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Kino auf ARTE - 10/02/12

Geraubte Küsse

(Baisers volés)
Spielfilm, Frankreich 1968, ARTE F
Regie: François Truffaut; Buch: Francois Truffaut, Claude de Givray, Bernard Revon; Kamera: Denys Clerval; Schnitt: Agnès Guillemon; Musik: Antoine Duhamel; Produzent: François Truffaut, Marcel Berbert; Produktion: Les Films du Carrosse, Les Productions Artistes Associés
Mit: Delphine Seyrig - (Fabienne Tabard), Claude Jade - (Christine Darbon), Jean-Pierre Léaud - (Antoine Doinel), Michael Lonsdale - (Georges Tabard), Daniel Ceccaldi - (Lucien Darbon), Catherine Lutz - (Catherine), André Falcon - (Herr Blady), Harry Max - (Herr Henry)

Nachdem Antoine aus dem Militär entlassen ist, heuert er als Privatdetektiv in einer Agentur an. Bald schon erhält er seine erste große Bewährungsprobe und verliebt sich prompt in die Frau seines Auftraggebers. Doch da ist noch seine Jugendfreundin Christine ...



Antoine ist ein verträumter Rebell, der so seine Schwierigkeiten mit Autoritäten hat. Das lässt sich schlecht mit dem Dienst bei den französischen Streitkräften vereinbaren. Nach dem Grundwehrdienst kehrt Antoine der Armee den Rücken und ist fortan arbeitslos.
Die Eltern seiner Freundin Christine verschaffen ihm einen Job als Nachtportier in einem Hotel. Dort wird er eines Nachts von dem Privatdetektiv Henry überrumpelt, der sich mit Hilfe eines Vorwands Zugang zum Zimmer einer Klientin verschafft. Der Hoteldirektor wird Zeuge des hinterlistigen Tricks und kündigt Antoine fristlos. Der alte Detektiv Henry hat jedoch Mitleid mit Antoine und verschafft ihm einen Job in der Privatdetektei Blady.
Antoine wächst mit seinen Aufgaben, vor allem Beschatten und Informationen sammeln, stellt sich dabei aber nicht allzu geschickt an. Nach mehreren Patzern vertraut ihm sein Chef den Fall seines Klienten Georges Tabard an: Der fühlt sich von allen ungeliebt und will wissen, was seine Mitarbeiter über ihn denken. Zum Schein schreibt Tabard eine Stelle als Schuhverkäufer für seinen Laden aus, um Antoine als verdeckten Ermittler in das Schuhgeschäft zu schleusen. Als Antoine dort Tabards Frau Fabienne trifft, ist es um ihn geschehen. Doch seine Liebe zu ihr lässt sich nicht mit seinem Beruf vereinbaren - die Probleme sind vorprogrammiert. Vor allem, weil es noch eine andere Frau in Antoines Leben gibt: seine Jugendliebe Christine.

In "Geraubte Küsse" spielt Jean-Pierre Léaud wieder Truffauts Alter Ego Antoine Doinel, dem der Regisseur der Nouvelle Vague insgesamt fünf Filme widmet. 1968 ist Antoine Doinel etwa 21 Jahre alt, ein junger Mann ohne Ehrgeiz und Überzeugungen, der das Leben ein wenig zu leicht nimmt.
Seit seinen filmischen Anfängen ("Les Mistons") hat sich Truffaut für die Jugend und ihre Konflikte mit den Normen der Gesellschaft interessiert und Sympathie gezeigt für Individuen, die gewöhnlich als "asozial" galten. Inspiriert durch seine eigene schwierige Jugend zwischen Internat für Schwererziehbare und Armeegefängnis schuf Truffaut (1932-1984) die Figur des Antoine Doinel, einer, der sich, scheinbar gleichgültig, seine Freiheit bewahrt, weil er sich nicht vereinnahmen lässt: So gar kein 68er-Rebell, aber eben doch ein rebellischer Romantiker, dessen laue Verweigerungshaltung unvereinbar ist mit den Erwartungen der Gesellschaft.
Schauspieler Jean-Pierre Léaud bleibt nach seinem erfolgreichen Debüt mit "Sie küssten und sie schlugen ihn" der Nouvelle Vague treu. Er wirkt in mehreren Filmen seines Entdeckers Truffaut mit ("Tisch und Bett", "Liebe auf der Flucht"), aber auch in Jean-Luc Godards "Die Chinesin". Inzwischen kann der fast 70-Jährige auf eine lange Filmkarriere und viele Auszeichnungen, darunter dem Ehren-César für sein Gesamtwerk, zurückblicken. Zuletzt war er in einer kleinen Gastrolle in Kaurismäkis "Le Havre" zu sehen.
Auch Schauspielerin Claude Jade, die Protagonistin an Léauds Seite in "Geraubte Küsse", wurde von Truffaut am Theater entdeckt und gibt in seinem Film ihr Kinodebüt. Der Film ist der Anfang einer längeren Zusammenarbeit mit dem Regisseur, der ihr privat ebenfalls den Hof macht. Jade heiratet jedoch einen französischen Diplomaten, mit dem sie nach Moskau geht, wo sie für kurze Zeit auch als Schauspielerin arbeitet. Alfred Hitchcock wird auf Jade aufmerksam und besetzt sie 1969 in der Rolle der besorgten Mutter in "Topas", was der Beginn ihrer internationalen Karriere ist. Beim französischen Publikum bleibt die 2006 verstorbene Schauspielerin für ihre Rollen in "Trautes Heim" (1973), "Der Mann im roten Rock" (1969) und "Der Zeuge" (1969) unvergessen.
François Truffauts episodisch erzählter Film über den Alltag des jungen Romantikers Antoine wird 1968 oscarnominiert und geht in das Rennen um die Golden Globes.

Geraubte Küsse
Mittwoch 22. Februar 2012 um 14.50 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 1968, 87mn)
ARTE F

Erstellt: 10-02-12
Letzte Änderung: 10-02-12