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Präsidentschaftswahlen 2012

Der Kampf um den Elysée-Palast, hautnah mitverfolgt: unser Dossier.

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Präsidentschaftswahlen 2012

ARTE Journal - 25/04/12

"Ganz Europa ist vom Ausgang der Wahl betroffen"

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl lässt Frankreich angeschlagen zurück: Fast jeder fünfte Wähler hat sich am gestrigen Sonntag für 'Le Front National' entschieden, mit ihren 17,9% der Stimmen feiert Marine Le Pen ihren dritten Platz in Siegerpose. Zählt man dazu die Stimmen, die die extrem linken Strömungen bekommen haben, so scheint sich ein Drittel des französischen Wahlvolkes einen radikalen Kurswechsel zu wünschen.

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Die Presse Europas kommentiert diese beunruhigende Tendenz und blickt nicht ohne Sorge auf ein Frankreich, dass in zwei Wochen möglicherweise einen sozialistischen Präsidenten haben wird.

Die 28,63% für Sieger François Hollande haben auch eine historische Dimension: noch nie hat ein Sozialist in der ersten Runde mehr Stimmen bekommen. Knappe 1,5% weniger kann Noch-Präsident Nicolas Sarkozy vorweisen, nur 27,18 Pozent der wählenden Franzosen wollen ihn 5 weitere Jahre im Elysée Palast sehen. Das Duell Hollande -Sarkozy wird am 6. Mai ausgefochten. In der ersten Runde lag die Wahlbeteiligung mit 79,47% in etwa im Durchschnitt der vorherigen Präsidentenwahlen.

Die Presseschau von diesem 23. April 2012 hat Annette Gerlach für ARTE Journal zusammengestellt:

  • Die linksgerichtete Pariser "Libération" schreibt zur ersten Runde bei der Präsidentschaftswahl:
    "Da ist zuerst der klare Sieg von François Hollande. Das war bei weitem nicht von vornherein klar. Und dieser erste Platz sagt viel aus. Zum einen ist da ein starker Wille nach politischem Wandel, einer anderen Art zu regieren. Da ist der Wunsch, an der Spitze des Staates wieder Werte zu sehen. Die zweite Lehre: Nicolas Sarkozy ist gescheitert. Mit seinem unverständlichen Wahlkampf konnte er seine Bilanz nicht maskieren, die an den Urnen abgestraft wurde. Und er konnte auch die Front National (FN) nicht schwächen, ganz im Gegenteil: Niemals war die extreme Rechte in Frankreich so stark."

  • Auch die Zeitung "La Voix du Nord" aus Lille kommentiert den Erfolg von Marine Le Pen:
    "Die Überraschung, das ist das Abschneiden der Front National. (...) Ob die Partei vom Vater (Parteigründer Jean-Marie Le Pen) oder von der Tochter repräsentiert wird, sie ist seit 30 Jahren bei allen Wahlen dabei und zieht immer mehr Stimmen auf sich. (...) Seit die Krise voll zuschlägt, die Arbeitslosigkeit unverändert hoch ist, die Zukunft Angst macht, fallen die Stimmzettel für die Front National (FN) in die Urnen, um den Mächtigen zu zeigen, dass ein Teil der Franzosen nicht mehr an ihre Lösungen glaubt. (...) Und dies trotz eines Präsidenten, der mit den Wählern der FN flirtet und trotz des Linksaußen Jean-Luc Mélenchon, der davon träumte, den Rechtsextremen Wähler aus der Arbeiterklasse abzujagen. Nichts hat genutzt."

  • Die linksliberale spanische Zeitung "El País" schreibt in ihrer Montagsausgabe:
    "Ganz Europa fühlt sich vom Ausgang der Wahl betroffen. Wenn Hollande auch im zweiten Durchgang gewinnt, würde dies einen Wandel für die EU bedeuten. In Frankreich stehen sich zwei völlig unterschiedliche Konzepte von Europa-Politik gegenüber. Dies gilt nicht nur für die Kontrolle der Zuwanderung. Hollande will auch, dass die EU nicht einfach nur spart wie bisher, sondern für die Wirtschaft auch Wachstumsstrategien entwickelt. Denn eine reine Sparpolitik drückt der Wirtschaft die Luft ab."


  • Auch die bulgarische Zeitung "24 Tschassa" kommentiert die Präsidentschaftswahl in Frankreich:
    "Sollte François Hollande siegen, wird er der zweite Sozialist in der Geschichte der Fünften Republik Frankreichs sein. Die französische Wählerschaft stimmt traditionell eher rechts-konservativ, aber die wirtschaftliche Krise könnte nun die Linke erneut an die Macht zurückbringen. (.) Hollande ist der erste Vertreter der europäischen Linken, der ein umfassendes Programm zum Ausweg aus der Wirtschaftskrise bietet, das anders ist als das der bisherigen rechts-konservativen Spitzenpolitiker in der EU. Sollte er siegen, wird ganz Europa das französische Experiment unter die Lupe nehmen."


  • Mit neuen Wortschöpfungen erfreut die konservative britische Zeitung "The Times" ihre Leser:
    "Die Zukunft von "Merkozy", dieser Hydra am Steuer der Europapolitik, ist in höchster Gefahr. Die Verbindung dieser beiden Köpfe, Nicolas Sarkozy und Angela Merkel, war sachlich, aber nicht herzlich, und hat dazu beigetragen, die Märkte von Härte und Dynamik im Herzen der Eurozone zu überzeugen. "Merkande" (Angela Merkel und François Hollande) oder vielleicht "Frangela", könnte eine ganz andere Perspektive bieten. Es gibt langfristige Strukturprobleme, die nicht länger ignoriert werden können, ob die Eurozone in ihrer gegenwärtigen Form weiterbesteht oder nicht. "Frangela" ist eine Einheit, die noch nicht auf die Probe gestellt wurde. Sollte dieses Wesen bald seine zwei Köpfe erheben, dürften diese nicht lange zusammenbleiben."

  • Einen Blick in die Zukunft wagt die katholische französische Zeitung "La Croix":
    "Nach der üblichen Wahl-Arithmetik könnte François Hollande am 6. Mai die Wahl gewinnen. Doch man kennt die Kämpfernatur von Nicolas Sarkozy. Er wird nichts unversucht lassen. Die Wahlempfehlungen der abgeschlagenen Kandidaten werden sehr genau geprüft werden. Es besteht die Gefahr, dass im Kampf um Wählerstimmen beide Kandidaten sich gegenseitig überbieten oder lähmende Allianzen eingehen. Nach dem 6. Mai wird der neue Präsident ein Programm für alle Franzosen aufstellen müssen. Er wird handeln und schmerzhafte Entscheidungen treffen müssen, und vor allem wird er die Wahrheit sagen müssen: Über den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, den Abbau der öffentlichen Schulden und die Rückkehr zum Wachstum."


  • Über François Hollande schreibt die konservative Wiener Tageszeitung "Die Presse":
    "Vieles deutet nämlich darauf hin, dass sich das französische Elektorat nichts sehnlicher wünscht als eine Reduktion der politischen Spannung. Und niemand verkörpert diese Sehnsucht mehr als François Hollande, der Kandidat der Sozialisten, der - sofern die Demoskopen nicht völlig danebenliegen - als Favorit in die Stichwahl am 6. Mai geht. Hollande ist ein Schwachstrompolitiker par excellence - ein Monsieur eineinhalb Volt, der nie ein Leben außerhalb der geschützten Werkstatt der Parti Socialiste führen musste."


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Erstellt: 23-04-12
Letzte Änderung: 25-04-12