Im Gespräch - 15/12/05
Frédéric Carpentier
Autor und Regisseur des Fernsehfilms "Auf den Wellen", ARTE-Erstausstrahlung am Dienstag, den 20. Dezember 2005, um 22.45 Uhr.
Die Interviews von A-Z
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Im Mittelpunkt Ihres Films „Les Vagues“ steht der Surfsport. Was hat Sie bewogen, diesen Film zu schreiben und zu drehen?
Die Entstehungsgeschichte des Films ist seltsam. Im Grunde ist es mein „Urlaubsfilm“. Mein Filmprojekt bestand aus Notizen und Impressionen. Mich hat die Schönheit und Anmut des Surfens gereizt, und auch die Lebensweise der Surfer fand ich faszinierend.
Meine Recherchen ergaben, dass das Thema Surfen weder in Frankreich noch in Europa jemals in einem Fernsehfilm behandelt worden war. Bei den Surfern selbst waren die Erwartungen unglaublich hoch. Sie wollten einen einfühlsamen, nuancierten Film über ihr Milieu. Unter solchen Bedingungen einen Film zu konzipieren und zu drehen, ist sehr motivierend, man bekommt aber auch Schwindelgefühle, weil man weiß, dass man keinen Fehler machen darf. Die Surfszenen in den Wellen habe ich besonders sorgfältig gedreht, denn 13 Minuten innerhalb eines Fernsehfilms, das kommt einem Rekord gleich!!
Solche „Action“-Einstellungen sind für einen Fernsehfilm eher ungewöhnlich. Wie waren denn die Drehbedingungen?
Sehr angenehm, auch wenn der Film thematisch und technisch hohe Anforderungen stellte. Von der Machart und vom Geist her war unser Ansatz eher der eines Spielfilms als eines Fernsehfilms. Ich wollte beim Zuschauer das Gefühl wecken, mitten in den Wellen zu sein. Daher haben wir mit Paramotor und Jet-Ski gearbeitet, um auf den Wellen reiten und den Surfern folgen zu können. Das hatte zuvor noch niemand gemacht, und ich musste auch wegen der Sicherheit sehr wachsam sein.
Die Rolle des Surfens im Film ist eindeutig, aber was ist mit den Wellen, die im Titel vorkommen?
Wenn man genau hinsieht, ist der Film wie sein Sujet aufgebaut, nämlich wellenförmig, wogend wie der Ozean. Wenn ein Film „sensorisch“ funktionieren soll, muss man Zyklen und Rhythmen finden, die den Zuschauer in das Erlebnis eintauchen lassen. Aber die Wellen bedeuten auch das Auf und Ab des Lebens, ein Kap oder eine Küste sind typische Orte des Wechsels: Man verlässt die Pubertät und tritt mit Wucht ins Erwachsenenalter ein, um die 40 kommt dann das Verlangen nach einem neuen Kick.
Ihre Surfer sind technisch perfekt. Wie haben Sie die Schauspieler ausgesucht?
Um ein guter Surfer zu werden, braucht man zehn Jahre. Ich konnte also keine Schauspieler ohne Surfkenntnisse nehmen. Nach vielen Casting-Anläufen von der Bretagne bis ins Baskenland stieß ich auf Guillaume Baché, einen sehr guten Free-Surfer aus Hossegor. Ihn habe ich dann intensiv auf die Schauspielerei vorbereitet, um ihn in die Lage zu versetzen, die Hauptrolle zu verkörpern. Bei vielen anderen Surfern im Film war es genau so. Ich ziehe bei meiner Arbeit immer professionelle und Laienschauspieler heran, um den richtigen Ton zu treffen und Ausgewogenheit zu erreichen. Guillaume hat meine Erwartungen übertroffen. Und Clémentine Célarié hat sehr großes Engagement an den Tag gelegt, sie ist eine ganze Woche lang in die Welt der Surfer eingetaucht.
„Les Vagues“ ist Ihr Regiedebüt bei einem programmfüllenden Film, Sie haben aber bereits am Drehbuch des Spielfilms „Liebe das Leben“ mitgewirkt. Wie ist der Übergang von der Drehbuch- zur Regiearbeit verlaufen?
Ich hatte schon zwei Kurzfilme gedreht. Das hat mir beim Finden meines künstlerischen Ansatzes geholfen. Durch die Drehbucherfahrung habe ich einen tieferen Einblick in die heutige Funktionsweise des Kinos bekommen. Ich habe gelernt, dass ein Drehbuch nicht unantastbar ist, obwohl meine Drehbücher immer bis auf den Millimeter ausformuliert sind! Ich kann Drehbücher schreiben, und das ist gut so. Aber man muss auch in der Lage sein, sie bei den Dreharbeiten auf den Kopf zu stellen und den Schauspielern zu gestatten, sie sich zueigen zu machen. Ich habe festgestellt, dass ich durch die Beherrschung des Drehbuchs völlig frei für die Dynamik des Films, die Schauspieler und den Ozean wurde und sie so in den Film hereinlassen konnte.
Das Interview führte Clément Pétreault.
Der Regisseur Frédéric Carpentier:
Der Filmregisseur Frédéric Carpentier betätigte sich zunächst wiederholt als Drehbuchautor verschiedener Kurz- und mittellanger Filme, darunter „Seule“ von Eric Zonca; bei dessen Spielfilm „Liebe das Leben“ (1998) war er Koautor.
„Les Vagues“ ist der erste Fernsehfilm, bei dem Carpentier Regie führt.
Erstellt: 15-12-05
Letzte Änderung: 15-12-05