Das Vokabular, mit dem die aktuelle Finanzkrise beschrieben wird, kommt vielen Laien wie Chinesisch vor. Wir erläutern Ihnen hier die wichtigsten Begriffe, die Sie kennen sollten. Aus dem Glossar der Wirtschaftswoche.
Bonität
Bezeichnet die Kreditwürdigkeit sowohl eines privaten Kreditnehmers wie die eines Unternehmens, dessen Qualität die (->) Ratingagenturen bewerten.
Geldmarkt
Geld kaufen, wie auf einem Markt, klingt zunächst paradox. Der Geldmarkt ist auch eher ein Basar, auf dem sich Banken gegenseitig Geld leihen. Weil sich wegen der faulen Häuserkredite die Banken gegenseitig misstrauten, konnten einige ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Mit billigen Krediten in Höhe von mehreren Hundert Milliarden Euro halfen die staatlich finanzierten Notenbanken aus, denen mit diesen Billigkrediten Gewinne entgehen. Den Staat wiederum finanzieren Sie als Steuerzahler. Sie zahlen also für den Schaden.
Hedgefonds
Sie sammeln das Geld privater Investoren ein und leihen sich zusätzlich welches bei Banken, um ihren Geschäften nachzugehen. „Hedgen“ bedeutet eigentlich absichern. Ziel war es ursprünglich, Risiken abzusichern. Die rund 9000 Hedgefonds weltweit kaufen jedoch vor allem Wertpapiere, Aktien, und auch (->) CDOs. Sie können aber auch mit Rindfleisch oder Devisen aus touristisch unerschlossenen Ländern
spekulieren. Internationale Hedgefonds unterliegen keinen Richtlinien. In der Tat handeln sie hochriskant (wegen der vielleicht hübschen Rendite), in Deutschland waren sie bis Anfang 2004 verboten, heute ziert die Prospekte von Dach-Hedgefonds der Hinweis: „Der Bundesminister der Finanzen warnt: Bei diesem Investmentfonds müssen Anleger bereit und in der Lage sein, Verluste des eingesetzten Kapitals bis hin zum Totalverlust hinzunehmen!“
Subprime
Dieses Wort klingt wie die Bezeichnung eines zweitklassigen Steaks und ist das Schlüsselwort zur Finanzkrise. Sub heißt unter, Prime heißt erstklassig, macht zusammen: unter erster Klasse. Nicht nur zweitklassig, sondern faul waren viele Kredite, die Banken privaten Bauherren gegeben haben, die sich ihrerseits darauf verließen, dass der Wert ihrer Häuser stark steigen würde. Also tilgten sie nicht ihre Kredite, sondern zahlten nur die niedrigen, aber variablen Zinsen zurück. Diese Zinsen stiegen, der Wert ihrer Häuser fiel, die Häuslebauer konnten die Raten nicht mehr zahlen. Viele Hypothekenbanken brachen zusammen – allein in den USA bislang mehr als 250.
Rating
Agenturen wie Standard & Poor’s, Fitch und Moody’s bewerten mit einem Rating die (->) Bonität von Unternehmen und die Qualität ihrer Schuldpapiere. Die Arbeit von Ratingagenturen bewertet niemand.
Zweckgesellschaften
Der wohl bekannteste Fall in Deutschland: Die IKB bittet die „Rhineland Funding Capital“ (RFC) Delaware für sie zu handeln. Die RFC gehört einer Stiftung in Delaware. Eigenkapital: 500 Dollar. Die Summe der Geschäfte der RFC: mehr als 12 Milliarden Dollar. Damit der RFC vom Markt auch guter Wille entgegengebracht wurde, bekam sie einen Kredit von der IKB gewährt. Dann begann der Handel mit den (->) ABS-Anleihen. Als das Geschäft gründlich in die Binsen ging, rief die RFC nach Mutti: Die IKB muss die verwandtschaftlichen Beziehungen öffentlich machen und den Wertverlust der RFC, quasi die Spielschulden, übernehmen.