Cannes 2005 - Un certain regard - 13/05/05
Hwal/ The bow
Ein Film von Kim Ki-Duk
Liebe kennt keine Moral
– und kein Alter
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Korea 2005, 120 Min.
Mit: Yeo-reum Han, Sung-hwan Jeon, Ji-seok Seo
Un Certain Regard
Synopsis: Mit sechs Jahren hat der alte Mann das kleine Mädchen bei sich auf dem großen Fischerboot aufgenommen. Jetzt ist sie 16. Mit 17 will er sie heiraten, denn er liebt sie und will sie ganz besitzen. Doch Sie verliebt sich in einen jungen Studenten, der zum Fischen aufs Boot kommt. Die Eifersucht des alten Mannes kennt keine Grenzen...
Kritik: Kim Ki-Duk ist bekannt für seine Filme, die jenseits jeglicher Beziehungsmoral angesiedelt sind. In BAD GUY (2002) verschleppte ein Zuhälter ein ganz normales Schulmädchen in ein Bordell. Am Ende hasste sie ihn nicht wie man das erwarten würde, sondern sie liebte ihn und wollte nicht mehr ohne ihn leben. Auch in Hwal/ The bow erzählt der koreanische Regisseur von einer Zweierbeziehung, über die fast jeder den Kopf schütteln würde. Mit minimalen Dialogen vermittelt Kim Ki-Duk eine komplexe Vorstellung der gegenseitigen Abhängigkeiten eines Paares. Der alte Mann und das Mädchen sind ein eingespieltes Team, die über die Jahre auf dem einsamen Boot zusammen gewachsen sind. Ihre Jugendlichkeit und ihr Lächeln schenkt ihm die Kraft zu leben, ohne sie wäre er nicht mehr.
Der titelgebende Bogen ist Instrument und Waffe zugleich. Der Alte entlockt ihm wunderschöne Klänge, aber wenn er eifersüchtig wird, schießt er mit demselben Bogen scharfe Pfeile auf seine männlichen Konkurrenten. Kim Ki-Duk gelingt es, in einem absolut reduzierten Ambiente (ein Schiff, ein Boot) und mit wenigen Requisiten (rote Schuhe zur Hochzeit, Hochzeitsgewand, ein Kalender, auf dem die Tage abgehakt werden, und natürlich: der Bogen mit seinen Pfeilen) eine üppige Welt der Gefühle und Lüste zu erwecken. Erstaunlich dabei ist, dass er einen absolut sinnlichen Film gedreht hat, in dem kaum nacktes Fleisch und keine einzige Liebesszene zu sehen sind.
Wie immer in seinen Filmen bezieht sich Kim Ki-Duk auf Symbole, die bisweilen ein wenig zu deutlich ausfallen. Da legt sich etwa der alte Mann das Tau um den Hals, das an das Boot geknotet ist, mit dem das Mädchen und der Student Richtung Festland fahren wollen. Sie merkt es, und hackt das Seil brutal mit einem Beil durch, als wolle sie damit jegliche Beziehung zu ihm kappen. Als der alte Mann beschließt, sie sei jetzt erwachsen, sägt er die Beine des Stockbettes ab und stellt das Bett neben seines, einem Ehebett gleich. Das beste Symbol ist natürlich der Bogen, der die ganze Gefühlspalette des Films in sich aufnimmt: ihm kann man zärtliche Musik entlocken, er kann aber genauso gut zum drohenden Mordinstrument werden. Kim Ki-Duk zu seiner Intention, Hwal/ The bow zu drehen: „Wir alle haben alle versteckte Sehnsüchte und Hoffnungen, die in diesen Zeiten nicht ausgedrückt werden können. Ich wollte zeigen, wie hinterhältig, großzügig, schön, traurig und glücklich diese sein können, wenn sie befreit werden. Wie ein Bogen möchte ich gespannt leben bis ich sterbe.“
Nana A.T. Rebhan
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Hwal/ The bow
Ein Film von Kim Ki-Duk
Korea 2005, 120 Min.
Mit: Yeo-reum Han, Sung-hwan Jeon, Ji-seok Seo
Un Certain Regard
Erstellt: 13-05-05
Letzte Änderung: 13-05-05