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Schiller Schwerpunkt

Am 10. November 2009 jährte sich der Geburtstag von Friedrich Schiller zum 250. Mal. ARTE widmete dem deutschen Dichter einen ganzen Thementag

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Am 10. November 2009 jährte sich der Geburtstag von Friedrich Schiller zum 250. Mal. ARTE widmete dem deutschen Dichter einen ganzen Thementag

Schiller Schwerpunkt

Donnerstag, 05.11.09 um 16.10 Uhr - 02/11/09

Friedrich Schiller

Idealist, Nationalist, Revolutionär? Zeitgenosse aller Zeiten?


Ist Friedrich Schiller ein deutscher Nationaldichter und Zeitgenosse aller Epochen oder eher ein wirkungsloser Klassiker und verstaubter Theater-Moralist? Seine Stücke werden seit 200 Jahren gespielt. Einigen gelten sie als Schmiermittel für die nach Identität suchende deutsche Seele, anderen als Provokation der Herrschenden. Schillers Bild schwankt in der Geschichte. Der Ehrenbürger der Französischen Republik war in der Zeit der europäischen Restauration wenig gefragt, vor 1848 wurde er, der Sänger der Freiheit, zum Bundesgenossen des liberalen Bürgertums. Schiller, ein Nationalheld - aber ein sperriger.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brach in Deutschland eine Schiller-Euphorie aus. Der nationale Heros Schiller wurde zum Verkaufsschlager: Es gab Schiller-Torten, Schiller-Bonbons, Schiller-Alben und überall im Land wurden dem Dichter Denkmäler errichtet. War die gigantische Schiller-Huldigung, wie es damals auch hieß, "ein Siegesfest des deutschen Geistes"? Wurde hier schon eine Haltung sichtbar, die auf die Gefahr eines überheblichen, gefährlichen Nationalismus hinwies? Der Spießbürger begann sich mit Schiller anzufreunden - auch auf dem Weg auf die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges. Schillers Texte scheinen eine Art Steinbruch für wechselnde gesellschaftliche Situationen zu sein.
Nazi-Deutschland reklamierte den Dichter für sich als Vorläufer der nationalen Erhebung. Die Jenaer Universität erhielt 1933 den Namen "Friedrich Schiller", Reichspropagandaminister Goebbels erklärte im Nationaltheater Weimar Schiller zum Sänger der nationalen Revolution. Aber der Bruch blieb nicht aus. Ab 1941 gab es keine "Wilhelm Tell"-Aufführungen mehr, denn Schillers Texte setzten sich zur Wehr, ihr Potenzial an freiheitlichen Ideen verweigerte sich dem permanenten Missbrauch. Interessant wurde der Klassiker aus Weimar immer in Zeiten sozialer Auseinandersetzungen und gesellschaftlicher Umbrüche.
So inszenierte Peter Zadek 1967 in Bremen "Die Räuber". Ein Hinweis auf die folgende Studentenrevolte in Westeuropa? Oder 1976 an der Volksbühne in Berlin, in der DDR: Die "Räuber"-Inszenierung von Manfred Karge und Matthias Langhoff provozierte das gesellschaftliche Umfeld.
Der Schiller'sche Idealismus und sein radikales Pathos wurden oft instrumentalisiert und dienten als Motor für angebliche Weltverbesserer jeder Art. Aber Schillers Werk erzählt immer auch die Träume vom großen Glück jenseits aller Realität. Und der Dichter im neuen 21. Jahrhundert? Steht an den deutschen Bühnen zum 250. Geburtstag eine Schiller-Renaissance bevor? Gewinnt Friedrich Schiller, der Freiheitsdichter der Deutschen, der Visionär künftiger Zeiten, neue Aktualität im Theater der Gegenwart?
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Friedrich Schiller
Idealist, Nationalist, Revolutionär? Zeitgenosse aller Zeiten?
Dokumentation von Michael Kluth
ARTE/MDR, Deutschland, 2005, 45 Min.

Erstellt: 23-10-09
Letzte Änderung: 02-11-09