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US-Wahlen 2008

Programmschwerpunkt. Entdecken Sie unsere New York Chroniken. Big Apple einmal anders. Und: Wie gut kennen Sie wirklich das US-amerikanische Wahlsystem?

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US-Wahlen 2008

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US-Wahlen 2008

24/02/09

Mit Hip Hop ins Weiße Haus

Wenn es nach der schwarzen Hip-Hop-Szene geht, hat Präsidentschaftskandidat Barack Obama die Wahl schon gewonnen.

Gelassen wischt sich Barack Obama den imaginären Staub von der Schulter. Eine Geste, die Kennern bestens bekannt ist – von US-Rapper Jay-Z, der damit seine Überlegenheit gegenüber anderen zur Schau stellt. Der Demokrat Obama demonstriert mit dieser Geste nach einer Wahlkampfrede nicht nur, dass seine innerparteiliche Konkurrentin Hillary Clinton kein Hindernis für ihn auf dem Weg zum US-Präsidentenamt darstellt, sondern bekundet auch seine Sympathie für die amerikanische Hip-Hop-Gemeinde – eine beliebte Zielgruppe.

Buchtipps
(in englischer Sprache)

  • „Losing the Race: Selfsabotage in Black America“
    John McWorther
    Harper Perennial 2001

  • „All about the Beat: Why Hip-Hop Can't Save Black America“
    John McWorther
    Gotham 2008
Das ist nicht die einzige Geste Obamas, die ihn mit dieser Musikszene in Verbindung bringt. Auf einer Wahlkampfparty ließ er das Lied "99 Problems" von Jay-Z auflegen. „Ich habe 99 Probleme, doch eine Frau ist keines davon.“ Barack Obama kann damit viele junge Wähler begeistern, aber er verschreckt auch Wählergruppen, auf deren Stimmen er ebenso angewiesen ist und die es unpassend finden, dass ein Präsidentschaftsanwärter mit der Hip-Hop-Gemeinde liebäugelt. Viele Rap-Songs gelten als oberflächlich und spielen mit frauenfeindlichen Klischees, was kein gutes Licht auf den Präsidentschaftskandidaten wirft. Das Image der Rapper, mit dem Obama sich schmückt, könnte ihm also durchaus auch schaden. Doch von Vorwürfen solcher Art distanzierte er sich: Rapper wie Jay-Z und Ludacris seien talentierte Künstler, die Inhalte mancher ihrer Songs dagegen nicht haltbar. Trotzdem bekennt er offen, Musik von Jay-Z zu hören.

Wie keinem anderen Präsidentschaftskandidaten gelingt es ihm so, die Balance zwischen Sympathie-Kundgebung und angemessener Distanz zur Hip-Hop-Szene zu halten. Damit hat er eine Wählergruppe im Visier, die als nur schwer erreichbar gilt: junge Afroamerikaner. Ihnen fehlte bisher ein Idol, das wie Obama ihren politischen Idealen entspricht.

Obama hat die freie Wahl bei Unterstützern aus der Musikbranche

Der renommierte afroamerikanische Schriftsteller John McWorther bezweifelte bis vor kurzem noch, dass Obamas Annäherungen an die Hip-Hop-Gemeinde etwas in der Politik bewirken könnten. Bevor der Hype um den schwarzen Politiker begann, hat McWorther sein Buch „All about the Beat: Why Hip-Hop Can't Save Black America“ (Alles liegt im Beat: Warum Hip-Hop das schwarze Amerika nicht retten kann) veröffentlicht. Beliebt hat er sich dadurch in der Szene nicht gemacht, besonders, seitdem Obama vom liberalen Magazin „American Prospect“ zum „Hip-Hop-Kandidaten“ gekürt wurde. Inzwischen scheint McWorther umzuschwenken, denn er gilt nun als Unterstützer Obamas. Was ihn umgestimmt hat, ist die Fähigkeit des demokratischen Kandidaten, junge schwarze Wähler für Politik begeistern zu können.

Barack Obama hat die freie Wahl bei den Unterstützern aus der Musikbranche. Auch Stevie Wonder, Will Smith und Usher setzen sich für ihn ein. Sein republikanischer Kontrahent John McCain hat hingegen Schwierigkeiten, international bekannte Künstler zu finden, deren Musik er auf Wahlkampfveranstaltungen spielen darf. So erlaubte US-Sänger Tom Petty es nicht, dass McCain seinen Song „I Won’t Back Down“ spielt.

Währenddessen inspirierte Obamas Wahlkampfslogan „Yes We Can“ Black Eyed Peas-Star Will.I.Am zu einem gleichnamigen Lied. Bis zuletzt ist es Obama gelungen, mit dieser Kampagne an Ansehen zu gewinnen und auch diejenigen potenziellen Wähler zu begeistern, die sich nicht mit der Hip-Hop-Szene identifizieren können. Am 4. November wird sich zeigen, ob Obama mit seiner Strategie erfolgreich sein wird.

Christine Fuchs


Erstellt: 09-09-08
Letzte Änderung: 24-02-09