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ARTE TRASH - 19/02/12

Gespräch mit dem Regisseur George A. Romero

Gespräch mit dem Regisseur George A. Romero, Jury-Präsident bei der vierten Ausgabe des Festival Européen du Film Fantastique de Strasbourg (FEFFS), das vom 11. bis 18. September in Straßburg stattfand.

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Eines ist klar: Georges A. Romero beeinflusste nicht nur die Kinoszene entscheidend, sondern prägte mit seinen Filmen die gesamte westliche Pop-Kultur. Sein erster Film „Die Nacht der lebenden Toten“ war ein Experiment, das sich als Geniestreich erwies und die Gattung des Horrorfilms revolutionierte. Seither kennen die Zombies kein Halten mehr und erobern so manches artfremde Genre. Romero dreht indessen weiterhin aufregende Filme, wobei er sich immer neu inspirieren lässt: Mal reitet er wie früher auf der Zombie-Welle (wie in „Zombie“, und „Zombie 2“, „Land of the Dead“, „Diary of the Dead“, und „Survival of the Dead“), mal schlägt er „leisere“ Töne an (wie in „Martin“, „Season of the Witch”, “Knightriders”, und „Bruiser“). Für ARTE Trash beantwortete der vielbeschäftigte Jury-Präsident George A. Romero ein paar wichtige Fragen.

Manche Ihrer Filme, „Martin“ zum Beispiel, sind sehr persönlich. Leider sieht man sie viel seltener als Ihre „Zombie“-Filme…


Ich weiß. Ich liebe diese Filme, aber sie sind nicht sehr erfolgreich. „Creepshow“ ist mein bisher erfolgreichster Film und stand zeitweise auf Platz eins der Kinocharts. Von den schwierigeren Filmen ist „Martin“ mein Favorit. „Knightriders“ ist noch persönlicher und sogar etwas autobiografisch. Aber diese Filme haben nie genug Geld eingebracht, um irgendwen zu beeindrucken.

Ich habe gelesen, das Filmemacher-Duo Powell/Pressburger habe Sie sehr beeinflusst. Überhaupt werden die beiden von vielen Regisseuren genannt, obwohl ihre Filme scheinbar gar nicht mehr so beliebt sind…


Powell und Pressburger sind auch heute noch sehr präsent, und die wichtigsten Filme erscheinen auf Video oder DVD. Doch nur die Musikfilme wie „Die Roten Schuhe“ und „Hoffmanns Erzählungen“ finden heute noch Publikum, schon gar nicht unter den jungen Leuten. Powell und Pressburger haben auch Propaganda- und Kriegsfilme gemacht, aber die sind nur noch etwas für bedingungslose Fans.
Martin Scorsese ist ein großer Powell/Pressburger-Fan. Er wuchs in Brooklyn auf und ich in der Bronx. Um daheim einen Film anzusehen, musste man einen Projektor und einen 16mm-Film ausleihen. Als Kind hörte ich zum ersten Mal von ihm, denn wir waren die einzigen Jungs, die bei Videoverleih nach „Hoffmanns Erzählungen“ fragten. Als wir uns Jahre später endlich trafen, war mir klar, wer er war: Ich wusste, dass ein Junge namens Scorsese seinerzeit „Hoffmann’s Erzählungen“ auslieh, und er wusste, dass ein Junge namens Romero seinerzeit „Hoffmann’s Erzählungen“ auslieh. Das war lustig.

Heute kann man Filme dank VHS und DVD ganz einfach zuhause ansehen. Schauen Sie sich oft Filme an? Entdecken Sie gerne alte und neue Filme?


Ja, auch wenn ich mich weniger für neue Filme interessiere. Ich habe eine große Sammlung alter Filme, die ich schon als Kind toll fand. Ich schaue Filme, die andere mir empfehlen. Weil ich Mitglied der Oscar-Akademie bin, muss ich alle nominierten Filme gesehen haben. Das sind nicht wenige! Ich würde gerne mehr entdecken, aber in Nordamerika ist das Filmangebot leider nicht sehr breit gefächert. Es gibt kaum kleine Verleiher, die kleine Produktionen im Programm haben. Europäische Filme werden komplett ignoriert, und nur die Oscar-Kandidaten unter ihnen werden von Miramax oder anderen vertrieben. Daher sind sie hier nicht leicht zu finden.

Die Webseite IMDb kündigte fälschlicherweise an, Sie planten ein Remake des von Ihrem Freund Dario Argento realisierten Films „Profondo Rosso“. Sie haben noch nie ein Remake gemacht…


Ich würde gerne ein Remake meines Films „Jack’s Wife“ drehen, der unter dem Titel „Season of the Witch“ auf Video erschien. Das könnte mir gefallen.

Ist das ein echtes Projekt?


Nein. Ich habe zwar ein Drehbuch, arbeite aber im Moment an einem anderen Zombiefilm auf der Grundlage des Romans „The Zombie Autopsies“, den ein Freund geschrieben hat (Steven C. Schlozman, Anm. d. Red.). Er ist Psychiater in Harvard, deshalb liefert medizinisch sehr genaue Beschreibungen und stellt sogar Diagnosen. Das ist faszinierend.

Verrückt, was man mit Zombies alles machen kann! Zombies sind heute nicht mehr nur im kommerziellen Kino zu Hause, sondern erobern auch intellektuellere Kreise…


Ja, das stimmt. Es gibt sogar ein Buch namens „Stolz und Vorurteil und Zombies“ (von Seth Grahame-Smith, Anm. d. Red.)! Ich kenne auch eine Gruppe anzugtragender Wissenschaftler – sie haben mich übrigens auch mit einem Anzug beehrt –, die herausfinden will, wie eine Zombie-Apokalypse aussehen könnte. Sie sind eine Art kleiner Privatclub und geben sich richtig Mühe. Der Typ, der das Buch geschrieben hat, gehört auch dazu und ist der Arzt der Gruppe, außerdem gibt es Statistiker und Wissenschaftler aller Art. Sie machen es aus Spaß, publizieren aber alle zum Thema. Unglaublich, oder?

Halten Sie sich darüber auf dem Laufenden, was gerade über Zombies veröffentlicht wird? Vielleicht lesen Sie ja sogar noch immer die Comicreihe „The Walking Dead“ von Robert Kirkman und Charlie Adlard?


Ja, natürlich. Die Fernsehserie habe ich aber nicht gesehen. Man fragte mich, ob ich einige Folgen für die zweite Staffel realisieren wolle, aber ich lehnte ab. Ich kenne Frank Darabont seit Jahren, und wir sind beide schon lange mit Stephen King befreundet. Frank hat hervorragende Stephen-King-Verfilmungen vorgelegt! Aber bei diesem Projekt wollte ich nicht mitmachen. Ich habe meine eigenen Zombies und muss mich nicht um die der anderen kümmern. Vor allem, wenn es sich um pure Fiktion handelt. Die Verfilmung von Stevens Roman ist etwas anderes, denn das Buch ist beinahe dokumentarisch. Das wird eine interessante Arbeit und eine wahre Herausforderung für Tom Savini, der sich um die Spezialeffekte kümmert. Er wird all die Obduktionen inszenieren müssen… So kann ich einen blutigen Film drehen, ohne lächerlich zu wirken!

Wir danken George A. Romero und den Organisatoren des FEFFS.
Die Fragen stellte Jenny Ulrich am 14. September 2011 in Straßburg.

Erstellt: 07-09-11
Letzte Änderung: 19-02-12