälde mit einem Vogel, das dieser nicht in seiner Wohnung haben will, als ihn Christine besucht. Sie überrascht Richard dabei, als dieser es in einer Hecke verstecken will und findet einen geeigneten Platz für das „Kunstwerk“: sie hängen es in einen Baum.

Ich und Du, und alle, die wir kennen geht so selbstverständlich mit jugendlicher Sexualität um, wie man es schon lange nicht mehr in einem Film gesehen hat. Das hat nichts Provokatives wie in den Filmen Larry Clarks oder Todd Solondzs, es wirkt völlig normal und unverkrampft. Während der siebenjährige Sohn Richards seine ersten Erfahrungen im Internetchat findet, wird sein doppelt so alter Bruder von zwei Mädchen aus seiner Klasse für erste Trainingsstunden in Sachen Sex auserkoren. Er soll ihnen sagen, wer von den beiden besser bläst, natürlich muss er dieses Spektakel mit verbundenen Augen genießen...

„Ich bin bereit für erstaunliche Ereignisse, ich kann damit umgehen,“ sagt Richard, während er seine Schuhkartons sortiert. Am Anfang des Films verbrennt er sich die Hand mit Benzin, um „sein Leben zu retten,“ wie er selbst sagt, aber auch um aufzufallen, um seine Kids einmal für fünf Minuten von ihren Computerspielen abzulenken. Am Ende des Films hat er Christine kennen gelernt, gemeinsam geben sie ihrem Alltag Poesie, Liebe und Fantasie. Das Leben ist gerettet.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 20-02-06
Letzte Änderung: 11-08-08