Regie: Zhang Yimou
Mit Zhang Ziyi, Takeshi Kaneshiro, Andy Lau, Song Dandan
Offizieller Wettbewerbsbeitrag Außer Konkurrenz
Kritik: Der chinesische Regisseur, Co-Autor und Produzent Zhang Yimou knüpft nach seinem letztjährigen Kassenerfolg HERO an das erfolgreiche Genre des ‚wuxia’-Films an. Im üblichen Sinne versteht man darunter einen Martial Arts Film, doch das ist Zhang Yimou nicht genug. Er etabliert seine ganz eigene Version des ‚wuxia’ und reichert die Geschichte um ein romantisches Melodram an. Mit seiner Hauptfigur Mei hat er ein Mädchen erschaffen, das zwar blind ist, aber dennoch kämpfen kann wie kaum ein Mann. Dabei ist sie außerdem von bezaubernder Schönheit, sie weiss zu tanzen und den Männern den Kopf zu verdrehen. Zhang Ziyi – die auch schon in HERO die weibliche Hauptrolle spielte – verkörpert Mei und stiehlt dabei den beiden Superstars Asiens Andy Lau als Captain Leo und Takeshi Kaneshiro als Captain Jin fast die Show.
Die Tatsache, dass mit Mei eine kämpfende Frau im Zentrum der Geschichte steht und auch die Liebesgeschichte zwischen ihr und Captain Jin nicht zu kurz kommt könnte durchaus dazu führen, dass HOUSE OF FLYING DAGGERS auch ein zahlreiches weibliches Publikum ins Kino führen könnte.
Gleich zu Beginn verzaubert der Film mit der Einlage eines speziellen Tanzes von Mei, der so atemberaubend ist, dass es in der Pressevorführung zu spontanem Szenenapplaus führte. Mei tanzt in prachtvollen bunten Gewändern umringt von einer Schar anderer Mädchen in farbenfroher Tracht, die einen Bollywoodfilm erblassen lassen. Viele der Kampfszenen sind extrem aufwendig gestaltet, etwa die Szene im Bambuswald, in der Mei und Jin versuchen zu fliehen und von Bäumen herab von Dutzenden von Kriegern beschossen werden. Zahlreiche gelungene 3D-Effekte sorgen für staunende Zuschauer.
Bisweilen ärgerlich ist es allerdings, dass der Film ständig mit neuen Wendungen und Geheimnissen konfrontiert, die man beim besten Willen nicht erahnen konnte. Dieses ‚nichts ist wie es scheint’ wird dann bisweilen so dominant, dass es fast zu nerven beginnt. Doch die letzte Szene versöhnt, in der ein finaler Kampf (um wen wird hier nicht verraten) so lange dauert, dass es mittendrin auf einmal zu schneien beginnt. Dies ist nicht – wie man vielleicht glauben mag – ein aufwendiger digitaler Effekt, sondern ein vorzeitiger real geschehener Schneeeinbruch. Zhang Yimou machte das Beste aus der aussichtslosen Situation. Er baute den Schnee einfach in seine Szene mit ein – und erreichte damit ein magisch schönes Schlussbild.
Nana A.T. Rebhan






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