Synopsis: Afghanistan, heute – das Taliban-Regime ist gestürzt, die Mädchenschulen sind wieder geöffnet. Mit vielen Teenagern besucht auch die bereits 20-jährige Noqreh den Unterricht unter freiem Himmel. Sie, die aufgeschlossene, moderne, junge Frau will, gefragt von ihrer Lehrerin nach ihrem Berufswunsch, Präsidentin werden. Eine undenkbare Vorstellung angesichts der politischen Verhältnisse, die Noqreh dazu zwingen, parallel zum normalen Unterricht auch noch eine Koranschule zu besuchen, in denen die totale Unterordnung unter den Mann gepredigt wird. So will es auch ihr gottesfürchtiger Vater, ein Kutscher, der zusammen mit seiner Schwiegertochter und ihrem kranken Kind in Kabul auf die Rückkehr seines Sohnes – Noqrehs Bruder – aus Pakistan hofft.
Und doch erzählt Makhmalbafs Film von der winzigen Freiheit, die es für eine junge Frau im heutigen Afghanistan bedeutet, wenn sie ungehindert die Koranschule verlassen kann, um in einem dunklen Hauseingang ihre Pantoffeln gegen ein Paar weiße Pumps einzutauschen. In diesen Schuhen findet Noqreh - gespielt von einer dreifachen Mutter und wie alle Akteure in Makhmalbafs Film Laiendarsteller - den Mut, inmitten hunderter verschleierter Teenager mit zwei Gleichgesinnten aufzustehen und ihren Berufswunsch kundzutun, die ersten Präsidentin ihres Landes zu werden. Fortan fragt sich Noqreh, was man als Muslimin wohl sagen und tun muss, um eine vom Volk anerkannte Präsidentin zu werden, wie Bhenazir Bhutto in Pakistan und Indira Gandhi in Indien. Auch ein Mann ist von ihrem Traum infiziert – ein junger Dichter aus Pakistan.
Mit vielen anderen Flüchtlingen in die Hauptstadt geschwemmt, wird er zu Noqrehs ständigem Begleiter und kann gar einen französischen Elitesoldaten dazu bewegen, die künftige Landeschefin zu fotografieren oder vor ihr salutierend die Hacken zusammenzuschlagen. Bei allen hoffnungsvollen Momentaufnahmen von der Befreiung der afghanischen Frauen von ihren patriarchalischen Fessel wirft Makhmalbaf nichtsdestotrotz einen ungeschönten Blick auf die Härten eines afghanischen Flüchtlingslebens. Immer wieder müssen Noqreh und ihr Vater, deren einziger Besitz zwei Hühner und ein Esel sind, ein neues Quartier suchen, auf der Suche nach Wasser für die Tiere und das unterernährte Kind der Schwägerin, die verzweifelt auf die Rückkehr ihres Mannes wartet. Und während Noqreh ihre Angst vor dem freien Sprechen mit Hilfe eines Gedichts von Frederico García Lorca überwindet, indem sie es einer Kuh und ein paar Schafen vorträgt, und so ihre Eignung als Präsidentin ein gutes Stück voranbringt, geht es mit der eigenen Familie dramatisch abwärts.
Bei allen amerikanischen Wunschdenken von einem befreiten Afghanistan bleibt die Zukunft des Landes und seiner Frauen eben mehr als ungewiss.
Martin Rosefeldt
Regie: Samira Makhmalbaf
Drehbuch: Samira Makhmalbaf, Mohsen Makhmalbaf
Darsteller: Aghele Rezaie, Abdolgani Yousefrazi u.a.
Iran/Frankreich 2002, 105’






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