Mit: Natalie Portman, Hana Laszlo, Aki Avni, Hiam Abbass, Makram Khoury, Uri Klauzner, Carmen Maura, Tinkerbell
FotogalerieSynopsis: Die junge Amerikanerin Rebecca, die seit einigen Monaten in Jerusalem lebt, hat gerade ihren Verlobten verlassen, der in einer Grenzsituation eine Palästinenserin vergewaltigte, obwohl er es selbst nicht als Gewaltakt sehen will. Sie steigt in Hannas Taxi, um Jerusalem zu verlassen, und da Hanna gerade auf dem Weg ist, um in der eine Tagesreise entfernten „Free Zone“ an der Grenze zwischen Jordanien und dem Irak, eine geschäftliche Angelegenheit zu regeln, überredet sie Hanna, sie dorthin mitzunehmen. Aber als sie endlich in der Steuer- und Zoll-Oase ankommen, herrscht dort Aufruhr unter den jungen Palästinensern.
Leila, die Frau von Hannas Geschäftspartner, eröffnet ihr, dass ihr Mann nicht da sei, sie ihr also auch nicht wie ursprünglich vereinbart, die geschuldeten 30.000 Dollar geben könne. Damit will sich Hanna nicht zufrieden geben, aber sie weiß, dass sie Rebecca nicht in Gefahr bringen darf.
Kritik: Am Anfang sieht man Rebecca weinend und schluchzend im Auto sitzen, in einer faszinierenden Seiten-Nahaufnahme aus dem Fenster auf Jerusalem schauend. Man weiß noch nicht, worüber sie weint, aber da es eine extrem lange Sequenz ist, getragen von Natalie Portmans großer schauspielerischen Leistung, vermutet man ganz allmählich, sie weine womöglich so heftig über den Zustand dieser Stadt, dieses Landes.
Leider verspielt der Film diesen starken Beginn bald wieder, und das nicht nur, weil er in einer sehr kitschigen Rückblende mit sinnlosen Mehrfachüberblendungen dann doch nahe legt, dass Rebeccas Schmerz vor allem Trennungsschmerz ist.
Die ursprünglich interessante Konstellation dieser drei Frauen, mit ihren unterschiedlichen Interessen vor dem Hintergrund des palästinensisch-israelischen Konflikts, wird vom Regisseur leider nicht weiter entwickelt, weil er zu dicht an den Figuren klebt. Im wörtlichen Sinn durch die exzessiv eingesetzte Nahaufnahme von der Seite, im übertragenen Sinn, weil er keinen distanzierten, erweiterten Blick auf die komplizierte Situation wagt, was für die Dramaturgie aber unbedingt notwenig gewesen wäre. Vielleicht schwebte Amos Gitaï hier ein starkes Frauentrio vor, das den Teufelskreis von Hass, Rache und neuem Hass – der auch in dem traditionellen Lied besungen wird, von dem der Film leitmotivisch durchzogen ist – durch eine Art weiblicher Solidarität über die Schranken hinweg durchbricht, aber auch das erscheint im Film wenig glaubwürdig, wird als Möglichkeit nur behauptet.
Nachdem der Sohn von Leilas Mann, der sie wegen ihres modernen Lebensstils schon lange hasst, das eigene Haus niedergebrannt hat, beschließt Leila, mit den beiden anderen Frauen zurück zu fahren - und plötzlich fahren sie alle fröhlich singend und im Rhythmus der Musik die Köpfe schwingend auf die schwer gesicherte Grenze zu.
Neben der schwachen Bildsprache, sind es diese psychologischen Sprünge und Brüche, die dazu führen, dass man das Interesse an den drei Frauen verliert, und auch die gut gemeinte Idee im Wüstensand untergeht.
Als Hanna und Leila im wartenden Auto sofort wieder anfangen über das Geld zu streiten, steigt Rebecca entnervt aus und rennt mit einer Plastiktüte in der Hand an den Grenzsoldaten vorbei. Eine weitere schwer nachvollziehbare Reaktion, ganz abgesehen davon, dass sie normalerweise schnell eingefangen oder erschossen worden wäre. Als Schlussbild bleiben nur zwei zankende und zeternde Frauen zurück, über die man vielleicht lachen sollte, die aber nur das negative Klischeebild von arabischen und israelischen Frauen bedienen – und das kann der Film doch wirklich nicht gewollt haben.
Thomas Neuhauser
------------------
Free zone
Ein Film von Amos Gitai
(Israël/USA/2005, 93 Min.)
Mit: Natalie Portman, Hana Laszlo, Aki Avni, Hiam Abbass, Makram Khoury, Uri Klauzner, Carmen Maura, Tinkerbell






per E-Mail verschicken
Drei Frauen palästinensischer, israelischer und amerikanischer Herkunft, und mit ganz unterschiedlichen Interessen, sind im jordanischen Grenzgebiet plötzlich aufeinander angewiesen.
Facebook
Twitter
RSS

