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28/04/2009 - Experimental - 28/04/09

Hildur Gudnadottir - "Without Sinking“

Hildur Gudnadottir kommt aus Island und ist eine klassisch ausgebildete Cellistin. Aufmerksamkeit hat sie erregt durch ihre Kollaborationen mit der Experimentalpopband Múm sowie den Electroweirdos Pan Sonic. Mit „Without Sinking“ hat sie nun ihr zweites Soloalbum vorgelegt, das sich erneut einer jeden musikalischen Kategorisierung entzieht.

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Hildur Gudnadottir
Without Sinking
Offizielle Website
Label : Touch
Vielleicht ist es in der naturgewaltigen Landschaft, vielleicht in der Kultur der spärlich besiedelten Insel begründet, dass es in Island eine solch aktive und originäre Musikkultur gibt. Es lässt sich jedoch schwerlich zuordnen, woher diese Quelle an nicht versiegen wollender Kreativität rührt. Die Isländerin Hildur Gudnadottir hat ihrem Heimatland nun erstmals den Rücken gekehrt und lebt zwischenzeitlich in Berlin. Und aufgrund ihrer zahlreichen Engagements für Tourneen und Studiosessions, wie unter anderem für Nico Muhly, Animal Collective und Throbbing Gristle, ist die Cellistin sehr viel mit dem Flugzeug unterwegs. Inspiriert von Wolkendecken, die man vom Flieger aus sehen kann, hat sie nun ihr zweites Soloalbum „Without Sinking“ produziert. „Mit meinen Kompositionen wollte ich ein himmel- und wolkenähnliches Gefühl schaffen. Ich wollte einen offenen Raum für einzelne Noten kreieren und sie atmen lassen, wie vereinzelte Wolken an einem blauen Himmel.“ Bereits beim Eröffnungsstück verdichtet Gudnadottir mit Hilfe von Overdubs ihr Cellospiel zu einem atmosphärischen Teppich, aus dem sich im weiteren Verlauf eine filigrane Melodie zum Leitmotiv herausschält. Die Kompositionen sind für jeden Hörer leicht zugänglich, sobald man sich jedoch intensiver mit ihnen befasst, tritt die volle Komplexität im Arrangement sowie dem ausdrucksstarken Spiel hervor. Gudnadottir gelingt es eine eigenwillige Spannung zu schaffen, indem sie virtuos die getragenen und gegenläufigen Melodien mit ambientartigen Streicherarrangements paart, und sie vereinzelt für einen kurzen Moment in einen Dialog treten lässt. Es ist die Auslassung, die Aussparung, oder vielmehr der Raum den Gudnadottir dadurch zwischen den Noten schafft, ohne sie völlig isoliert voneinander zu arrangieren. „Without Sinking“ ist ein außergewöhnliches Albumprojekt, auf dem die Isländerin Cello und Zither spielt und mit ihrer Stimme experimentiert, die stark verfremdet, nicht als solche erkennbar ist. Neben dem Klarinettisten Gudni Franzson und dem Bassisten Skuli Sverrisson, ist als weiterer Gastmusiker Johann Johannsson an der Orgel zu hören.

Der Ausnahmecellistin Hildur Gudnadottir ist ein großartiges zweites Soloalbum gelungen, das aufgrund seiner faszinierenden Stimmung aus aktuellen Produktionen heraussticht, egal ob es sich dabei um Veröffentlichungen im Bereich der Klassik, Pop, Jazz oder Experimentalmusik handelt. Musiker wie Gudnadottir sind rar geworden, die mit solch einer Konsequenz ihre künstlerischen Visionen verfolgen und Labels für ihre Ideen begeistern können. „Without Sinking“ macht Mut, weiterhin in anderen Bereichen zu stöbern und über die Masse konventioneller Musikprodukte hinauszublicken, um solch großartige Musiker wie Hildur Gudnadottir zu entdecken.

Matthias Schneider

Erstellt: 21-10-08
Letzte Änderung: 28-04-09