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Im Gespräch mit... - 08/12/05

Gérard Mordillat

Drei Fragen an den Regisseur von "Insel der Diebe" ("L'île Atlantique") nach dem Roman von Tony Duvert


Das vernichtende Urteil der Kinder


Unter welchen Bedingungen fanden die Dreharbeiten statt?
Es war windig, kalt und stürmisch! Ich war im siebten Himmel, denn wir hatten genau das Wetter, das ich mir erhofft hatte. In der "Insel der Diebe" sieht man sogar, wie es auf dem Meer schneit, fast unvorstellbar, aber dennoch ebenso wahr wie ungemütlich!

Wie haben sie die Kinder ausgewählt, die im Film mitspielen?
Zusammen mit meinem Assistenten habe ich mir für die rund zehn Rollen, die wir zu vergeben hatten, etwa 400 Kinder anschauen müssen. Wenn man mit Kindern dreht, muss man bei der Auswahl höllisch aufpassen. Ein Kind, das nicht pünktlich zum Casting-Termin erscheint oder unzuverlässig ist, wird es auch während der Dreharbeiten sein; wenn es hingegen einen guten Eindruck macht, kann man sich in der Regel darauf verlassen, dass das so bleibt. Und dann ist es natürlich von großer Bedeutung, dass das Kind gefühlsmäßig mitgeht, das ist mindestens ebenso wichtig wie das schauspielerische Können. Man muss richtig spüren können, wie sie alle unter einer Decke stecken und als Komplizen gemeinsame Sache machen. In aller Bescheidenheit, ich glaube, dass wir bei den Kindern bzw. den jungen Mädchen, die in "Insel der Diebe" mitspielen, die richtige Wahl getroffen haben. Wenn der Film als gelungen zu betrachten ist, dann habe ich das in erster Linie ihnen zu verdanken.

In welchen Szenen ist Ihrer Meinung das am besten verdichtet, was Sie mit diesem Film aussagen wollen?
Als Jean-Charles (im Film spielt er Camille) seinen Vater anschaut und ihm, ohne den Blick zu senken, ins Gesicht sagt: "Das ist zum Kotzen!", oder als Finnegan (Jean-Baptiste) zu seinen Leuten sagt: "Ihr habt kein Recht dazu!", oder auch, als die beiden Brüder ihrer Familie die Stirn bieten. "Die Insel der Diebe" ist ein Film, in dem die Kinder über ihre Eltern richten. Und ihr Urteil ist vernichtend.

Interview: Pascale Laniot

Erstellt: 08-12-05
Letzte Änderung: 08-12-05